Beim Flughafenfest konnten Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Flughafenchef Rainer Schwarz noch einmal für ein paar Stunden so tun, als ob der neue Hauptstadtairport Willy Brandt BER wie geplant am 3. Juni eröffnen würde. Doch es dürfte für beide der letzte schöne Termin rund um den Flughafen gewesen sein. Morgenpost Online zeigt, welche wichtigen Entscheidungen nun anstehen.

Wann tagt der Aufsichtsrat?

Kommenden Mittwoch kommt der Aufsichtsrat zu einer außerordentlichen Sitzung in Schönefeld zusammen. Der genaue Ort steht noch nicht fest. Sehr wahrscheinlich wird das Treffen in dem Informationszentrum des Flughafens, der sogenannten Airportworld, stattfinden oder in einem nahe gelegenen Tagungsraum. Für die Öffentlichkeit ist die Sitzung nicht zugänglich. Die Flughafengesellschaft wird danach aber laut einem Sprecher die wichtigsten Beschlüsse mitteilen.

Was genau macht der Aufsichtsrat?

Die Mitglieder des Aufsichtsrats sollen die Geschäftsführung kontrollieren. Im Fall des BER erhielten sie daher regelmäßig Berichte über den Stand der Bauarbeiten und die verwendeten finanziellen Mittel. Daher steht seit der Bekanntgabe der Verschiebung auch der Aufsichtsrat in der Kritik. Denn er hätte eigentlich merken müssen, dass am BER so kurz vor der geplanten Eröffnung schwerwiegende Mängel bestehen. Es sei denn, er wurde grob hinters Licht geführt. Für ihre Zeit erhalten die Mitglieder eine Entschädigung. Im vergangenen Jahr erhielten sie zusammen 14.100 Euro. Wie dem Aufsichtsrat die Bauprobleme entgehen konnten, ist eine spannende Frage, die aber kommenden Mittwoch kaum geklärt werden wird.

Worüber wird am Mittwoch dann geredet?

Da wird es vor allem für die Geschäftsführung des Flughafens ungemütlich. Die Mitglieder des Aufsichtsrats wollen von den Managern hören, wie es zu der Panne kommen konnte und ob Mängel beim Brandschutz tatsächlich der einzige Grund für die Verschiebung des Eröffnungstermins sind. Dies dürfte für Flughafenchef Rainer Schwarz und seinen technischen Geschäftsführer Manfred Körtgen besonders unangenehm werden. Nach Informationen der Berliner Morgenpost aus brandenburgischen Regierungskreisen soll Körtgen seinen Posten räumen. Begründung: Das Vertrauen in den Manager sei erschüttert. Klaus Wowereit hatte bereits angekündigt, dass es gegebenenfalls auch personelle Konsequenzen gezogen werden. Und damit meinte der Regierende Bürgermeister ganz ausdrücklich die Chefebene.

Wer sitzt im Aufsichtsrat?

Dem Aufsichtsrat gehören 15 Mitglieder an, je vier aus den Ländern Berlin und Brandenburg, zwei aus den Bundesministerien Verkehr und Wirtschaft sowie fünf Arbeitnehmervertreter. Die Gesellschafter Bund, Berlin und Brandenburg haben daher auch Vertreter in das Kontrollorgan entsandt, was gesellschaftsrechtlich keine ganz glückliche Konstellation ist. So ist Berlin unter anderem durch Klaus Wowereit und Innensenator Frank Henkel (CDU) vertreten. Brandenburg schickt Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Die Linke). Zudem gehören Günther Troppmann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kreditbank, und Staatssekretär Rainer Bomba aus dem Bundesverkehrsministerium dem Gremium an.

Wann steht der neue Starttermin fest?

Auf der Sitzung soll der neue Starttermin für den BER festgelegt werden. Allerdings hat unter anderem die Lufthansa schon davor gewarnt, sich zu früh auf ein Datum zu einigen. Während Politik und betroffene Firmen am liebsten schon in der zweiten Augusthälfte loslegen möchten, ist der Start nach Ansicht der Airlines frühestens zum Wechsel auf den Winterflugplan möglich. In dem Fall würde sich die Eröffnung bis Anfang November hinziehen.