Rainer Schwarz war nur noch 25 Tage von seinem größten Triumph entfernt. Dann wäre das erste Flugzeug über die Startbahn des neuen Flughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) gerauscht, die größte Arbeitsstätte Ostdeutschlands hätte ihren Betrieb aufgenommen und Rainer Schwarz wäre als großer Macher bejubelt worden.
Doch der Traum ist geplatzt wie eine Seifenblase. Die Eröffnung des BER ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Tegel und Schönefeld bleiben geöffnet. Und Rainer Schwarz musste am Montagabend das vielleicht unangenehmste Telefonat seines Lebens führen und Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) mitteilen, dass am 3. Juni kein Flugzeug vom BER starten wird.
Was das für Rainer Schwarz selbst bedeutet, steht noch nicht fest. Der Aufsichtsrat, in dem unter anderen Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sitzen, ist sich da vermutlich selbst noch nicht sicher.
Man kann Rainer Schwarz durchaus glauben, dass ihn diese Blamage schmerzt. „Ich kann mich nur entschuldigen“, sagte er, kurz nachdem er die Nachricht verkündet hatte.
Ein neues Wort für chaotische Eröffnungen
Die Häme der Branche kann Schwarz sich ausmalen. Dafür reicht ein Name, der in der Welt der Luftfahrt alles sagt: Heathrow. Bei der Eröffnung des neuen Terminals am Londoner Großflughafen 2008 gingen Tausende Koffer verloren oder wurden nicht abgefertigt. Mehr als 200 Flüge wurden gestrichen.
Solch ein Desaster wollte Rainer Schwarz in Berlin unbedingt vermeiden. Doch nun gibt es ein neues Wort, um das größte Chaos einer Flughafeneröffnung zu beschreiben: BER.
Dass ausgerechnet ihm das passieren musste, ist bemerkenswert. Denn mit Flughäfen kennt sich Rainer Schwarz aus wie kaum ein anderer. Er hat schon den Umzug des Flughafens München-Riem in das Erdinger Moos begleitet und den Neubau des Flughafens Düsseldorf.
2006 wurde er Sprecher der Geschäftsführung der Flughafengesellschaft Berlin. Man kann ebenso wenig sagen, dass das Projekt zu früh in seiner Karriere kam.
So hatte er unter anderem fünf Jahre lang Erfahrungen am deutlich kleineren Flughafen Nürnberg gesammelt. Die Eröffnung des BER sollte der Höhepunkt seiner Laufbahn werden.
Schuldfrage noch reine Spekulation
Rainer Schwarz hatte erst am Sonntag im Gespräch mit Morgenpost Online erneut erklärt, dass der Eröffnungstermin stehe. Am Montag war er bei der Schlüsselübergabe im neuen Hangar von Air Berlin und Germania dabei. Doch da muss ihm schon klar gewesen sein, dass dies sein vorerst letzter Termin mit guten Nachrichten war.
Persönlich kann Rainer Schwarz sehr wahrscheinlich nicht für die Verschiebung belangt werden. Denn als Sprecher der Geschäftsführung genießt er einen rechtlichen Haftungsausschluss, den er als Vorsitzender nicht hätte.
Ob diese Feinheit ihn auch davor bewahrt, seinen Posten abgeben zu müssen, ist weniger gewiss. Eine frühzeitig angekündigte Verschiebung hätte man ihm im Vergleich zur jetzigen Situation vermutlich sogar verziehen.
Klar hätte man gelästert. Aber Rainer Schwarz hätte die Kritiker zum Verstummen gebracht, wenn dann das erste Flugzeug vom BER abgehoben hätte. Doch die Mängel beim Brandschutz erst drei Wochen vor Eröffnung zu merken, das finden viele dann doch erstaunlich.
Man kann derzeit nur darüber spekulieren, welche Schuld Rainer Schwarz daran trifft. Er ist Chef des ganzen Unterfangens, doch für den Bau ist an sich Manfred Körtgen, der Geschäftsführer Betrieb, zuständig.
Schwarz: "Würde gerne weiterarbeiten"
Wowereit stärkte Rainer Schwarz bei der Pressekonferenz am Dienstag zumindest provisorisch den Rücken und sprach davon, dass sie alle in einem Boot säßen. Doch das dürfte Schwarz nicht viel helfen.
„Hier ist Aufklärungsarbeit notwendig, um herauszufinden, ob das Problem nicht auch schon früher hätte entdeckt werden können und wer dafür die Verantwortung trägt“, sagte Wowereit. Allzu lange sollte sich Schwarz nicht auf diese Unterstützung verlassen.
Denn sobald die Vorwürfe gegen die Politiker im Aufsichtsrat zunehmen, werden diese die Schuld bei ihm abladen. „Ich würde gern künftig genauso intensiv für das Projekt BER weiterarbeiten, wie ich es bisher getan habe“, sagte Schwarz.
Nur ob man ihn lassen wird, ist am Ende die entscheidende Frage.


