Reise

Wie der Familienurlaub gelingt

Immer mehr Eltern reisen nicht nur mit den Kindern, sondern auch mit Oma und Opa. Tipps für die Auszeit mit mehreren Generationen

Familie Kalamajski verreist gerne zusammen. Hier: Großmutter Heidrun mit Sohn Sebastian und den Enkeln Jonathan (l.) und Noah

Familie Kalamajski verreist gerne zusammen. Hier: Großmutter Heidrun mit Sohn Sebastian und den Enkeln Jonathan (l.) und Noah

Foto: Amin Akhtar

Ob die Oma in die Ferien mitkommen könnte, haben die Kinder gefragt und gleich losgebettelt: „Bitteeeeehh...“ Ja, warum eigentlich nicht? Sebastian Kalamajski (35) lacht. Seine Söhne, die sechsjährigen Zwillinge Noah und Jonathan, mögen ihre Oma sehr gerne. Und seine Frau versteht sich bestens mit der Schwiegermutter. Gesagt, getan. Kurze Zeit später ging es los in den ersten gemeinsamen Urlaub – nach Mallorca.

Nach zwei Wochen unter einem Dach sagt er: „Es hat super geklappt.“ Seine Mutter sei sehr unkompliziert, immer motiviert, gut gelaunt und offen für alles. „Und wir als Eltern hatten mal ein bisschen Ruhe für uns“, so Sebastian Kalamajski. Der Urlaub auf Mallorca war nur der Anfang. Danach reisten Eltern, Enkel und Oma gemeinsam an die Nordseeküste. Und während sich zwei Generationen am Strand amüsierten, hatte die dritte frei. Das müssen nicht immer die Eltern sein: „Meine Mutter könnte auch gerne mal Sachen alleine machen, wenn wir zusammen verreisen“, betont Sebastian Kalamajski. Er zuckt mit den Schultern und lächelt. „Aber das will sie ja gar nicht.“

Ferien als Familientreffen: Dass Familien heute im Drei-Generationen-Format oder als bunt gemischte Urlaubsformation verreisen, ist gar nicht so selten. Großeltern mit Enkeln und Eltern, Großeltern mit Enkeln, Single-Mütter mit Oma und Opa oder die gesamte Großfamilie, sei sie reich an Kindern, sei sie durch Patchwork entstanden. Wenn’s gut geht, gewinnt jeder im Mehrgenerationenurlaub. Die Eltern können mal ausschlafen, die Großeltern erfreuen sich an ihren Enkeln oder schätzen die Gelegenheit, mal wieder länger mit dem eigenen Kind zusammen zu sein. Und die Kinder genießen die Zeit mit Oma und Opa.

Das hat auch mit der guten Konstitution der Großeltern von heute zu tun. Sie sind fitter, reiselustiger und wohlhabender als die Omas und Opas vergangener Zeiten. Außerdem sind sie häufig erst Mitte 50, fühlen sich noch jünger und sind für jeden Spaß mit den Enkeln zu haben. Oft lädt die älteste Generation sogar zur Reise ein, um etwas gemeinsam mit Kindern und Kindeskindern zu unternehmen.

Strand oder Skipiste? Das ist egal

Die Kleinen mögen es: Jedes vierte Kind wünscht sich die Großeltern mit an den Strand oder auf die Skipiste, hat eine Befragung ergeben, die das Ferienhausportal „FeWo-direkt“ im Jahr 2015 unter 5400 Urlaubern durchgeführt hat. Die Befragung ermittelte einen Schlüsseltrend: nämlich dass die einkommensstarke Generation 50plus im Ferienhaussegment auf dem Vormarsch ist – und den Trend hin zum Mehrgenerationenurlaub entscheidend mitprägt. „Mittlerweile finden 7,4 Prozent der Familienurlaube mit den Großeltern statt“, so das Ergebnis der Analyse.

Beliebte Alternativen zum Ferienhaus und zu Clubanlagen sind Familienhotels mit Wellnessbereich, Spielmöglichkeiten und dem passenden Zimmerangebot. Verreisen gleich drei Generationen gemeinsam, werden Apartments mit mehreren Schlafzimmern nachgefragt. Große Hotels haben den Trend erkannt und rüsten nach: Im Waldorf Astoria in New York stellte man kürzlich größere Tische auf, optional wird ein zweiter Kindertisch angeboten. Das Aqualina Resort in Florida stattete jeden Raum mit einem zusätzlichen Schlafsofa aus und gestaltete Suiten und Zimmer barrierefrei. Zustellbetten stehen auf Anfrage jederzeit zur Verfügung. Etliche Intercontinental Resorts bieten Mehrgenerationenfamilien die Möglichkeit, mehrere kleine Häuser zu mieten, die sich einen Pool teilen.

Auch in China, wo das Zusammenleben dreier Generationen noch immer weit verbreitet ist, kommt man den Wünschen der Klientel gerne entgegen. 2013 habe die Kette Holiday Inn begonnen, in ihren chinesischen Hotels verbundene Zimmer und Suiten zu bauen, die den Belangen von Mehrgenerationenreisenden entgegenkommen, berichtet der US-amerikanische Branchenreport Skift. In Brasilien ist es bei großen Familiengruppen üblich und sehr beliebt, ganze Hotelflure zu mieten.

Die Klientel hat besondere Ansprüche

Für die Urlaubsanbieter sind Mehrgenerationenreisen ein lukratives Geschäft, vergleichbar mit dem Segment der Luxusreisen. Dies belegt die Untersuchung „Preferred Hotels and Resorts“ aus dem Jahr 2015, die die amerikanische Zielgruppe der Mehrgenerationenreisenden vermessen hat. 33 Prozent der Befragten gaben an, mehr als 10.000 Dollar für die Reise mit der ganzen großen Familie auszugeben. 18 Prozent waren sogar bereit, mehr als 15.000 Dollar für die „schönste Zeit des Jahres“ zu bezahlen.

Reiseveranstalter seien gut beraten, sich auf die speziellen Ansprüche dieses wachsenden und gut betuchten Kundenkreises einzustellen, stellten die Reise-Analysten fest: „Der Buchungsweg und seine Optionen sollten leicht zugänglich sein. Wenn eine Familie sich anstrengen muss, um herauszufinden, wie viele Zimmer sie braucht, ob die Umgebung kinderfreundlich ist, ob es Raum für das Zusammensein der Familie gibt oder Unternehmungen, an denen jeder teilhaben kann, dann haben wir keinen guten Job gemacht.“

Und wie sieht es bei uns aus? Auch hierzulande gerät die Mehrgenerationenreise immer mehr in den Fokus der Reisebranche. „Es gibt den Trend, den Urlaub zu nutzen, um gemeinsam Zeit zu verbringen“, bestätigt der Tourismus-Experte Professor Torsten Kirstges von der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven. Großeltern, Eltern und Kinder oder auch Großeltern, die mit ihren Enkeln Urlaub machen – das sei „ein Marktsegment, das noch an Bedeutung gewinnen wird“.

Der Wunsch nach Nähe wird ausgelebt

Die Gründe für diese Entwicklung liegen auf der Hand. Zum einen spreche der Wunsch nach gemeinsamen Ferien von einer Sehnsucht nach Sicherheit und Geborgenheit in der Familie, „die in gefühlt unsicheren Zeiten wegen der Terrorismusbedrohung und politischer Instabilität noch wächst“, so Kirstges. Zum anderen können gemeinsame Ferien logistische Probleme lösen. „Viele Familien wohnen heute nicht mehr an einem Ort, sondern aus beruflichen Gründen oder wegen einer Ausbildung weit entfernt voneinander“, erläutert der Tourismus-Experte. Da sei der Urlaub eine gute Gelegenheit für eine Art großes Familientreffen, bei dem sich alle wieder begegnen, die sich sonst nur wenige Male im Jahr sehen.

Chronischer Zeitmangel, hektischer Berufsalltag und weite Entfernungen wecken bei Familien das Bedürfnis, sich im Urlaub eine gemeinsame Auszeit zu gönnen und das generationenübergreifende Zusammensein zu zelebrieren. Ein Urlaub im Ferienhaus kommt dem Wunsch entgegen – und schafft gleichzeitig Freiräume: Alle haben gemeinsam Platz, können sich aber auch mal zurückziehen, wenn der Trubel zu groß wird. „Es ist ein begrenztes Risiko auf Zeit“, sagt Torsten Kirstges schmunzelnd, „man kann sich auch mal aus dem Weg gehen.“

Einmal im Jahr als Familie mit drei Generationen ein paar Tage zusammen wegzufahren, dient dem Zusammenhalt. Gemeinsame Ferien können die Familienbande stärken. Wenn alle diese Tage als gemeinsame Auszeit erleben und Distanz zum Alltag gewinnen, entstehen kostbare Gelegenheiten, alte Erinnerungen aufleben zu lassen, schöne Erlebnisse zu teilen – und diese zu neuen guten Erinnerungen werden zu lassen. Wie früher das Haus, in dem die Familie unter einem Dach zusammen gewohnt hat, können solche Ferien dazu geeignet sein, symbolisch Zeit und Raum der Erinnerung wiederherzustellen.

Wie man Stress vermeidet

Weißt du noch? Über das Erzählen von Anekdoten, in denen Mythen, Macken und Missgeschicke einzelner Familienmitglieder eine wesentliche Rolle spielen, webt die Familie ihre eigene Geschichte und gibt sie an die nächste Generation weiter. So gesehen springen Mehrgenerationenreisen in die Bresche, wo das gemeinsame Dach fehlt. Im Wunsch nach mehr Nähe und gemeinsam verbrachter Zeit spiegelt sich aber auch die Renaissance der Familie wider, die in unsicheren Zeiten als verlässliche Größe und vertrauter Ankerplatz in den Stürmen des Lebens gilt.

Es kann aber auch andersherum ausgehen. Wenn drei Generationen plötzlich länger als nur zum Kaffeetrinken dicht aufeinanderhocken, geht es nicht automatisch nur friedlich zu. Denn die Erwartungen gehen oft weit auseinander. Typische Probleme: Glauben die Eltern, durch die Mitnahme von Opa und Oma einen Dauer-Babysitter zu haben, könnten diese sich vor den Karren gespannt fühlen. Erwarten die Großeltern, dass im Urlaub alles gemeinsam gemacht wird, sind sie enttäuscht und verletzt, wenn die junge Familie mal etwas alleine unternehmen will.

Doch bei sorgfältiger Planung, mit etwas gutem Willen und mit der Bereitschaft, nicht alles zu persönlich zu nehmen, können alle profitieren. Das gilt sogar für die auf den ersten Blick so unterschiedlichen Bedürfnisse dreier Generationen. Denn diese können sich auch gegenseitig zugute kommen. So meint Barrierefreiheit nicht nur Rollstuhl und Rollator, sondern auch Kinderwagen. „Auch die Lesbarkeit der Speisekarte oder funktionierende Aufzüge sind wünschenswert für alle“, sagt Tourismus-Experte Torsten Kirstges.

Professionelle Hilfe ist nützlich

Mittlerweile gibt es einige Agenturen, die das Potenzial erkannt und sich auf Konzepte für neue Familienmodelle spezialisiert haben. Etwa Birgit Beckmann von familienurlaub-xxl.de. Sie organisiert Reisen mit der großen Familie und weiß, welche Fragen zu stellen sind. Werden zwei, drei oder mehr Schlafzimmer benötigt? Braucht die Familie am Urlaubsort ein Mietauto mit mehreren Kindersitzen? Wären Leihfahrräder eine gute Alternative? Ist die Anreise mit Flieger, Auto oder Nachtzug am angenehmsten? Welche Unternehmungen sollten möglich sein?

Fakt ist: Mehrgenerationenreisen beginnen eher im Reisebüro als im Internet. „Auf den üblichen Plattformen findet sich kaum etwas für große Familienverbände“, sagt Birgit Beckmann, „da muss man unendlich lange recherchieren.“ In diesem Manko entdeckte die Reiseverkehrskauffrau vor sieben Jahren eine Marktlücke und gründete ihr Portal für Großfamilien.

„Patchworkfamilien sind meine Kerngruppe“, sagt sie, „doch auch die Reisen mit Großeltern, Eltern und Kindern werden immer häufiger nachgefragt.“ In unsicheren und von schlechter Stimmung geprägten Zeiten sei die Reiselust besonders groß und der Rückzug aufs Familiäre typisch, konstatiert sie. Doch auch generell werde heutzutage immer häufiger im Verbund geurlaubt. „Nicht nur verwandte, sondern auch befreundete Familien reisen vermehrt in großen Gruppen.“

Auch Kreuzfahrt-Anbieter haben den Markt im Blick

Der Bedarf an ausführlicher und kenntnisreicher Beratung ist hoch, die Kundenbetreuung am Telefon, per Mail und im Büro liegt Birgit Beckmann am Herzen. Sie will die ganze Familie ins Boot holen. „Es sollen schöne, kostbare gemeinsame Tage für alle werden“, sagt sie.

Vor allem Verwöhnurlaube mit der ganzen Familie, aber auch Skiferien mit drei Generationen seien immer stärker nachgefragt, berichtet sie. Mittlerweile habe sie ein Netzwerk von Partnern geknüpft, das ihr erlaube, für jede Familie das Passende zu finden. „Wenn ein Kunde seinen Etat nennt, weiß ich sofort, wo ich suchen muss.“ Da fällt ihr die schöne Geschichte von dem Herrn ein, der seine 21 Köpfe zählende und weit verstreut in Deutschland lebende Familie zum Jahreswechsel ins Salzburger Land einladen wollte. Birgit Beckmann hat ein wunderschönes Hotel mit Halbpension gefunden – zu einem Preis, der deutlich unter 10.000 Euro geblieben ist.

Auch der boomende Kreuzfahrtmarkt hat die reiselustigen Familien im XL-Format ins Visier genommen. „Die Angebotsvielfalt ist ein zentraler Erfolgsfaktor von Kreuzfahrten“, beschreibt Helge Grammerstorf, National Director der Cruise Lines International Association (CLIA), den Trend der kommenden Jahre. Man könnte auch sagen: Die Anbieter versuchen, so viele Nischen wie möglich mit Volumen zu füllen.

Dank altersgerechter Betreuung und spezieller Unterhaltungsangebote wird die Kreuzfahrt auch für Familien immer attraktiver und erschwinglicher. So bietet MSC Kreuzfahrten Familien an, dass zwei Kinder bis 17 Jahre in der Kabine der Eltern kostenfrei mitreisen, je nach Reisedatum und Route. Dazu gibt es „MSC for me“, die Echtzeit-Kinderlokalisierung über ein Armband – damit die Eltern immer wissen, wo sich ihre Kinder auf dem Schiff gerade befinden. Es gibt Raum für bis zu zehn Personen aus drei Generationen auch hier: durch drei miteinander verbundene Kabinen und drei Badezimmer.

Auf Freiräume achten

Mehrgenerationenreisen sollen dafür sorgen, dass alle Altersgruppen angesprochen werden: Die Eltern treiben Sport, die Kinder toben im Kids-Club, die Großmutter macht Wellness und hütet abends die Enkel, während die Eltern ein Konzert an Bord besuchen oder sich in der Bar amüsieren – so sieht es das Konzept vor. Und zugleich lautet das Credo im vielfältigen Angebot: Die Familie verreist zusammen, muss sich aber nicht den ganzen Tag sehen. Freiraum ist das Stichwort. Nur weil man zusammen verreist, muss man nicht jede Minute gemeinsam verbringen. Erst gemeinsames Frühstück, dann den ganzen Tag Ausflüge, im Anschluss ein gemeinsames Abendessen und zum Abschluss noch ein Absacker an der Bar: Da ist der Stress unausweichlich.

So verlockend die Aussicht sein kann, sich mal wieder ausgiebig miteinander zu beschäftigen oder längere Gespräche zu führen, schöne Erlebnisse zu teilen und einfach eine gute Zeit zusammen zu haben: Die Möglichkeit des Rückzugs ist bei allen Anbietern von Mehrgenerationenreisen inbegriffen. „Die unterschiedlichen Erwartungen, die verschiedenen Ansprüche“, sagt Touristik-Fachmann Torsten Kirstges, „das kann zu echter Nerverei führen.“ Andererseits sei die gemeinsame Zeit eben begrenzt und erlaube, „auf heile Familie zu machen“.

Laut Kirstges sind Urlaubsanbieter gut beraten, in ihre Offerten spezielle Zielgruppen wie die Drei-Generationen-Reisenden und die Großeltern mit Enkeln aufzunehmen. Nicht mit eigenen Katalogen, sondern im Rahmen ihrer Familienferienkataloge. Die gibt es mittlerweile reichlich: Neckermann brachte 1999 den ersten Katalog für Familienurlaube heraus, mittlerweile sind TUI, Studiosus, KUF-Reisen, Airtours, FTI family, ITS, DERtours, bambino-tours, Vamos und viele andere mehr auf den Familienzug aufgesprungen. Der ist gut besetzt: Immerhin werden von den jährlich rund 70 Millionen Urlaubsreisen rund 13,5 Millionen von Familien mit Kindern unternommen.

Großer Informationsbedarf

Wie viele Mehrgenerationen-Urlauber darunter sind, ist nicht einfach zu erkennen. Doch dass Familie heute nicht mehr unbedingt nur aus Vater, Mutter und zwei Kindern besteht, weiß man in der Branche – und versucht, den sehr speziellen Ansprüchen von Singles mit Kindern, Patchwork-Familien oder Großfamilien entgegenzukommen – genauso wie den Großeltern, die mit ihren Enkeln das Weite suchen.

Das Angebot von nebeneinander liegenden Zimmern mit Durchgangstüren ist dabei nur ein Trumpf im Wettbewerb um den Kunden. So bieten beispielsweise ITS, Jahn Reisen und Tjaereborg Zimmertypen für alle erdenklichen Familienkonstellationen. Und weil die Gäste vorher sehen wollen, wie die Zimmer eingeteilt sind, bildet Neckermann möblierte Grundrisse in seinen Katalogen ab.

Wichtiges Merkmal der neuen Kunden sei ein großes Bedürfnis nach Informationen zu den gebotenen Dienstleistungen, bestätigt die US-amerikanische Studie „Preferred Hotels & Resorts“. Wenn Großeltern, Eltern und Kinder zusammen wegführen, nähmen sie vermehrt auch Hotels in Anspruch – „solche nämlich, die ihre Dienstleistungen entsprechend angepasst haben und die Wünsche einer Kundschaft berücksichtigen, die bisher eher untypisch war“ . Die Organisation liege oft in der Hand eines einzigen Familienangehörigen, der das Wohl dreier Generationen berücksichtigen müsse und eine große Verantwortung für das Gelingen der gemeinsamen Reise trage.

Diesen Organisator trifft man dann häufig im Reisebüro. „Wir haben viel mehr solcher Kunden als noch vor zehn Jahren“, sagt Vera Brezinova-Badke, Gründerin und Chefin des Berliner Reisebüros concept reisen GmbH. „Es sind vor allem Großeltern, die mit ihren Enkeln verreisen wollen, aber in letzter Zeit auch viele große Familien, die miteinander wegfahren, weil ein besonderer Anlass vorliegt.“ Erst letzte Woche habe sie für eine zwölfköpfige Familie aus drei Generationen eine Reise nach Agadir zusammengestellt.

Spaß statt Stress

Eine Goldene Hochzeit, ein Geburtstag, ein Jubiläum oder Jahrestag soll gefeiert werden, und dafür gehen Familien auf Reisen. „Das macht man nicht im Internet“, ist sie überzeugt, „der Bedarf an Beratung und Information ist bei solchen Reisen riesengroß, auch weil die Ansprüche von Jung und Alt so verschieden sind.“ Die Buchung im Reisebüro habe gegenüber der Internet-Buchung einen großen Vorteil für die Kunden. „Wir können ein Angebot zusammenstellen und zwei Tage vorhalten, im Internet muss man immer gleich buchen“, sagt Vera Brezinova-Badke. Das sei riskant und stelle sich im Nachhinein nicht unbedingt als Online-Schnäppchen heraus.

Besonders bei generationenübergreifenden Familienreisen werde die Organisation oft knifflig: „Wenn die einzelnen Familienmitglieder weit entfernt voneinander wohnen und jeder seinen eigenen Termindruck hat“, beschreibt sie die Quadratur der Reiseorganisation, „der eine kann einen Tag vorher, der nächste nur am Abreisetag in letzter Minute, aber alle wollen an einem bestimmten Tag zusammen an einem Ort in den Urlaub starten, dann bauen wir das hier zusammen.“

Zusammen – das ist wohl das Zauberwort beim gemeinsamen Verreisen. „Sich aneinander freuen“, nennt Heidrun Kalamajski, die Großmutter von Jonathan und Noah, ihr Hauptmotiv für den Familienurlaub mit Kindern und Enkeln. Es sei kein Stress, sondern Spaß pur für sie, mit den Enkeln zusammen zu sein. „Großeltern haben es so einfach. Man kann viel verrücktere Sachen mit Enkeln machen als mit den eigenen Kindern“, sagt sie. „Man kann sich aus allem Erziehen raushalten und die gemeinsame Zeit mit den Kindern einfach genießen.“

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