Hans Wurst Nachfahren

Berliner Puppentheater sucht eine neue Spielstätte

Das Puppentheater Hans Wurst Nachfahren spielt am Winterfeldtplatz seine letzte Saison. Doch aufgeben wollen die Spieler hinter den Figuren noch lange nicht und suchen eine neue Spielstätte.

Foto: Franz Michael Rohm / Hans Wurst Nachfahren

Vielen Dank für das schöne Geräusch.“ So charmant bedankt sich Siegfried Heinzmann bei seinem Publikum für den Applaus. Gerade hat er, in alte Bauerntracht gekleidet, vor einer Gruppe von Zweitklässlern und behinderten Senioren das Puppentheater „Der gestiefelte Kater“ gespielt. Mit ihm auf der Bühne vor einem handgemalten Bild mit Wald und Feld stehen Barbara Kilian und Christel Freudenthaler – und ein halbes Dutzend ausdrucksstarker Puppen. Blickfang sind der dicke König, dessen Tochter am Ende des Märchens den Müllersohn heiratet, und natürlich der Kater. Die achtjährige Naomi aus Tempelhof ist begeistert und macht zur Erinnerung ein Handyfoto.

Seit 33 Jahren existiert das einzigartige Puppentheater „Hans Wurst Nachfahren“. Die ersten Jahre gastierte es im Kreuzberger Mehringhof, 1993 bezog man das Haus am Schöneberger Winterfeldtplatz. „Es war einfach ein idealer Spielort für uns“, erklärt Barbara Kilian. Damals finanzierte der Senat den Ausbau des Hauses nach den Vorstellungen des Puppentheater-Ensembles.

Letztes Jahr ist der auf 20 Jahre fixierte Vertrag ausgelaufen. In die Räume mit Platz für bis zu 150 Zuschauer soll angeblich ein Tonstudio. Deshalb sucht das Theater, in dem Generationen von Kindern Puppentheaterstücke wie „Kalif Storch“, „Schneewittchen“ oder „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ sahen, einen neuen Standort.

Die letzte Saison

„Diese Saison ist unwiederbringlich die letzte an diesem Ort“, bedauert Siegfried Heinzmann. Der 75-Jährige modelliert die faszinierend ausdrucksstarken Figuren aus Latex. Theaterbilder gestaltet hat er unter anderem in der legendären Schaubühne am Halleschen Ufer unter Peter Stein in den Siebzigerjahren und am Grips-Theater. „Mein Traum war immer, Theater für Kinder zu machen. Die reagieren so wunderbar spontan“, sagt der gebürtige Schwabe.

25 Kinderstücke umfasst mittlerweile das Repertoire, viele davon schon ab drei Jahren. Dazu gesellten sich im Laufe der Jahre Stücke in englischer und französischer Sprache. Für Erwachsene sind Inszenierungen wie „Loriots Dramatische Werke“ oder „Edgar Wallace: Die Tür mit den 7 Schlössern“ im Programm.

Mehr als 6000 Vorstellungen gaben die Puppenspieler in ihrem Haus am Winterfeldtplatz. Bis Juni nächsten Jahres kann man zwei Dinge tun: die Vorstellungen der Saison 2014/2015 besuchen und Daumen drücken, dass dieses einzigartige Theater einen guten, bezahlbaren neuen Standort findet