In Zweierreihen ziehen die Kinder ein. Ganz still laufen sie am Gemälde „Landmaus und Stadtmaus“ vorbei, an der Skulptur „Mann mit Maske“, quer durch die Kunstgeschichte der letzten drei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Bis sie schließlich vor einem kleinen, vergitterten Kasten stehen bleiben und sich in einen Halbkreis setzen.

So klein ist das Werk, das auch noch knapp über dem Fußboden angebracht ist, dass viele Erwachsene erst einmal daran vorbeilaufen. Die Kinder aber nicht – und das liegt nicht allein daran, dass manche von ihnen mit gerade einem Meter und ein paar Zentimetern Körpergröße viel dichter dran sind. Sie wissen schon, dass es im Museum überall etwas zu entdecken gibt. Und dass Kunst mehr ist als Bilder an der Wand.

Es ist ihr dritter Tag im Kunstworkshop der Neuen Nationalgalerie. Fünf Tage lang entdecken sie die Werke, die dort derzeit in der Ausstellung „Ausweitung der Kampfzone“ zu sehen sind, und gestalten zugleich einen Ausstellungsführer für andere Kinder. Der wird vom 4. Juni 2014 an am Ticketschalter liegen, damit Kinder ihn mitnehmen können – in eine Ausstellung, die mit der Vorstellung von „Kunst für Kinder“ auf den ersten Blick so gar nichts zu tun hat.

Kinder streifen mit Heft und Bleistift durch die Ausstellung

Gleich im Foyer zum Beispiel: „Richtkräfte einer neuen Gesellschaft“ von Joseph Beuys. 100 Schiefertafeln auf einem Holzpodest. Die Räume, in denen Werke der Sammlung aus den Jahren 1968 bis 2000 zu sehen sind, tragen Titel wie „Soldaten“, „Die Toten“, „Schlachtfeld Deutschland“. Und dennoch haben sich die Kunstvermittler in den Staatlichen Museen ganz bewusst dafür entschieden, gerade für diese Ausstellung ein Heft für Kinder zu entwickeln. Daniela Bystron, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei den Staatlichen Museen für Bildung und Vermittlung, erklärt warum: „Es geht in der Kunst nicht darum, ein ‚Thema für Kinder‘ zu finden, sondern um die Vermittlung.“

Sie und ihr Team suchen für ihre Workshops mit Schülern nicht nach Kunstwerken für Kinder, sondern nach dem richtigen Weg, ihnen ein Gemälde, eine Skulptur oder Installation näher zu bringen. Weil Kinder lieber selbst etwas machen wollen als nur zuzuhören, dürfen sie schreiben und zeichnen, was ihnen so dazu einfällt – die Kinder im Kunstworkshop ebenso wie die jungen Besucher, die später mit dem Heft und einem Bleistift durch die Ausstellung streifen.

Einer, der „sehr gespannt“ ist auf diesen anderen Blick auf seine Kunstwerke, ist der Direktor der Neuen Nationalgalerie, Udo Kittelmann: „In Museen herrschen traditionell Geschichten aus Sicht der Kunstgeschichte vor. Aber was ist mit anderen Formen des Geschichtenerzählens jenseits des abgesicherten Wissens?“ Auf 18 Seiten haben Kinder und Kunstvermittler Ideen zusammengetragen, von der Maus-Geschichte über selbst gestaltete Masken bis zum Lieblingsgegenstand auf einem Sockel.

Eine Schule mit „niedrigem Sozialindex“

Sich mit Gemälden und Skulpturen zu beschäftigen, ist für die Kinder aus der Helmuth-James-von-Moltke-Grundschule neu. „Keines von ihnen war vorher in der Neuen Nationalgalerie“, sagt Kunstvermittlerin Julia Devies, die den Workshop gemeinsam mit Illustrator Till Christ leitet. Die meisten waren vorher nicht einmal in einem Museum. Genau deshalb sind sie jetzt hier: Weil die Wohnungsbau-Gesellschaft Gewobag mit ihrer Stiftung „Berliner Leben" in dem Projekt Schülern aus „strukturschwachen Quartieren neue Kompetenzen“ vermitteln will.

Die Kinder im Workshop kommen aus einer Grundschule, über die es im Schulinspektionsbericht hieß: „Die Schülerschaft ist heterogen zusammengesetzt, wobei ein Großteil der Eltern auf Transferleistungen angewiesen sind.“ Die Paul-Hertz-Siedlung in Charlottenburg-Nord, in der sie groß werden, zählt zu den Gegenden mit „niedrigem Sozialindex“, in denen die Menschen im Durchschnitt häufiger arbeitslos sind, Sozialhilfe beziehen, keinen Berufsabschluss haben und früher sterben. 3500 Wohnungen vermietet die Gewobag im Quartier, mehr als die Hälfte der Bewohner ist älter als 65 Jahre. Manchmal gibt es Konflikte zwischen alten und jungen Mietern, zwischen denen, die hier wohnen, seit die Siedlung vor 50 Jahren gebaut wurde, und denen, die in den letzten Jahren hierhin zogen, weil die Mieten günstig sind.

Die Hemmschwelle senken

Viele Bewohner stammen aus der Türkei, aus Russland oder Polen. Sie sind oft noch damit ausgelastet, ihren Alltag in der neuen Stadt und einer fremden Sprache zu organisieren und bleiben in der Gegend zwischen Autobahn und Heckerdamm, in der sie eine Wohnung gefunden haben. „Wir haben festgestellt, dass gerade die Menschen in den weiter draußen liegenden Quartieren die Innenstadt mit ihren Angeboten gar nicht kennen“, sagt Kerstin Kirsch von der Stiftung „Berliner Leben". „Wir wollen, dass Kinder und Jugendliche die Kultureinrichtungen der Stadt kennenlernen.“

Schon seit einigen Jahren gebe es ein Gewobag-Projekt mit der Komischen Oper, das Kinder mit der Hochkultur vertraut mache. „Das funktioniert unheimlich gut, deshalb wollten wir diese Idee jetzt auf die bildende Kunst übertragen. Ziel ist, den Kindern und ihren Eltern zu zeigen, dass man Kunst ohne kulturelle Vorbildung auf seine eigene Weise entdecken kann, ja, dass es geradezu gewollt ist, sich der Kunst mit eigenen Gedanken zu nähern.“ In den nächsten Monaten soll ein Projekt für Jugendliche folgen, sie erarbeiten einen Audioguide für die Ausstellung.

„Ich denke, dass einige dieser Kinder sonst niemals in ihrem Leben in ein Kunstmuseum gehen würden“, sagt Klassenlehrerin Freya Castles. Diese Hemmschwelle wollte sie senken, deshalb war sie sofort begeistert, als sie von dem Gewobag-Projekt hörte. „Natürlich ist es ein Museumsbesuch mit 21 Kindern erst einmal Stress. Sie dürfen nichts anfassen, sie müssen leise sein, dürfen nicht herumrennen. Aber die Kinder benehmen sich vorbildlich.“ Und während sie es im Klassenzimmer kaum erwarten können, dass es endlich zur Mittagspause klingelt, fragen sie im Museum ganz überrascht, ob sie jetzt wirklich nach draußen müssen.

Was ist in der Falle?

Dabei sind die Tage im Museum alles andere als Freizeit für die Sechs- bis Achtjährigen, die in einer Jül-Klasse für Erst- und Zweitklässler jahrgangsübergreifend unterrichtet werden. Sie schreiben, lesen, zeichnen, sie denken nach, reden, diskutieren. Zum Beispiel über den kleinen vergitterten Kasten, vor dem Niklas inzwischen auf dem Boden liegt. „Falle“ heißt das Werk. Um das herauszufinden, mussten die Kinder nicht einmal auf die kleine Tafel an der Wand gucken, die darüber informiert, dass Andreas Slominski das Objekt 1998 geschaffen hat. „Das sieht man“, findet Jonathan, mit sechs Jahren einer der Jüngsten in der Klasse.

„Ist da was drin?“, fragt Julia Devies. „Ein Stein!“, „Ein Stück Holz!“, rufen die Kinder. „Eine Maus“, sagt Niklas. „Siehst du denn eine Maus?“, fragt Julia Devies. „Nein“, der Sechsjährige schüttelt den Kopf: „Die versteckt sich doch!“ Die Kinder spähen wieder in den Käfig: „Da ist alter Käse!“ Jetzt sind sie alle überzeugt: In dem Käfig-Kunstwerk muss eine Maus sein.

Julia Devies hört ihnen zu und fragt nach. Aber sie gibt keine Erklärungen vor: „Kinder haben ihre eigene Vorstellung. Mit ihren Assoziationen kommen sie dichter an die Kunst heran, als wenn nur wir erzählen“, sagt sie. „Der Workshop heißt ‚Deine eigene Geschichte.‘ Und genau darum geht es.“ Eigene Geschichten zu finden – und wiederzugeben. Denn die Schüler sollen hier nicht nur selbst etwas über Kunst erfahren, sondern das, was sie entdeckt haben, an andere Kinder weitergeben. Aus den Geschichten, Texten, Zeichnungen des Workshops entsteht das Ausstellungsheft, das vom 4. Juni an in der Neuen Nationalgalerie erhältlich ist.

Niklas illustriert das Gedicht

Deshalb teilt Julia Devies die 21 Kinder nun in Gruppen auf, an die sie farbige Karteikarten ausgibt. Auf ihnen sollen die Kinder Ideen für eine Geschichte zur Falle sammeln. Niklas und Jonathan wollen erst einmal nicht mitmachen: „Wir beobachten doch die Falle!“ Nur widerstrebend gehen sie in ihre Gruppen, drehen sich immer wieder um, während Julia Devies die grünen Karten verteilt. „Darauf schreibt ihr ein Tier oder eine Person“. Zohal, 7, findet, was in der Falle sitzt, sei doch geklärt: „Eine Maus!“, sagt sie entschieden. Aber Niklas ist das inzwischen zu harmlos: „Tiger“, schlägt er vor und „Leopard“. „Eine Giraffe“ hält Paulin , 8, dagegen, genau in dem Moment, als Julia Devies zur Gruppe dazukommt. Sie hat Zweifel: „Passt eine Giraffe da rein?“, fragt sie mit Blick auf den Kasten, der kaum größer ist als ein Schuhkarton. Niklas hat die Lösung: „Eine Babygiraffe!“ Am Ende bleibt es bei der Maus, Zohal schreibt in schon fast perfekter Rechtschreibung auf die grüne Karte: „Die Maus past da rein.“

Weiter geht es mit der blauen Karte, auf die Kinder schreiben sollen, was passiert ist: „Ein Tu-Wort“, sagt Julia Devies. Auf die gelbe Karte kommt eine Eigenschaft. Mit der Kursleiterin sucht man nach Beispielen: böse, traurig, fröhlich. Am Ende steht „krabbeln“ auf der blauen Karte. Und „gut“ auf der letzten, der gelben.

Danach sind Niklas, Paulin, Jamal und die anderen ziemlich erledigt. Als Julia Devies die Klasse wieder in den großen Kreis bittet, dauert es einen Moment, bis sich alle sortiert haben und vorstellen, was sie aufgeschrieben und gezeichnet haben. Die Gruppe um Zohal, 7, hat sich auf ein kleines Gedicht geeinigt, das sie alle zusammen aufsagen: „Die Maus kommt raus, krabbelt gut und stiehlt sich den Käse raus.“ Danach macht sich Niklas sofort wieder ans Werk: Er illustriert das Gedicht, kniet hinter den anderen auf dem Boden und zeichnet hoch konzentriert die Maus, die Falle, den Käse.

Die Kunst-Falle wird streng beobachtet

Für die nächste Gruppe soll Pinar den Text vortragen: Die Geschichte einer hungrigen Maus, die sich ein Salami-Brot macht, bevor sie mit einem Fallschirm abspringt. Ob sie aus der Falle entkommt, bleibt offen.

Das Kunstwerk als Ausgangspunkt für eine Geschichte: So entdecken Kinder die Ausstellung auf ihrem eigenen Weg. Daniela Bystron erklärt den Ansatz: „Eine Methode, mit der wir arbeiten, ist Weitererzählen. Was ist vorher passiert? Was passiert danach?“ Am Tag zuvor haben die Kinder auf diese Weise „Landmaus und Stadtmaus“ erforscht und auf Sigmar Polkes Gemälde vieles entdeckt, was Erwachsenen verborgen bleibt, erzählt Daniela Bystron: „Kinder sehen ganz viele Details. Ihnen fiel gleich der ,Glitzer’ auf dem Bild auf. Und sie haben zum Beispiel den Mann gesehen, den viele Erwachsene gar nicht wahrnehmen.“ Natürlich fänden Kinder es toll, wenn sie etwas betreten, benutzen dürfen, wie die Tribünenbänke „Stages“ von Bruce Naumann, „aber das geht Erwachsenen nicht anders.“

Angezogen würden Kinder auch von „Fantasieräumen“ wie der Falle. Ihre Reaktion sei selbst für die erfahrenen Museumspädagogen manchmal überraschend, stellt Daniela Bystron fest. Wie beispielsweise die Weigerung der beiden sechsjährigen Jungen, die „Falle“ aus den Augen zu lassen: „Sie waren überzeugt, da passiert gleich etwas.“ Oder als die Kinder vor Barnett Newmans Farbflächenbild „Who’s afraid of Red, Yellow and Blue?“ mit einem schwarzen Filzstift rote, gelbe, blaue Gegenstände malen sollten, um ihre Farbwahrnehmung zu schulen. Julia Devies schlug ihnen vor, an Gemüse oder Obst zu denken – und staunte über die Ideen der Kinder: „Bei Blau zum Beispiel haben sie U-Bahn-Schilder gemalt, bei Gelb eine Krone.“

Moderne Kunst statt Disney

Obwohl Zohal eigentlich „am liebsten Prinzessinnen“ malt, gefiel der Siebenjährigen die Aufgabe vor dem Newman-Gemälde besonders gut. „Ich habe eine Glocke für gelbe Sachen gemalt, eine Wolke für blaue und ein Herz für rote“. Besonders schön aber, das erzählt sie in der Pause, fand Zohal „das mit den Wolken und unten Wasser“. Als sie davon hört, ist Julia Devies beeindruckt, denn über Gerhard Richters „Seestück (See-See)“ haben sie im Workshop gar nicht gesprochen, „das muss sie sich im Vorbeigehen angesehen haben“. Die Erinnerung an das graue Wasser und den Himmel darüber (der in Wirklichkeit auch eine gespiegelte Wasseroberfläche ist), hat die Siebenjährige selbst mitgenommen.

Ein Werk für sich zu entdecken: Das ist der Weg, auf den die Kunstvermittler der Staatlichen Museen die Kinder lenken wollen. Daniela Bystron erklärt: „Statistiken zeigen, dass der einmalige Besuch von Kultureinrichtungen keinen bleibenden Eindruck hinterlässt. Wichtig ist, dass es eine Verknüpfung mit dem Leben der Kinder gibt, dass die Kinder erkennen: Kunst, das hat ja etwas mit mir zu tun.“ Julia Devies erzählt von einem Mädchen, deren Bild sie besonders angerührt habe: „Ein ganz kleines Mädchen, das erst seit Oktober als Flüchtling in Deutschland lebt. Sie kann wenig Deutsch, ich weiß nie, wie viel sie versteht, wenn wir über die Werke reden.“ Dann bat sie die Kinder, ihr eigenes Fahrzeug zu malen, nachdem sie sich mit einer Installation von Jason Rhoades beschäftigt hatten. „Das Mädchen hat ein sehr schönes Fahrzeug gemalt – ein Haus auf Rädern.“

Dass ganz einfache Alltagserlebnisse ebenfalls etwas mit Kunst zu tun haben können, zeigt Julia Devies der Gruppe mit den fünf Schwarz-Weiß-Fotografien „Küchenkoller“ von Anna und Bernhard Blume. Fliegende Kartoffeln sehen die Kinder auf den Bildern, jetzt sollen sie ihre eigenen verrückten Küchenerlebnisse malen. Alex zeichnet sorgfältig eine Küche und viele Kringel auf sein Blatt: „Ich wollte für meine Mama einen Kuchen machen. Ich hatte den Teig und wollte mixen. Das ist alles schlimm gelaufen.“ Und Luca malt zwei Figuren an einem Tisch: „Das bin ich und das ist mein Bruder. Er hat den Teller genommen und auf den Boden geschmissen, weil es ihm nicht geschmeckt hat. Mein Bruder ist zwei.“

Am Ende der Woche haben Julia Devies, Till Christ und die Kinder zehn Kunstwerke der Ausstellung gesehen und besprochen. Zu jedem haben die Kinder Bilder gezeichnet oder Texte geschrieben. Natürlich können längst nicht alle in das Heft aufgenommen werden. „Wir wollen eine Bandbreite an Ideen und zeichnerischen Stilen“, erklärt Daniela Bystron die Kriterien, nach denen die Kinderwerke ausgewählt werden, „es kommen nicht nur die ordentlichsten Bilder ins Heft. Wir wollen die Vielfalt zeigen.“

Große Aufgabe für kleine Kinder

Am 3. Juni wird das Heft vorgestellt. Die Klasse aus der Paul-Hertz-Siedlung wird bei der öffentlichen Präsentation dabei sein, und auch ihre Eltern sind zu der Feierstunde eingeladen. Für die Kinder wird das die Gelegenheit sein, den Eltern ihre Werke zu zeigen. Für die Stiftung Berliner Leben aber ist diese Veranstaltung ein zentrales Element des gesamten Projekts. „Wir wollen über die Kinder auch die Eltern erreichen, ihnen ihre Ängste nehmen und sie animieren, die Stadt zu entdecken“, sagt Kerstin Kirsch. Davon profitiere dann wiederum das ganze Quartier: „Die Nachbarn kommen darüber ins Gespräch, das stärkt die Nachbarschaft, was uns sehr wichtig ist.“ Die Schulen hätten ebenfalls einen „großen Mehrwert“, weil sie neue Unterrichtskonzepte kennenlernten und, wenn das Projekt über mehrere Schuljahrgänge laufe, durch das zusätzliche Angebot für Eltern attraktiver würden.

Eine große Aufgabe für kleine Kinder. Von der die Schüler natürlich nichts ahnen. Ebenso wenig wie von der Stärkung ihrer Kompetenzen, die sich ihre Klassenlehrerin von den Stunden im Museum verspricht. „Hier wird ja nicht nur das Musische angesprochen“, sagt Freya Castles. Weil die Kinder Geschichten erzählten, werde die Sprachbildung gefördert, „außerdem lernen sie sozial ganz viel“. Im Museum müssen die Kinder leise sein, das hat ihnen Julia Devies gleich am ersten Tag erklärt. Wenn es doch einmal laut wird, weil die Kinder müde sind und sich lieber durchkitzeln als über Bruce Naumans „Double Poke in the Eye II“ nachzudenken, muss Julia Devies gar nicht viel machen. Es reicht schon, wenn sie einmal sagt: „Wir sind im Museum!“ Dann sind alle still. In solchen Momenten ist Freya Castles stolz auf ihre Klasse.

Am Tag vorher, erzählt sie noch, gab es einen Alarm im Museum, weil jemand zu dicht an die Bilder gekommen war. „Aber das waren nicht wir!“ Sogar die sonst so strengen Museumswärter in der Neuen Nationalgalerie bleiben ganz entspannt, wenn die Sechs- bis Achtjährigen in die Ausstellung strömen. Und die anderen Besucher? „Alle haben so positiv reagiert“, versichert Julia Devies. „Es hieß immer: Ach, ist das schön. So viele kleine Kinder im Museum!“