"Eltern sprechen für ihre Kinder" lautet das Motto des Volksbegehrens. "Wir vertreten die Interessen von 163 309 Schülern in Berliner Grundschulen, von denen rund 71 931 Kinder (44 Prozent) einen Hort besuchen, sagte Burkhard Entrup, Vorsitzender des Landeselternausschusses Kita und Initiator des Volksbegehrens.
Zu den vier wesentlichen Forderungen der Eltern gehört die nach einer Verbesserung der Personalausstattung in den Horten. 1200 Erzieher sollen dafür zusätzlich eingestellt werden. "Wir setzen uns dafür ein, dass eine pädagogische Fachkraft nur noch für 16 statt wie bisher für 22 Kinder zuständig ist", sagte Entrup. An der vorhandenen Gruppengröße würde sich dadurch nichts ändern. Pro Gruppe würden aber mehr Erzieher da sein. Das würde die Lehrer entlasten, die sich auf den Unterricht konzentrieren könnten. "Betreuen mehr Erzieher eine Gruppe, können diese die Kinder tatsächlich fördern, statt sie nur zu beaufsichtigen, wie das gegenwärtig oft der Fall ist", sage Entrup.
Eine weitere Forderung der Initiatoren des Volksbegehrens ist die nach der Abschaffung des Bedarfsprüfungsverfahrens für den Hort. Alle Kinder sollen einen freien Zugang zu den Ganztagsangeboten der Grundschulen bis 18 Uhr haben, unabhängig von der beruflichen und privaten Situation der Eltern, heißt es. "Auf diese Weise hätten auch die Kinder der fünften und sechsten Klasse einen Anspruch auf einen Hortplatz", betonte Entrup. Bisher müssten diese sogenannten Lücke-Kinder nach dem Unterricht nach Hause gehen, weil ihnen nur in Härtefällen ein Hortplatz zur Verfügung stünde. Mit dem Wegfall der Bedarfsprüfung würde überdies ein riesiger Verwaltungsaufwand abgebaut werden. "Auf diese Weise wird Geld eingespart, was viel sinnvoller in anderen Bereichen von Hort und Schule ausgegeben werden könnte", so Entrup.
Ist das Volksbegehren erfolgreich, wird es für alle Grundschüler einen Zuschuss zum Schulessen geben. Die Initiatoren wollen, dass jedes Kind die Möglichkeit hat, in der Gemeinschaft am Mittagessen teilzunehmen. "Die gegenwärtige Ungerechtigkeit in der Verteilung der Subventionen muss dringend abgeschafft werden", sagte Burkhard Entrup. Momentan würden nur Familien subventioniert, deren Kinder einen Hortplatz haben. Die anderen müssten den vollen Preis bezahlen und würden deshalb oft nicht am Schulessen teilnehmen. Dabei sei das ein wichtiger Teil gemeinsamer Kultur.
Eine vierte Forderung des Volksbegehrens ist die nach der Qualitätsverbesserung der Betreuung in den Horten. Das Bildungsprogramm für Schulhorte soll deshalb wie bei den Kitas verbindlich werden. "Wir setzen uns außerdem dafür ein, dass zwei Fortbildungstage pro Schuljahr eingeplant werden, an denen Lehrerinnen und Erzieherinnen gemeinsam teilnehmen", sagt Entrup. Lehrer und Erzieher hätten bislang keine Zeit, gemeinsame Konzepte zu entwickeln. Absprachen könnten sie oft nur zwischen Tür und Angel treffen, kritisierte er.
Der Landeselternausschuss Kita war bereits mit einem Volksbegehren erfolgreich. Pro Kita-Erzieherin wird künftig ein Kind weniger in der Gruppe sein. Die dadurch gewonnene Zeit sollen die Pädagogen nutzen, um das Bildungsprogramm für die Kita umzusetzen. Das Berliner Parlament hat Ende 2009 beschlossen, die Forderungen des Volksbegehrens in zwei Stufen umzusetzen. Dazu müssen in diesem Jahr insgesamt 1800 Erzieher zusätzlich eingestellt werden.



