Humorforschung

Lachen ist wirklich gesund, sagt Dr. Hirschhausen

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Eckhart von Hirschhausen

Foto: M. Lengemann / Lengemann

Wie wichtig Spaß für Körper und Seele ist, erklärt Eckhart von Hirschhausen, Arzt, Kabarettist und Gründer der Stiftung "Humor hilft heilen". Aber kann man sich gefahrlos öfter als zwei Mal halb tot lachen?

Gelotologie, die Wissenschaft vom Lachen, steckt noch in den Kinderschuhen. Erst seit wenigen Jahren sind einzelne Psychologen, Verhaltensbiologen und Mediziner dem rätselhaften Phänomen auf der Spur. Der beste deutschsprachige Humorforscher ist der Züricher Professor Willibald Ruch. Er galt lange als Außenseiter, weil er sich für positive Emotionen interessierte.

Die Züricher Humorwissenschaftler achten besonders auf die Mimik. Denn Gefühle verraten sich in Millisekunden in der Gesichtsmuskulatur. Und ohne dass es einem jemand beibringen muss, wissen wir, ob ein Lächeln echt oder falsch ist. Das echte Lachen erkennt man am Ringmuskel um die Augen, dem musculus orbicularis oculi, erklärt Ruch und seine verschmitzen Augen bestätigen das. Nur, wenn sich die Haut um die Augen spannt, Lachfältchen entstehen, und gleichzeitig sich die Mundwinkel heben, ist es ein Ausdruck des Vergnügens.

Höflichkeit lernt man, die unkontrollierte Urform des Lachens nicht. Selbst Kinder, die blind oder gehörlos geboren werden, lachen mit ähnlichem Laut und Gesichtsausdruck wie ihre Mitmenschen. Die Luft bahnt sich ungehindert ihren Weg durch den offenen Mund, bis einem die Puste ausgeht, man nicht mehr kann vor Lachen. Herzhaftes Lachen wird deshalb gegen Ende immer leiser.

Mit diesem Wissen entlarvt man jeden Schleimer: Macht der Chef einen Witz und der Angestellte lacht nur aus Zwang mit, endet das Geräusch oft abrupt und ebbt nicht langsam ab. Umso peinlicher ist dann die Stille danach. Dagegen trägt echtes Lachen weit, aufgrund von vielfachen Oberschwingungen, die weder mit Sprache noch Gesang bewusst erreicht werden. Frauen lachen mit 500 Hertz, Männer mit 280. Lachen entwaffnet, entspannt die Skelettmuskulatur. Wer lacht, kann nicht zuschlagen, es haut ihn selbst um, man kann sich nicht mehr halten und bisweilen macht man sich auch in die Hose vor Lachen. Kinder werfen sich zu Boden, kugeln und krümmen sich.

Aber kann man sich gefahrlos öfter als zwei Mal halb tot lachen?

Ja! Neue Untersuchungen am Gefäßsystem belegen die heilsame Wirkung des Lachens. So wie Stress die Blutgefäße verengt, reicht eine Viertelstunde Lachen über einen witzigen Film, um die Blutgefäße deutlich zu erweitern. Jeder Medikamentenhersteller wäre froh, mit seinen Produkten eine solche Wirkung zu erzeugen. Aber Humor kann man nicht als Tablette einnehmen, nur als Haltung. Patienten mit Herzinfarkt sind auch häufiger humorlos. Andere Untersuchungen haben ergeben, dass beim Lachen bestimmte Abwehrzellen, namentlich die T-Helfer-Lymphozyten und die Killerzellen, die den Körper auch vor Krebs schützen, ansteigen.

Den stärksten unmittelbar messbaren Effekt hat Lachen auf die Schmerzwahrnehmung. Wer es nicht glaubt, kann ein einfaches Experiment dazu machen. Hauen Sie sich mit einem Hammer auf den eigenen Daumen. Machen Sie das einmal alleine, und einmal in Gesellschaft. Sie spüren den Unterschied. Sobald ich über meine missliche Lage lachen kann, lässt der Schmerz nach. Und deshalb sollten Menschen mit Schmerzen nicht allein sein und etwas zu Lachen bekommen. Diese Idee inspirierte erst in den USA und seit 15 Jahren auch in Berlin und ganz Deutschland Clowns, in Krankenhäuser, Hospize und Altenheime zu gehen. Genau dorthin, wo es oft wenig zu lachen gibt. Denn die gesündeste Ansteckung, die man sich im Krankenhaus holen kann, ist und bleibt das Lachen.