In diesen Tagen ziehen die Sechstklässler der Thomas-Mann-Grundschule wieder gemeinsam mit ihren Eltern los, um die umliegenden Geschäfte in Prenzlauer Berg abzuklappern. Sie sammeln Tombolapreise für das alljährliche Sommerfest. Der kleine Eisladen „Eiszeit“ steuert immer einen Eisbechergutschein bei, und im Einkaufscenter gelingt es den Kindern oft, auch große Hauptgewinne wie etwa eine Digitalkamera abzustauben. Für das Geld, das beim Losverkauf eingenommen wird, gibt es dann neue Spielgeräte für den Schulhof oder Bücher für die Schulbibliothek.
Insgesamt fünf Millionen Euro brachten die Eltern nach Schätzungen des Landesverbandes schulischer Fördervereine im vergangenen Jahr für eine bessere Ausstattung der Berliner Schulen ein. Außerdem haben sie etwa 60.000 ehrenamtliche Arbeitsstunden geleistet. Etwa zwei Drittel der Berliner Schulen und Kitas haben Fördervereine.
Und das ist dringend nötig. Denn Geld für Reinigung, Grünflächenpflege und Sanierung fehlt. Selbst mit den Mitteln aus dem Konjunkturprogramm II, immerhin knapp 200 Millionen Euro für Schulen, fehlen noch 800 Millionen, um den Sanierungsstau aufzuholen. Lehrmaterialien sind oft völlig veraltet, Computer können nicht gewartet werden. Die Schulen müssen sich finanzkräftige Partner suchen.
Besonders erfolgreich dabei ist die Max-von-Laue-Realschule in Zehlendorf. Von der Firma Schering hat sie gerade erst eine Laborausstattung für das Weinprojekt erhalten, jetzt sollen noch die Klassenzimmer mit interaktiven Whiteboards ausgestattet werden. Das Geld dafür will die Schule bei einer Gala am 10. Juli zusammenbekommen.
„Mit den Fördervereinen steht und fällt die Qualität einer Schule“, sagt André Schindler, Vorsitzender des Landeselternausschusses. Sie würden nicht nur Farbe oder IT-Ausstattung finanzieren, sondern häufig auch für die Aufwandsentschädigung von zusätzlichem Personal für Nachmittagsangebote aufkommen. Das Engagement der Eltern tue den Schulen gut, doch die Politik dürfe sich nicht aus den Aufgaben zurückziehen, sagt er. Benachteiligt seien die Schulen in sozialen Brennpunktgebieten, in denen die Eltern kein Geld haben, um zu spenden.
In den sozial benachteiligten Stadtteilen erkennen zunehmend Firmen ihre Verantwortung und unterstützen Bildungseinrichtungen. Die Wohnungsbaugesellschaft Gesobau unterstützt zum Beispiel Schulen in Wedding mit sogenannten Elternlotsen und Hausaufgabenhilfen. Nicht nur zum Selbstzweck. Die Schulen als wichtiger Standortfaktor sollen attraktiver werden und dadurch junge Familien als Mieter anziehen.
Doch um Sponsoring oder Fundraising überhaupt möglich zu machen, muss es an der Schule erst einmal einen eingetragenen gemeinnützigen Verein geben, der Spendenquittungen ausstellt. Dazu gibt es Seminare beim Landesverband der Fördervereine: Tel.: (030) 84418003.


