Wenn Susann Hoffmeister nach acht Bürostunden in Berlin die schmale Kopfsteinstraße entlanggeht, um die Ecke biegt und dann das leuchtend gelbe Haus am Waldrand sieht, ist das für sie einen Moment lang wie Urlaub.
Sie hört Vögel zwitschern und das Lachen ihrer Kinder, die im Garten hinter dem Haus auf einem Klettergerüst toben - und irgendwo in der Nachbarschaft bellt ein freundlicher Hund. "Der Stress und der Lärm der Großstadt fallen von mir ab, sobald die Regionalbahn in Falkensee ankommt", sagt die 27-Jährige. Ein Jahr ist es jetzt her, dass Susann Hoffmeister mit ihrer vierköpfigen Familie von Charlottenburg in den Berliner Speckgürtel gezogen ist. "Und wir haben es noch keinen Tag bereut."
Am Anfang war es nur so eine Idee, der Traum vom eigenen Häuschen im Grünen. Die Rede war dann von "irgendwann" und "später einmal". Als aber die fünfte Mieterhöhung innerhalb weniger Jahre ins Haus flatterte, wurden die Pläne der Beiden konkreter. "Bei uns war die Schmerzgrenze erreicht", sagt Susann Hoffmeister, "mehr wollten wir für eine Mietwohnung einfach nicht ausgeben." Einige Freunde waren damals gerade dabei, sich für eigene Häuser zu interessieren. "Wir fanden das spannend", erinnert sie sich. Die Stadt ging ihnen ohnehin auf die Nerven: Zu laut, zu viel Abgase, zu hektisch und zu wenig grün. "Aber ein bisschen unheimlich war die Idee trotzdem", sagt Susann Hoffmeister. "Wir sind ja noch ziemlich jung und die Investition ist groß".
Dennoch - am Ende ließen sie sich eine Finanzierung durchrechnen, "nur so aus Interesse". Und schnell war klar: für die beiden ist das Risiko kalkulierbar. Sowohl Susann als auch ihr Mann Matthias arbeiten im öffentlichen Dienst. Sie in der Baubehörde, er bei der Polizei. "Die monatlichen Belastungen für uns waren kaum höher als bei unserer Miete", erklärt sie.
Auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück verbringt die Familie von da an viele Wochenenden im Umland. Sie schauen sich Dörfer rund um Potsdam an, fahren auch nach Norden. Schließlich landen sie in Falkensee, einer Kleinstadt mit rund 40.000 Einwohnern am nordwestlichen Rand Berlins. "Das Grundstück am Wald hat uns sofort gefallen", erinnert sich die junge Beamtin. "Da wollten wir gern leben."
Sie lassen das Haus von einem Architekten entwerfen. Susann Hoffmeister wünscht sich eine große Küche, in der alle viel Platz haben. Und ein großes Bad, "nicht so einen engen Schlauch, wie wir in der Mietwohnung hatten". Matthias Hoffmeister freut sich auf eine schöne Terrasse zum Grillen und auch die beiden Töchter, Luka (6) und Hanna (3), haben genaue Vorstellungen, wie ihre Zimmer aussehen sollen. Ein bis zwei mal in der Woche besucht die Familie die Baustelle, sieht zu, wie ihr Traum Gestalt annimmt. Und schon ein Jahr später steht ihr Traumhaus dann fix und fertig da. Gelb getüncht mit spitzem Dach. Dahinter ein großer Garten mit Apfelbaum und Johannisbeersträuchern. "Für die Kinder ist das toll", schwärmt Susanne Hoffmeister, "sie machen einfach die Tür auf und gehen nach draußen. In Charlottenburg konnten sie nirgendwo allein hin. Da musste sie immer jemand auf den Spielplatz begleiten."
Trotzdem ist der Familie auch ein bisschen mulmig zu Mute, als der Möbelwagen vor ihrem neuen Haus hält. Wie werden die Nachbarn die zugezogenen Berliner empfangen? Wie verkraften die Kinder den Ortswechsel? Doch schon nach ein paar Tagen ist Entwarnung. Luka und Hanna knüpfen schnell die ersten Freundschaften im Kindergarten. Und die Nachbarn bieten der jungen Familie von allen Seiten Hilfe an. "Wir fühlten uns sofort total Willkommen."
Das tröstet alle vier auch über den Abschied von den Berliner Freunden hinweg. "Die sehen wir jetzt natürlich nicht mehr so oft", gibt Susann zu. Schließlich brauchen sie ungefähr eine Stunde bis zum Alexanderplatz. "Da überlegt man sich dann abends schon, ob man extra den Babysitter bestellt und noch mal losfährt in die Stadt, nur um mit Freunden ins Kino zu gehen." Überhaupt könne man nicht mehr so spontan sein, wenn man erst mal draußen wohnt. "Mal schnell zum Inder um die Ecke Essen gehen, das läuft natürlich nicht mehr", erzählt die junge Mutter. Alles liegt weiter auseinander, alles muss viel langfristiger geplant und organisiert werden. Auch der Einkauf. "Wenn ich in Berlin etwas vergessen hatte, konnte ich es zu jeder Tages- und Nachtzeit noch irgendwo um die Ecke beim Spätkauf besorgen", sagt sie. "Hier werden um 19 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt."



