Auch wenn die Lokführer einmal nicht streiken, heißt das noch lange nicht, dass die S-Bahn in Berlin störungsfrei fährt. So kamen am Montagmorgen erneut Zehntausende Fahrgäste zu spät zu Arbeit, weil Fahrten ausgefallen oder nur mit erheblicher Verspätung erfolgt waren. Grund dafür war eine Panne bei der Umrüstung des elektronischen Stellwerks in Halensee.

Betroffen von den Verkehrseinschränkungen waren besonders die Ringbahn-Linien S41 und S42. Von Betriebsbeginn an bis gegen 9.30 Uhr pendelten zwischen Beusselstraße und Halensee, Halensee und Südkreuz sowie Südkreuz und Treptower Park lediglich Züge im Abstand von 30 Minuten. Auf dem östlichen Ring fuhren die Züge nur im Zehn-Minuten-Takt. Üblich sind im Berufsverkehr auf der Ringbahn Fahrten im Fünf-Minuten-Takt. Einschränkungen gab es auch für den Zubringerverkehr im Südosten. So fuhren die Züge auf der S46 (Königs Wusterhausen–Westend) lediglich bis Schöneweide beziehungsweise Treptower Park. Auch die S47 verkehrte von Spindlersfeld nur bis Schöneweide statt bis nach Südkreuz.

Die Deutsche Bahn hatte am Sonntag damit begonnen, im Stellwerk Halensee neue Computertechnik aufzubauen. Von Halensee aus wird der S-Bahn-Verkehr auf dem westlichen Berliner Ring gesteuert. Es war 1993 bei der S-Bahn als erstes elektronisch arbeitendes Stellwerk in Betrieb genommen worden. Dessen Modernisierung sollte eigentlich in der Nacht zu Montag beendet sein. „Doch dann trat das Problem auf, dass die neuen Rechner nicht richtig miteinander kommunizieren konnten“, sagte ein Bahn-Sprecher. Aus Sicherheitsgründen konnte auf den von der Stellwerksstörung betroffenen Abschnitten nur jeweils ein Zug im Pendelverkehr fahren. Die Einschränkungen dauerten zum Teil bis zum Nachmittag an.

Verspätungen bei der U-Bahn

Probleme hatten am Montag auch einige Nutzer der Berliner U-Bahn. Zwischen 10.08 und 10.22 Uhr war der Zugverkehr auf der Linie U2 gestört. Grund war nach Angaben der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ein defekter Zug, der im Bahnhof Olympia-Stadion nicht mehr weiterfahren konnte. Es musste ein Ersatzzug eingesetzt werden. Dadurch habe es Verspätungen im Zugverkehr von bis zu 13 Minuten gegeben, so BVG-Sprecherin Petra Reetz.

Mit Problemen anderer Art haben Bahnkunden im Bahnhof Alexanderplatz zu kämpfen. Dort ist seit Freitag das Reisecenter der Deutschen Bahn (DB) geschlossen. Aus „technischen Gründen“ steht auf einem Schild an der verschlossenen Tür. Grund für die außerplanmäßige Sperrung sei ein Wasserschaden, so ein Bahn-Sprecher. Es bestehe Gesundheitsgefahr für die Mitarbeiter des Centers, in dem Auskünfte erteilt und Fahrkarten für den DB-Fernverkehr verkauft werden. Zwar stehen direkt davor vier Fahrkartenautomaten, doch viele Reisende kommen mit den erforderlichen Eingaben nicht klar. „Mich ärgert, dass ich hier keine Hinweise zu günstigeren Preisen finde“, sagt etwa Hans Zscherlitz, der eine Reise zu Verwandten in Franken plant.

Der Fahrgastverband Igeb fordert ein Ersatzangebot im Bahnhof. „Es kann nicht sein, dass die Reisenden zum Ostbahnhof oder zur Friedrichstraße geschickt werden“, sagte Verbandssprecher Jens Wieseke. Laut Bahn sollen nun zwischen 9 und 19 Uhr täglich zwei Service-Mitarbeiter vor Ort sein, die Reisende bei der Bedienung der Automaten unterstützen. Wann das Reisecenter wieder öffnet, ist unklar.