An der Oder in Brandenburg gilt ab sofort die höchste Hochwasseralarmstufe 4. Es besteht die Gefahr von Überflutungen von Dämmen und Deichen. Am Pegel Ratzdorf wurde der kritische Grenzwert von 5,90 Meter erreicht. Die Alarmstufe 4 hat der zuständige Landrat für den gesamten Kreis Oder-Spree ausgerufen.

In Frankfurt an der Oder wächst mit steigendem Pegel die Angst. Die Bewohner des Buschmühlenwegs, einer Straße hinter den bereits unter Wasser stehenden Oderwiesen, haben im Jahr 1997 besonders unter dem Hochwasser gelitten. „Ich bin weiß Gott nicht gläubig. Aber ich bete mehrmals täglich“, sagt die Rentnerin Renate Ullrich, während sie mit ihren Freundinnen aus der Sportgruppe Sandsäcke füllt. Die Stelle, an der ihr Haus steht, sei eine der tiefsten.

Der Keller ist bereits ausgeräumt, Fenster abgedichtet und Gummihosen, wie sie Angler tragen, hängen bereit. „Die sind noch von vor 13 Jahren“, erzählt Ullrich. Damals seien sie nur noch über Stege und per Schlauchboot zu ihren Häusern gekommen. „Wir haben uns gefühlt wie in Venedig.“

Strom, Wasser und Toilettenbenutzung – daran sei in den ersten Tagen des wochenlangen Hochwassers kaum zu denken gewesen. Später gab es immerhin Dixi-Toiletten und Notstromleitungen. Auch wenn die Anwohner diesmal rechtzeitig gewarnt worden seien, Sandsäcke zur Verfügung stünden und die Gefahr als geringer eingeschätzt wird: die Angst bleibt. „Das lange Warten ist einfach so schrecklich“, sagt die Rentnerin, die schon jetzt schlaflose Nächte hat. Ans Wegziehen habe sie dennoch nie gedacht. „Wohin denn auch?

Das Krankenhaus in Slubice, der polnischen Nachbarstadt von Frankfurt (Oder), wurde wegen des drohenden Hochwassers bereits geräumt. Bis Donnerstag würden auch die letzten 15 Patienten weggebracht, teilte das Krankenhaus mit. „Ich denke, wir sollten uns auf das schlimmste Szenario vorbereiten“, sagte Krankenhausdirektorin Katarzyna Lebiotkowska. Die Patienten kommen vor allem in den Krankenhäusern in Sulecin und Gorzow Wielkopolski unter. Muss die Dammvorstadt Slubice wegen der Oderflut evakuiert werden, soll ein Feldlazarett im acht Kilometer entfernten Swiecko aufgebaut werden.

Slubice liegt etwa zwei Meter niedriger als das gut 250 Meter entfernte Frankfurt am anderen Ufer der Oder. Bürgermeister Ryszard Bodziacki appellierte bereits am Dienstag an die rund 17.000 Einwohner, Slubice zum Wochenende zu verlassen. Ansteigendes Grundwasser drücke die Kanalisation nach oben, befürchtete er. Das Krankenhaus wurde am Mittwoch geräumt. Schulen und Kindergärten werden Ende der Woche geschlossen. Noch gebe es keine Anzeichen für eine Tragödie. „Man kann die Gefahr nicht wirklich einschätzen“, sagt der Bürgermeister.

dpa/AFP/str