Die Zahlen ließen aufhorchen: Auch in den ländlichen Räumen steigen die Mieten deutlich an, wie aus einer Antwort des Bundesbauministeriums auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervorgeht. Doch nun gibt das Brandenburger Infrastrukturministerium ein Stück weit Entwarnung: Aus den vorliegenden Daten ließen sich für Brandenburg keine dramatischen Mietpreissteigerungen im ländlichen Raum begründet schlussfolgern, sagte ein Ministeriumssprecher der Deutschen Presse-Agentur.
So hatte die Linke unter anderem gefragt, welche zehn Kommunen in Deutschland im vergangenen Jahr den größten Anstieg bei Erst- und Wiedervermietungen zu verzeichnen hatten. Laut Bundesbauministerium lag dabei die Stadt Potsdam mit einem Plus von über 31 Prozent an erster Stelle, gefolgt von Berlin mit fast 27 Prozent Anstieg. Auch mehrere ländliche Regionen waren unter den ersten Zehn, darunter der Landkreis Prignitz in Brandenburg mit einem Mieten-Plus von 18 Prozent.
Wohnen in Brandenburg: Ministerium kritisiert unzureichende Daten
Sowohl für die Prignitz als auch für andere ländliche Räume in Brandenburg sehe man jedoch keine Mietpreissteigerungen in der Dimension, wie sie aus der Antwort des Bundesbauministeriums hervorgehe, betonte ein Ministeriumssprecher. Das liege insbesondere an der unsicheren Datenbasis der Erhebung. So handle es sich bei den verwendeten Daten um durchschnittliche Nettokalt-Angebotsmieten für Erst- und Wiedervermietung, die auf Grundlage einer Erhebung von Inseraten aus Internetplattformen und Zeitungen in den Jahren 2022 und 2023 gebildet worden seien.
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Bestandsmieten seien überhaupt nicht betrachtet worden. Außerdem würden per Inserat heute nur noch ein Teil der Wohnungen auf dem Markt angeboten. Eine Vielzahl der Vermietungen laufe über Wartelisten bei den Wohnungsanbietern oder über mündliche Kontakte.
Wohnungsunternehmerverband: „Falscher Alarm“
Diese Einschätzung bestätigt auch der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU). „Wir halten es für schwierig, wenn mit solchen verzerrten Zahlen Stimmung gemacht werden soll“, sagte Unternehmenssprecher David Eberhart. Der Verband vertritt die sozialorientierten Wohnungsgeber, also vorwiegend Wohnungsbaugenossenschaften und kommunale Wohnungsunternehmen. Diese seien in den ausgewerteten Internetportalen häufig nicht mehr vertreten. Eberhart spricht von „falschem Alarm“.
Nach eigenen Angaben vertritt der BBU rund 200 Brandenburger Mitgliedsunternehmen, die für rund die Hälfte der Mietwohnungen im Land stehen. Zwischen Juni 2022 und Juni 2023 wiesen die eigenen Zahlen lediglich einen Anstieg der Bestandsmieten um durchschnittlich zwei Prozent auf rund 5,64 Euro aus. Bei Neuvermietungen verzeichne man einen Anstieg um 1,8 Prozent auf 6,39 Euro. In Potsdam zeigten die eigenen Daten sogar einen Rückgang bei der Höhe der Mieten bei Neuvermietungen um fast sechs Prozent auf 7,54 Euro netto kalt.
dpa


