Auf dem Plakat ist eine fröhliche Familie mit drei kleinen Kindern abgebildet. „4 Zimmer, große Küche, sozial“, lautet dazu der Text. Ein anderes Motiv zeigt ein Rentnerehepaar, auf dem Sofa sitzend: „2 Zimmer, Küche, sozial“. Erst im Kleingedruckten erfährt der Betrachter, wer hier für welches Produkt wirbt: das Bundesbauministerium für den sozialen Wohnungsbau.

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Mit Anzeigen in überregionalen Medien, auf digitalen Plakaten an großen Bahnhöfen und Plätzen sowie in den sozialen Medien „wollen wir über die gesamte Vielfalt des sozialen Wohnungsbaus informieren“, sagt Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD). Die Ministerin hat sich für die Präsentation der Kampagne, die nach Auskunft ihres Ministeriums rund 650.000 Euro kostet, die Baustelle der Berliner Degewo am Halleschen Ufer 60 in Kreuzberg ausgesucht.

Wohnen ab 6,50 Euro am Halleschen Ufer

Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Degewo errichtet hier 337 Wohnungen. 75 Prozent beziehungsweise 253 der Wohnungen werden als geförderte Sozialwohnungen errichtet, die ab 6,50 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete an Inhaber von Wohnberechtigungsscheinen (WBS) vergeben werden. Der Bund hat diese Wohnungen mit knapp neun Millionen Euro gefördert.

Wer auf Deutschlands größter Immobilienplattform Immoscout24 die Stichworte „Berlin“, „Sozialwohnung“ und „mieten“ eingibt, findet dort aktuell ganze acht Angebote. Die Chance, eine Sozialwohnung in der Hauptstadt anmieten zu können, ist also äußert gering.

Umso verwunderlicher, dass sich die „Informationskampagne Sozialer Wohnungsbau“ in erster Linie an die Bürgerinnen und Bürger richtet, wie aus dem Informationsblatt hervorgeht, das die Ministerin mitgebracht hat. „Aber natürlich wollen wir auch die Baubranche ansprechen, denn es lohnt sich, wieder in den Bau von sozialem Wohnraum zu informieren“, versichert Geywitz und verweist auf die deutlich erhöhten Fördermittel: „Bis 2027 stellen wir den Ländern eine Rekordsumme von 18,15 Milliarden Euro zur Verfügung.“

Berlin hat 325.000 Sozialwohnungen verloren

Das ist auch dringend nötig, denn der Verlust von Sozialwohnungen geht ungebremst weiter. Um die Jahrtausendwende gab es in Berlin noch rund 430.000 Wohnungen, die zu staatlich festgelegten Mieten an Haushalte mit geringem Einkommen vermietet wurden. Ende 2022 waren es nur noch 104.757 – ein Verlust von rund 325.000 Wohnungen. Und der Schwund geht weiter, der aktuelle Neubau von Sozialwohnungen kann den Verlust nicht ansatzweise ausgleichen. 2023 wurde die Förderung von lediglich 3492 Sozialwohnungen bewilligt.

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