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Grundsteuer-Vergleich: Brandenburger zahlen am wenigsten

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Ein Abgabenbescheid für die Entrichtung der Grundsteuer liegt auf einem Schreibtisch. Foto: Jens Büttner/dpa-zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ein Abgabenbescheid für die Entrichtung der Grundsteuer liegt auf einem Schreibtisch. Foto: Jens Büttner/dpa-zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Foto: Jens Büttner / dpa

Die Grundsteuer stieg 2021 langsamer als im Vorjahr. Fest steht: Brandenburger zahlen am wenigsten.

Berlin. Trotz der Erhöhung der Grundsteuer im vergangenen Jahr müssen die Brandenburger im Bundesländer-Vergleich wie bereits im vorigen Erhebungszeitraum am wenigsten für die Grundsteuer aufwenden. Im bundesweiten Durchschnitt lag die Pro-Kopf-Steuerbelastung in Brandenburg bei 110 Euro im vergangenen Jahr, 2020 waren es 108 Euro.

In Berlin waren es im vergangenen Jahr 227 Euro und damit deutlich mehr als der bundesweite Durchschnitt von 175 Euro, aber noch weniger als in den beiden Stadtstaaten Hamburg (267 Euro) und Bremen (310 Euro). Das geht aus der jüngsten Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) zum Thema Grundsteuer hervor.

Die Bürger in Nordrhein-Westfalen zahlen nach wie vor die meiste Grundsteuer. Sie überweisen durchschnittlich 216 Euro pro Jahr an die Gemeindekasse, vier Euro mehr als im Vorjahr und mehr als doppelt so viel wie die Brandenburger mit 110 Euro. Im Bundesdurchschnitt stieg die pro Kopf Abgabe um drei Euro auf nun 175 Euro.

Grundsteuer wird über Betriebskostenabrechnung auf Mieter umgelegt

Die Grundsteuer ist eine wichtige Einnahmequelle für Städte und Gemeinden. Sie wird von Grundstücksbesitzern bezahlt und über die Betriebskostenabrechnung auf Mieter umgelegt. Wie hoch die Steuer vor Ort ausfällt, bestimmt die Gemeinde mit dem Hebesatz. Deshalb kann es große Unterschiede von Gemeinde zu Gemeinde geben.

Wie aus der Studie hervorgeht hat im vergangenen Jahr bundesweit etwa jede zwölfte Kommune die Grundsteuer erhöht. Die meisten Steuererhöhungen wurden im Saarland und in Schleswig-Holstein gezählt, wo 17 beziehungsweise 16 Prozent aller Kommunen den Hebesatz heraufgesetzt haben. Die wenigsten Steuererhöhungen gab es in Sachsen und Bayern mit einem Anteil von von jeweils fünf Prozent. 35 Prozent der Kommunen in Deutschland weisen inzwischen einen sehr hohen Grundsteuer B-Hebesatz von mehr als 400 auf.

Starke Konjunktur nach Corona-Schock

„Die starke konjunkturelle Erholung nach dem Corona-Schock hat zu einer überraschend guten finanziellen Entwicklung bei vielen Kommunen und einem kommunalen Finanzierungsüberschuss von 4,6 Milliarden Euro geführt. Der Handlungsdruck ist damit gesunken, weniger Kommunen mussten die Steuern erhöhen“, sagte Mattias Schneider, Partner bei EY und Leiter des Bereichs Government & Public Services. „Der Aufwärtstrend bei den Grundsteuern bleibt dennoch bestehen – nur eine kleine Minderheit der Kommunen macht von der Möglichkeit Gebrauch, den Hebesatz zu senken.“

Keine Grundsteuer müssen die Bürgerinnen und Bürger in insgesamt 16 deutschen Kommunen bezahlen, von denen acht in Schleswig-Holstein liegen, sieben in Rheinland-Pfalz und eine in Baden-Württemberg. Den stärksten Anstieg im vergangenen Jahr gab es in der hessischen Gemeinde Lorch, wo der Hebesatz um 365 Punkte auf 1050 stieg.

Die 100 Einwohner der Gemeinde Strübbel in Schleswig-Holstein konnten sich über den bundesweit stärksten Rückgang der Grundsteuer freuen. Dort wurde der Hebesatz von 295 auf Null Punkte gesenkt.

Auswirkungen der Grundsteuerreform erst 2025 sichtbar

Im Zuge der Grundsteuerreform müssen bundesweit Millionen Grundstücke neu bewertet werden. Derzeit sind daher viele Hauseigentümer dabei, Angaben zu ihrem Grundstück an das Finanzamt zu übermitteln. Bis Ende 2024 wird die Grundsteuer noch nach dem aktuellen Stand berechnet. Erst ab dem 1. Januar 2025 gelten dann die neu ermittelten Beiträge.

„So lange ist ungewiss, wie sich die bevorstehende Grundsteuerreform auf die Einnahmesituation der einzelnen Kommunen auswirken wird, auch wenn der politische Konsens besteht, dass es insgesamt nicht zu einer gravierenden Mehrbelastung der Bürger kommen soll“, sagte Schneider.

Unterteilt wird in Grundsteuer A die für Grundstücke der Land- und Forstwirtschaft gilt und Grundsteuer B die für in einer Gemeinde liegenden bebauten und unbebauten Grundstücke angesetzt wird. Ab 2025 dürfen Gemeinden die Grundsteuer C für baureife Grundstücke erheben.