Nachdem das kommunale Klinikum „Ernst von Bergmann“ in Potsdam Anfang April einen Aufnahmestopp verhängt hat, ist nun auch das zweitgrößte Krankenhaus der Landeshauptstadt aufgrund der Corona-Epidemie deutlich überlastet. Das St. Josef-Krankenhaus nimmt künftig keine Covid19-Patienten mehr auf, die intensivmedizinisch versorgt werden müssen. Zuerst hatten die „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ darüber berichtet.
Das Haus mit 244 Betten, das vom katholischen Träger Alexianer geführt wird, ist an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen, wie Sprecher Benjamin Stengl gegenüber der Berliner Morgenpost bestätigte. Man könne zumindest in Teilen die Versorgung der Patienten nicht mehr absichern. Es handele sich um eine reine Vorsorgemaßnahme. Aktuell würden 40 Corona-Infizierte behandelt, wovon einer beatmet werden müsse.
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Das Problem liege beim Personalengpass. Von den 550 Mitarbeitenden seien derzeit 40 wegen einer Corona-Infektion in Quarantäne und damit vom Dienst befreit. „Wir arbeiten unter Hochrisikobedingungen und schützen unsere Mitarbeiter so gut wir können“, so Stengl weiter. Infektionen könne man aber nicht immer ausschließen. Hinzu kämen die unabhängig von Corona erkrankten Mitarbeiter – zum Teil aufgrund der Krisensituation auch psychisch bedingt. Ferner seien die Kräfte, die an Corona-Patienten arbeiten, daran gebunden und aufgrund der Infektionsgefahr nicht flexibel einsetzbar.
„Alle, die hier sind, werden weiter behandelt“, so Stengl weiter. Alle beatmungspflichtigen Patienten würden allerdings an das „Versorgungscluster Corona Westbrandenburg“ (VCC West) weitergeleitet. Dabei handelt es sich um eine Kooperation von Kliniken aus den Kreisen Potsdam-Mittelmark und Havelland sowie der Stadt Brandenburg (Havel). Die Notaufnahme für alle weiteren Fälle im Josef-Krankenhaus sei weiterhin 24 Stunden geöffnet, so Sprecher Stengl weiter. So würden etwa Patienten mit Schlaganfällen, Herzinfarkten oder nach schweren Unfällen weiter versorgt und nicht abgewiesen.
Das St. Josef-Krankenhaus hatte die Aufgabe des Erstversorgers in der Landeshauptstadt Potsdam übernommen, nachdem das deutlich größere Ernst-von-Bergmann-Klinikum am 1. April einen Aufnahmestopp verhängte. Die Stadt und das Robert-Koch-Institut (RKI) hatten das beschlossen, nachdem die Zahl der Corona-Infizierten sprunghaft angestiegen war. Dort werden in der Notaufnahme seitdem nur noch schwere Fälle aufgenommen. Man habe nicht damit gerechnet, dass das Bergman-Klinikum auf unabsehbare Zeit ausfällt, sagte Alexianer-Regionalgeschäftsführer Oliver Pomerenke am Mittwoch. „Als relativ kleines Krankenhaus halten wir seit nunmehr fast zwei Wochen die reguläre Notfallversorgung der Potsdamer Bevölkerung am Laufen.“ Nach Angaben der Klinik hat sich die Zahl der Patienten in der Notaufnahme seit dem Aufnahmestopp im Bergmann-Klinikum verdreifacht.
Man wolle nun mehr Personal aus anderen Alexianer-Kliniken vor allem für die Pflege rekrutieren. Bis Mittwoch wurden außerdem vier Ärzte aus dem Bergmann-Klinikum in die Notaufnahme des Josef-Krankenhauses verlegt. Drei von dort stammende Pflegekräfte werden außerdem in den Nicht-Covid19-Bereichen eingesetzt. Ziel sei es, so schnell wie möglich die komplette Aufnahmefähigkeit wieder herzustellen, so Pomerenke weiter.
Bergmann-Klinikum stoppte Aufnahmen Anfang April
Nachdem Ende März alle Patienten im Bergmann-Klinikum auf das Corona-Virus getestet wurden, stieg die Zahl der Infizierten sprunghaft an. Aktuell werden dort mit Stand von Mittwochnachmittag 79 Covid19-Patienten behandelt, davon 63 auf der Normal- und 16 auf der Intensivstation, wovon wiederum zwölf beatmet werden müssen. Außerdem hatten sich 174 Mitarbeiter mit dem Virus angesteckt, sind aber in Teilen wieder genesen.
Gegen drei Leitende Ärzte und die Geschäftsführung führt die Stadt ein Ordnungswidrigkeitsverfahren. Das Gesundheitsamt wirft ihnen vor, Corona-Fälle nicht rechtzeitig binnen der vorgeschriebenen 24-Stunden-Frist gemeldet zu haben. Das Verfahren liegt auch bei der Potsdamer Staatsanwaltschaft. Dort wird geprüft, ob die Fälle vorsätzlich nicht angezeigt wurden, und sich die Beschuldigten so strafbar gemacht haben.



