Bahnverbindungen

Dietmar Woidke attackiert die Deutsche Bahn

Brandenburgs Ministerpräsident fordert einen deutlich schnelleren Ausbau der Pendlerstrecken nach Berlin.

Ein Regionalexpress der Deutschen Bahn am Berliner Hauptbahnhof (Archivbild)

Ein Regionalexpress der Deutschen Bahn am Berliner Hauptbahnhof (Archivbild)

Foto: imago stock / imago/Rainer Weisflog

Potsdam/Berlin.  Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat die Deutsche Bahn kritisiert und sie aufgefordert, sich stärker für den Ausbau der Verkehrslinien zwischen Berlin und dem Brandenburger Umland zu engagieren. Die Bahn müsse „besser werden“, sagte Woidke im Interview mit der Berliner Morgenpost. „Was die Pendlerströme betrifft, muss die Deutsche Bahn stärker nach vorn denken. Wir müssen mit ihr Wege finden, wie sie flexibler und schneller wird. Da läuft vieles zu langsam“, sagte der Ministerpräsident.

Die Zahlen der Erwerbstätigen, die in Brandenburg wohnen und in Berlin arbeiten oder umgekehrt, steigen seit einigen Jahren rasant. Nach dem Pendleratlas der Arbeitsagentur pendeln 180.000 Menschen aus Berlin heraus und 310.000 aus Brandenburg in die Stadt hinein. Viele klagen regelmäßig über völlig überfüllte S-Bahn- und Regionalzüge sowie verstopfte Straßen.

Woidke fordert auch eine bessere Anbindung für Brandenburgs Städte nach Berlin. „Es kann nicht über zehn Jahre dauern, ein zweites Gleis von Berlin nach Cottbus zu legen. Das brauchen wir dringend“, sagte der Ministerpräsident. „Wenn wir im 19. Jahrhundert in dieser Geschwindigkeit angefangen hätten, das deutsche Bahnnetz aufzubauen, hätten wir heute noch keins.“ Brandenburg habe Planungsleistungen sogar vorfinanziert, damit es vorangehe. Das zweite Gleis zwischen Berlin und der 100.000-Einwohner-Stadt in der Lausitz gab es bereits vor 100 Jahren, bis es nach dem Krieg abgebaut wurde.

Auch die Fraktionschefin der Berliner Grünen, Antje Kapek, mahnt zu mehr Engagement beim Wiederherstellen der Bahnverbindungen. Dabei müssten sich Berlin und Brandenburg gemeinsam gegen den Bund durchsetzen, sagte Kapek. Aus ihrer Sicht trifft die Länder Berlin und Brandenburg eine Mitschuld, dass es lange nicht voranging beim Ausbau der Pendlerverbindungen. „Die Länder haben nicht mit einer Stimme gesprochen“, so Kapek. Erst vor einem Jahr hatten die Fachministerinnen mit der Bahn konkrete Ausbaupläne für acht Hauptkorridore bis 2030 vereinbart. Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) rechnet mit Investitionen von einer Milliarde Euro.

Spandaus Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) sagte, die Pendler drängten sich „wie Ölsardinen in den Zügen“. Wenn die Länder nicht schnell vorankämen, erreichten die Menschen ihre Arbeit gar nicht mehr. Die Bahn müsse die S-Bahnverlängerung nach Falkensee und den Ausbau des Bahnhofs Spandau unterstützen, so Kleebank: „Wer da blockiert, hat die Mobilität des kommenden Jahrzehnts auf dem Gewissen.“ CDU-Verkehrsexperte Oliver Friederici sieht die Schuld für das lange Nichtstun zunächst bei den Ländern und bei Woidke selbst. Aber auch die Bahn habe nicht mit dem gleichen Nachdruck den Ausbau der Strecken etwa nach Cottbus oder Stettin gefordert, wie sie sich für schnellere Verbindungen nach Hannover oder München starkgemacht habe.

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