Bande im Visier

"Soko Geld" jagt Automaten-Sprenger aus den Niederlanden

Die Bande ist für zehn Sprengungen von Geldautomaten in Berlin und Brandenburg verantwortlich. 24 Ermittler sind ihnen auf der Spur.

In dieser Commerzbank-Filiale in Oranienburg schlug die Bande am 9. Juli zu

In dieser Commerzbank-Filiale in Oranienburg schlug die Bande am 9. Juli zu

Foto: dpa/Julian Stähle

Potsdam.  Sie kommen nachts, handeln schnell und professionell und verschwinden rasant und unerkannt. Die Brandenburger Polizei sucht derzeit mit Hochdruck nach einer Bande, die seit April in der Region Automaten sprengt und die Geldkassetten entwendet. „Die Bande ist für zehn Sprengungen in Berlin und Brandenburg verantwortlich“, sagte der Sprecher der Brandenburger Polizei, Torsten Herbst. Insgesamt verzeichnete die Polizei in Brandenburg in diesem Jahr neun Überfälle auf Geldautomaten, bei sechs davon wurden die Automaten gesprengt. Für mindestens fünf Fälle davon soll dieselbe Bande verantwortlich sein, die auch fünf weitere Überfälle in Berlin verübt haben soll.

Um den Fahndungsdruck zu erhöhen, hat die Polizei jetzt die „Sonderkommission Geld“ verstärkt. „Seit vergangener Woche arbeiten dort jetzt 24 Ermittler“, sagte Herbst, vier mehr als bislang. Die Täter gehen anders vor als bisherige Automatenräuber. „Bislang haben die Täter das Werkzeug mitgenommen, diese Gruppe lässt alles am Tatort zurück“, so Herbst.

Nach den bisherigen Ermittlungen ist eine niederländisch-marokkanische Bande für die Serie verantwortlich. Sie ist für die Ermittler keine unbekannte Gruppe. Zuvor waren sie vor allem in den Niederlanden und Belgien tätig, nachdem dort die Geldautomaten aufwendig zusätzlich gesichert worden sind, wichen die Täter auf Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen aus. „Auch in Hessen und Sachsen waren sie schon aktiv“, sagte Herbst. Allein in diesem Jahr sollen die Niederländer in Niedersachsen für 30 Sprengungen von Geldautomaten verantwortlich sein.

Seit April sind die Täter auch in Berlin und Brandenburg unterwegs. Am 19. April startete die Serie in der Müllerstraße in Wedding. Fünf Tage später sprengten sie einen Geldautomaten in Kladow. Es folgten Raubzüge in Potsdam, Berlin-Adlershof und Königs Wusterhausen. Zuletzt schlugen die Täter am 9. Juli in Oranienburg zu.

Die Gruppe, die aus weit mehr als zehn Personen bestehen soll und aus Niederländern besteht, die alle marokkanische Wurzeln haben, geht sehr planvoll vor. „Zuerst klären sie den Tatort auf“, sagte Herbst. Das heißt, sie spähen geeignete Orte und Geldautomaten aus. Allen Taten gemeinsam ist, dass die Automaten an Ausfallstraßen oder in der Nähe von Autobahnauffahrten liegen. „Sie verwenden kleinere Gasflaschen als andere Täter“, so der Polizeisprecher. Zunächst brechen sie die Geldautomaten auf, leiten dann Gas hinein und entzünden es. Nach der Explosion entfernen sie die Geldkassetten. „Danach fliehen sie in hochmotorisierten Fahrzeugen“, sagt Herbst.

Kollegen aus den Niederlanden und Niedersachsen berichten, dass sie dabei ohne Rücksicht auf Verluste mit höchster Geschwindigkeit den Tatort verlassen. Gefasst werden konnte bisher noch kein Mitglied der Bande, weder in den Niederlanden noch in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen oder Brandenburg.

Das soll sich nun in Brandenburg ändern. Während die 24 Ermittler der „Soko Geld“ die Spuren auswerten, eine Tatortanalyse betreiben, um mögliche künftige Raubzüge vorherzusehen und entsprechende Vorkehrungen zu treffen, sind Zivilfahnder nachts verstärkt im Land unterwegs.

In der vergangenen Woche fand zudem ein Treffen mit Vertretern der Geldinstitute statt. Die Ermittler gaben Tipps, wie die Banken erkennen können, dass und wie sie ausgespäht werden. „Die Ermittler können vor Ort zielgerichtet beraten und auch technische Hilfestellung leisten“, sagte Polizeisprecher Herbst.

Geldinstitute rüsten im Kampf gegen Täter auf

Aber die Geldinstitute versuchen auch von sich aus, sich besser auf solche Raubzüge vorzubereiten. Etliche Geldautomaten sind inzwischen mit Farbbomben ausgerüstet, die nach einer Explosion die Scheine einfärben. Das Zahlungsmittel wird damit wertlos.

Doch auch für dieses Geld hat sich inzwischen ein internationaler Schwarzmarkt gebildet, auf dem die eingefärbten Scheine – zwar mit hohen Verlusten – eingetauscht werden können. Neu ist dagegen die sogenannte Kopfhaubenverriegelung. Dabei handelt es sich um eine zusätzliche Sicherheitsmaßnahme, die das Einfüllen des Sprenggases erschwert. Neueste Automaten verfügen inzwischen über Neutralisierungsgas, das ausströmt, sobald Gas eingefüllt wird. Damit soll eine Sprengung verhindert werden.

Aber längst nicht alle Täter gehen laut Polizei so professionell vor wie die niederländisch-marokkanische Gruppe. In Döbern füllten Täter derart viel Gas in den Automaten, dass das gesamte Nebenhaus in die Luft flog. Videoaufnahmen aus einer anderen Bank zeigen zudem, wie zwei Täter versuchen, den Kontoauszugsdrucker aufzuhebeln statt den Geldautomaten. „So etwas Dilettantisches würde den Niederländern nie passieren“, so Herbst.

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