Wohnungspreise

Hier sind die Mieten in Berlins Umland noch günstig

Außerhalb der Stadtgrenzen wohnt es sich günstiger. Brandenburger zahlen durchschnittlich 100 Euro weniger als Mieter in Berlin.

Foto: BM

Brandenburg. Die Mieten in Brandenburg bleiben bezahlbar, sind jedoch regional sehr unterschiedlich. Das ist das Ergebnis des Jahresberichts der Berliner und Brandenburger Wohnungsbauunternehmen (BBU). Brandenburger Mieter zahlen demnach für eine 60-Quadratmeterwohnung durchschnittlich 100 Euro weniger als in Berlin. Die Durchschnittsmiete betrug im vergangenen Jahr 4,99 Euro netto kalt je Quadratmeter. „Wohnen in Brandenburg bleibt bezahlbar“, sagte die BBU-Vorstandsvorsitzende Maren Kern am Dienstag. „In Brandenburg hat sich vieles in den vergangenen Jahren positiv entwickelt.“ So seien die Mieten im Vergleich zu 2016 nur um 1,6 Prozent gestiegen.

Dabei differenziert sich der Mietenmarkt in Brandenburg immer mehr aus. Während in Falkensee (513 Euro für eine 60-Quadratmeter-Wohnung) und Potsdam (499 Euro) fast schon das Niveau Berlins erreicht ist, sind die Mieten in Werder (451 Euro) und Oranienburg (460 Euro) noch deutlich preiswerter. Der BBU-Bericht wertete die realen Mieten von rund 800.000 Brandenburgern aus. Das erklärt die deutlich geringeren Mieten im Vergleich zu den sogenannten Angebotsmieten, die nur das Niveau der neu auf den Markt kommenden Wohnungen berücksichtigen.

Insgesamt investierten die Brandenburger Wohnungsunternehmen 572 Millionen Euro in den Neubau, die Instandsetzung oder Modernisierung des Wohnraums. In diesem Jahr erwartet der BBU Investitionen in Höhe von 736 Millionen Euro. Davon entfällt ein immer größerer Anteil auf den Neubau (238 Millionen Euro). Das meiste Geld fließt in die Instandsetzung (256 Millionen Euro). Den hohen Anteil an Investitionen in die Modernisierung (238 Millionen Euro) erklärt der BBU damit, dass die erste Modernisierungswelle in den 90er-Jahren jetzt 20 Jahre her ist und wieder neu in die Wohnimmobilien investiert werden müsse.

In Cottbus und Prenzlau entstehen viele Wohnungen

Zwar besteht nach Angaben des BBU weiter grundsätzlich ein Unterschied zwischen dem Speckgürtel rund um Berlin und dem weiteren ländlichen Raum, die Situation stellt sich aber im Detail sehr unterschiedlich dar. So leidet die kleine Stadt Lauchhammer in Oberspreewald-Lausitz unter einem Leerstand von 30 Prozent, obwohl bereits viele Wohnungen abgerissen wurden. Gleich nebenan in Schwarzheide herrscht dagegen fast Vollvermietung.

Auch Cottbus im Süden und Prenzlau im Norden Brandenburgs verzeichnen einen überdurchschnittlichen Zuwachs an neuen Wohnungen. Dagegen fällt er in Strausberg und Erkner in unmittelbarer Nähe zu Berlin eher gering aus. Potsdam ist ein Sonderfall. Hier boomt der Wohnungsmarkt seit Jahren und hat längst Berliner Niveau erreicht.

Weiterhin problematisch ist die Lage in der Prignitz. Die Miete liegt mit 4,43 Euro hier am niedrigsten. Der dünn besiedelte Landstrich hat mittlerweile weniger als 100.000 Einwohner. Der Neubau von Wohnungen lohnt sich hier wegen des geringen Mietniveaus nicht. Auch hier beklagt die bevölkerungsreichste Stadt Wittenberge einen Leerstand von 20 Prozent.

Nahverkehr soll Umland besser an Berlin anbinden

Insgesamt bewertet der BBU die Wohnungssituation in Brandenburg deutlich positiv. „In unmittelbarer Nähe zur wachsenden Metropole gut ausgestattete Wohnungen in schönen Städten zu deutlich günstigeren Mieten: Davon können vergleichbare Ballungsräume in Deutschland nur träumen“, sagte BBU-Chefin Kern bei der Vorstellung des Berichts. Allerdings müsse das bei anhaltender Entwicklung nicht immer so bleiben. „Es ist Aufgabe der Landesregierung, diese Wohnpotenziale gemeinsam mit den Kommunen so anzubinden und zugänglich zu machen, dass sie vom Wachstum in Berlin-Potsdam profitieren und sich das Wachstum gerechter über das Land verteilen kann“, so Kern.

Berlin und Brandenburg verhandeln gerade über den Ausbau des Nahverkehrs in der Region. In den vergangenen Jahren hätten beide Landesregierungen die Entwicklung verschlafen, deswegen bestünden in der verkehrlichen Anbindung Defizite. Bis 2030 sollen diese Missstände ausgeglichen sein – und würden den steigenden Bevölkerungstrend im Umland befördern, prophezeit BBU-Chefin Kern. „Mit dem Zug kommt der Zuzug“, sagte Kern.

Schon jetzt pendeln rund 300.000 Berliner und Brandenburger zwischen den beiden Bundesländern zum Arbeitsplatz. „Die Landesregierung sollte alles dafür tun, dass die Städte attraktiv bleiben oder werden“, sagte Kern. Dazu sei eine Reform der Wohnraumförderung notwendig. Vor allem in den ländlichen Gebieten kämen die bestehenden Fördermöglichkeiten nicht an.

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