Schiffshebewerk

Der "BER von Brandenburg" wird endlich fertig

Das neue Schiffshebewerk in Niederfinow steht nach vielen Verzögerungen und Problemen bei der Konstruktion vor der Fertigstellung.

Der Neubau der Werke in Niederfinow kostet rund 300 Millionen Euro

Der Neubau der Werke in Niederfinow kostet rund 300 Millionen Euro

Foto: Patrick Pleul / ZB

Niederfinow.  Bei Bauleiter Klaus Winter steigt die Spannung. Zehn Jahre nach Baubeginn steht am kommenden Montag ein Stresstest für das neue Schiffshebewerk Niederfinow an. Die Anlage wird einen ersten Test zum Lastenausgleich unternehmen. Dazu werden die 5000 Sandsäcke, die den Trog zum Anheben der Schiffe derzeit noch am Boden halten, entfernt. Dann wird sich zeigen, ob die Gegengewichte die 10.000 Tonnen Last auch tatsächlich halten. „Das ist ein Meilenstein für uns“, sagt Winter. Zudem haben die beteiligten Firmen in der vergangenen Woche zum ersten Mal eine Aussage darüber gemacht, wann der Trog zum ersten Mal mit Wasser gefüllt die 36 Meter Höhenunterschied bewältigen soll. Im Sommer 2019 soll es soweit sein.

Trotz Schwierigkeiten längst im Probebetrieb

Immer wieder haben sich die Bauarbeiten am neuen Schiffshebewerk in den vergangenen Jahren verzögert. Einen verlässlichen Termin zur Fertigstellung gibt es nicht – das hat dem Bauwerk auch schon den Beinamen „BER Brandenburgs“ eingebracht. Aber das sieht Winter anders. „Ich werde immer gefragt, wann der Probebetrieb beginnt“, sagt der Bauleiter. „Ich bin längst im Probebetrieb.“ Ständig würden einzelne Abschnitte des Baus von den Behörden abgenommen.

Dass die Fertigstellung des neuen Schiffshebewerks näher rückt, war lange nicht abzusehen. Zu viele Schwierigkeiten ergaben die Konstruktion des Baus und auch mit den beteiligten Firmen gab es immer wieder Streit. „Die besondere Herausforderung besteht in der Architektur“, sagt Winter und erklärt die Problematik anschaulich: Die Konstruktion des Hebewerks ähnelt einem Schuhkarton, dem der Deckel und die kurzen Seiten fehlen. Das bedeutet, dass die langen Seitenwände ziemlich instabil in die Höhe ragen. „Da mussten sehr komplizierte Berechnungen angestellt werden“, sagt Winter, damit die Wände nicht umfallen, wenn die Schiffe nach oben oder unten transportiert werden. Im alten Hebewerk direkt nebenan gab es diese Probleme nicht. Da liegt der Deckel auf dem Schuhkarton und sorgt für Stabilität.

Schließlich fanden die Ingenieure eine Lösung für das Problem. Die Träger ragen etwas schief aus dem Boden und richten sich erst unter Last parallel aus. Allerdings ergaben sich daraus weitere Schwierigkeiten. Am Ende muss das 133 Meter lange, 46 Meter breite und 55 Meter hohe Hebewerk variabel auf die Lastenverteilung reagieren. Im Grunde genommen bewegt sich die Konstruktion temperaturabhängig immer ein wenig hin und her, um den Trog mit den zu transportierenden Schiffen im Gleichgewicht zu halten.

300 Millionen Euro stehen für das neue Schiffshebewerk zur Verfügung, derzeit befindet sich die Baustelle noch im Kostenrahmen. „Auch das ist ein Unterschied zum BER“, sagt Winter. Die Entscheidung zum Neubau war sehr schnell nach dem Fall der Mauer erfolgt. Das alte Hebewerk stammt aus dem Jahr 1934 und weist einige Schäden auf. Zudem kann es nur Schiffe bis zu einer bestimmten Länge transportieren. Das soll sich beim neuen Werk ändern, auch große Containertanker sollen dann passieren können. Unklar ist, ob der Güterverkehr auf dem Wasser sich tatsächlich so entwickelt, wie vor vielen Jahren geplant. Es gibt Zweifel daran. Andererseits eröffnet das neue Hebewerk auch neue Möglichkeiten für den Güterverkehr zwischen Berlin und Stettin und der Ostsee.

Ein Wasserverlust wäre die Katastrophe

Bis es so weit ist, müssen noch zahlreiche Bauabschnitte fertiggestellt werden. Eine besondere Herausforderung stellt die Notbremse dar. Sollte es beim Transport der Schiffe zu einem Wasserverlust im Trog kommen, dann würde die Wanne wegen der Gegengewichte ungebremst nach oben schnellen – ein Katastrophenszenario für die Planer. Deshalb konstruierten die Maschinenbauer eine Art Gewinde in die Außenwand, das sich bei einer unerwarteten Druckentwicklung in die Wand dreht und die Anlage stoppt. „Mutterbackensäule“ nennen das die Bauleute, bei der Millimeterarbeit gefragt ist, um sofort zu funktionieren, sollte einmal etwas schiefgehen. Fast alle technischen Einrichtungen auf der Baustelle sind Maßanfertigungen. „In Deutschland wird vielleicht alle 50 Jahre einmal ein Schiffshebewerk gebaut“, sagt Winter. „Das Wissen ist einfach nicht da.“

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