Diebstähle

Tatort Rastplatz: Banden schlitzen Lkw-Planen auf

Während die Lastwagen-Fahrer schlafen, schlagen die Diebe zu - in Brandenburg vor allem entlang der Autobahnen 2 und 10.

Ein vollbesetzter Lkw-Parkplatz an der Autobahn-Raststätte Michendorf (Brandenburg)

Ein vollbesetzter Lkw-Parkplatz an der Autobahn-Raststätte Michendorf (Brandenburg)

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Der Fahrer eines Sattelaufliegers steuerte auf seinem Weg nach Frankfurt (Oder) den Parkplatz Lebbiner Heide auf der A 12 an und legte sich kurz nach 21 Uhr schlafen. Am nächsten Morgen ist die Plane der Ladefläche mehrfach aufgeschlitzt. Von der Fracht, Pakete einer Internetfirma, fehlte eine unbekannte Anzahl. Was in den Paketen war, wusste der Fahrer nicht.

Die Mitteilung der Polizeidirektion Ost aus dem Landkreis Oder-Spree ist kein Einzelfall. Wiederholt haben in den vergangenen Wochen sogenannte Planenschlitzer auf Autobahnparkplätzen in Brandenburg zugeschlagen.

Die Taten sind ein zunehmendes Problem für Speditionen und die Versicherungen. Auf rund 300 Millionen Euro schätzt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) den jährlichen Schaden. Genaue Angaben sind schwierig, da von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen wird. Oftmals zeigen die Betroffenen eine Tat gar nicht an, weil sie nicht als „unsicheres“ Unternehmen gelten wollen oder steigende Versicherungsbeiträge fürchten, heißt es bei der Polizei.

Großer Lärm an den Straßen erleichtert die Taten

In Brandenburg sind häufig Planenschlitzer auf den Rastplätzen entlang der A 2 und der A 10 aktiv. Beim Ladungsdiebstahl gehen die Täter in der Regel nach demselben Muster vor. Nach Angaben des Bundesamtes für Güterverkehr schneiden die Täter zunächst einen kleinen Schlitz in die Planen von Lastwagen. Aufgrund des großen Lärms an Rastanlagen ist es nicht ungewöhnlich, dass die während der Tat in den Fahrzeugen schlafenden Fahrer gar nichts davon mitbekommen. Dabei sollen die Diebe sogar vermehrt Endoskope einsetzen, um einen guten Blick auf die Ladung zu bekommen. Scheint sie nicht lohnend oder zu sperrig, ziehen sie auch ohne Beute ab.

Wird wertvolle, gut absetzbare und leicht zu transportierende Beute entdeckt, vergrößern die Diebe die Schlitze auf bis zu zwei Meter. Daraus verschwindet die Beute blitzschnell in Transportern. Wenn der Fahrer morgens den Diebstahl bemerkt, sind die Planenschlitzer bereits über alle Berge. Nach Polizeierkenntnissen „grasen“ die Täter häufig mehrere Parkplätze nacheinander ab. Das ist offenbar auch in der vergangenen Woche in Brandenburg wieder geschehen.

Nichts gestohlen, aber hoher Sachschaden

„Gegen 2.35 Uhr am Mittwochmorgen hatte eine Funkstreifenwagenbesatzung der Autobahnpolizei Michendorf auf dem Parkplatzgelände der Raststätte Buckautal Nord an der A 2 18 Lastwagen bemerkt, an denen die Planen aufgeschnitten worden waren“, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion West. Gestohlen worden war aber offenbar nichts, weil die Diebe vermutlich nichts Brauchbares gefunden hatten. Der Sachschaden beläuft sich auf mehrere Tausend Euro.

Als Polizeibeamte weitere Parkplätze entlang der A 2 kontrollierten, stellten sie gegen 3.35 Uhr auf dem Parkplatz Temnitz zwischen Wollin und Brandenburg sechs Sattelzüge fest, an denen die Planen aufgeschnitten worden waren. „Von einem der Lkw wurden zwei Getränkeflaschen entwendet, in den anderen Fällen stahlen die Täter nichts“, berichtete die Polizei weiter.

Ein weiterer Fall wurde nur eine Stunde später vom Parkplatz Grebser Heide zwischen den Anschlussstellen Brandenburg und Netzen gemeldet. Die Beute in diesem Fall: eine Flasche Glühwein. Die Kriminalpolizei sucht nach Zeugen. Hinweise nimmt die Autobahnpolizei in Michendorf unter der Telefonnummer (0331) 28351-2624 entgegen.

In der Polizeilichen Kriminalstatistik wird das Delikt Ladungsdiebstahl nicht eigens aufgelistet. Daher lassen sich genaue Zahlen über die Taten und die Beute nur schwer ermitteln. Nach der Analyse des Bundesamtes für Güterverkehr sind die Beutesummen oft groß. Begehrt sind Maschinen und Anlagen, Autoteile und Reifen.

Kisten mit Teilen für Bremsen im Wert von 20.000 Euro weg

So stellte am vergangenen Freitagmorgen der Fahrer eines Sattelschleppers auf dem Parkplatz Borker See an der A 24 zwischen Herzsprung und Neuruppin fest, dass seine Plane aufgeschlitzt worden war. Von der Ladung – Bremsanlagenteile für Autos – fehlten etwa 20 Verpackungen mit Teilen im Gesamtwert von rund 20.000 Euro, wie die Polizei mitteilte. Der Fahrer hatte sich am Vorabend gegen 21 Uhr zur Ruhe begeben und bemerkte die Tat nicht. Rund 20 Prozent der erbeuteten Güter sind Gegenstände der Unterhaltungselek-tronik. Neben Metallen sind außerdem Nahrungsmittel und Getränke beliebt.

Die Polizei ist überzeugt, dass die Banden bundesweit agieren. „Zufallstäter treten weniger in Erscheinung, meist handelt es sich um organisierte Banden, die teilweise genau Bescheid wissen über die Ladung und die Route des Fahrzeuges“, sagt ein Sprecher des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL). Die Polizei empfiehlt Fernfahrern, mit Fremden etwa in Raststätten nicht über die Ladung und die Route zu sprechen. Die Fahrzeuge sollten nicht unbeaufsichtigt abgestellt und möglichst nur bewachte und gut beleuchtete Parkplätze aufgesucht werden. Alarmanlagen und Video im Laderaum gelten als gute Schutzmaßnahmen.