Polizeibilanz

Sechs gegen Einen - Gewalt im Zug nach Baumblütenfest

Das Baumblütenfest ist trotz des hohen Alkoholkonsums bislang recht friedlich verlaufen. Einen schlimmen Vorfall gab es in einem Zug.

Der Bahnsteig in Werder war am Sonnabend beständig voll, rund 40.000 Festbesucher reisten mit der Bahn an

Der Bahnsteig in Werder war am Sonnabend beständig voll, rund 40.000 Festbesucher reisten mit der Bahn an

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Das Baumblütenfest hat am Sonnabend wieder begonnen, und bei gutem Wetter strömten die Besucher nach Werder an der Havel. Das bedeutet immer auch Großeinsätze für Bundespolizei und Polizei, denn Baumblütenfest heißt eben auch Obstweinkonsum.

Mehr als 40.000 kamen mit der Bahn zum Fest, meldet die Bundespolizei, die für die Sicherheit an Bahnhöfen zuständig ist. Die Bundespolizei überwachte die bahnseitige An- und Abreise mit rund 370 Einsatzkräften.

Als die Gäste zunehmend abreisten - in der Regel nach dem üblichen regen Alkoholkonsum - , registrierten die Beamten insgesamt 27 Straftaten und leiteten entsprechende Ermittlungsverfahren unter anderem wegen Körperverletzungen und Beleidigungen ein.

Sechs Personen schlagen auf einen Mann ein

Der schwerwiegendste Zwischenfall ereignete sich gegen 19.15 Uhr in einem Regionalexpress der Linie RE1 zwischen Werder und Wannsee. Eine sechsköpfige Gruppe, drei Männer im Alter von 19 und 20 Jahren sowie drei 18, 19 und 20 Jahre alte Frauen, schlugen gemeinsam auf einen 30-Jährigen ein. Dabei erlitt das Opfer eine stark blutende Verletzung am Kopf.

Reisende informierten Bundespolizisten am Bahnhof Wannsee über den Angriff. Das Opfer kam zur medizinischen Behandlung in ein Krankenhaus.

Die Beamten stiegen in den Zug, suchten nach den Tätern und konnten sie am Bahnhof Zoologischen Garten festnehmen. Dabei leistete ein 19-Jähriger Widerstand und die 19-Jährige beleidigte die Beamten.

Die Bundespolizisten nahmen die mutmaßlichen Täter mit zur Dienststelle und leiteten Anzeigen gegen alle offenbar Tatbeteiligten ein. Sie wurden anschließend wieder auf freien Fuß gesetzt.

29 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz

Die Brandenburger Polizei zeigte sich in den ersten beiden Tagen recht zufrieden mit dem Geschehen rund um das Fest. Die Polizeipressestelle sprach von „volksfesttypischen“ Delikten auf dem Fest und rundherum vor allem am Sonnabend.

Die rund 300 Einsatzkräfte der Landespolizei Brandenburg mussten am ersten Tag insgesamt 79 Strafanzeigen aufnehmen. Den Schwerpunkt bildeten dabei 29 Strafanzeigen wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz.

„Natürlich haben wir Verständnis, dass auf dem Baumblütenfest auch regionaler Wein genossen wird, am Lenkrad oder am Steuerruder hat solch ein Verhalten jedoch nichts zu suchen“, sagte Peter Meyritz, Leiter der Polizeidirektion West und Polizeiführer. „Ebensowenig werden wir den Besitz und Handel von Betäubungsmittel tolerieren. Jede dieser Feststellungen wird durch die Kollegen beanzeigt.“

Sporbottführer betrunken unterwegs

Ein 24 Jahre alter Sportbootführer aus Hennigsdorf etwa war am Sonnabend in der Nordföhse im Bereich der Regattastrecke in einem offenen führerscheinfreien Mietmotorboot unterwegs - unter Alkoholeinwirkung.

Ein Vortest ergab laut Polizei einen Wert von 1,29 Promille. An Bord befanden sich vier weitere Personen, die nach Angaben der Polizei noch betrunkener schienen als der Bootsführer. Gegen den Mann wurde eine Strafanzeige aufgenommen, und ihm wurde eine Blutprobe entnommen. Ebenso wurde mit einem Bootsführer verfahren der mit 1,32 Promille unterwegs war.

Einen ähnlichen Vorfall gab es am Sonntag. Ein 34-jähriger Berliner war in der Nordföhse im Bereich der Regattastrecke mit einem ähnlichen gemieteten Boot unterwegs - mit 1,22 Promille im Blut, wie ein Vortest laut Polizei ergab. An Bord befanden sich neben dem Bootsführer noch ein Mann und eine Frau. Die Frau war nüchtern und konnte das Boot dann weiter fahren. Anzeige und Blutprobe schlossen sich an.

Aufmerksamer Zeuge verhindert Einbruch

Außerdem wurden am Sonnabend Anzeigen wegen Körperverletzungen in 17 Fällen aufgenommen sowie acht wegen Widerstands gegen Vollzugsbeamte aufgenommen und zehn wegen Beleidigungen.

Ein Zeuge beobachtete zudem wie ein 52-jähriger mit einem Spaten versuchte, in einen Bungalow auf der Insel einzubrechen. Hinzugerufene Polizisten stellten den Mann.

Insgesamt zehn Personen wurden am Sonnabend in Gewahrsam genommen. 63 Platzverweise mussten ausgesprochen werden. Zum überwiegenden Teil waren die Betroffenen erheblich alkoholisiert.

Nur neun Anzeigen am Sonntag

Am Sonntag blieb es dann ruhiger. „Der heutige Tag unterstrich noch einmal den friedlichen Volksfestcharakter und verlief ohne polizeilich hervorhebenswerte Sachverhalte“, sagte Direktionsleiter Meyritz am Abend.

"Auch die reibungslose und gut abgestimmte Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Stadt Werder trug zu dieser friedlichen Bilanz bei.“ Nur neun Strafanzeigen wurden am Sonntag bis 21 Uhr rund um das Fest aufgenommen.

Herausragend waren laut Polizei drei Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. Zudem wurden zwölf Platzverweise ausgesprochen und zwei Personen in Gewahrsam genommen. Zum überwiegenden Teil sind die Betroffenen laut Polizei betrunken gewesen.

Glasflaschenverbot auf dem Fest

Besonderes Augenmerk legt die Polizei eigenen Angaben zufolge in diesem Jahr auf die Verhinderung von Handtaschendiebstählen sowie Diebstählen aus abgestellten Autos. Ein Präventionsmobil steht daher auch in der Nähe des Festgeländes, die dazugehörigen Beamten sollen Besucher dafür sensibilisieren, keine Wertsachen in ihren Autos zu lassen und nur das Nötigste in den Handtaschen mitzuführen.

In Hinblick auf den kommenden Herrentag, Christi Himmelfahrt, am Donnerstag, an dem es noch einmal besonders voll werden dürfte, weisen die Stadt Werder und die Polizei noch einmal auf das bestehende Glasflaschenverbot auf dem Festgelände hin. Der eingesetzte Sicherheitsdienst sowie die Polizei achten auf die Einhaltung.