Tourismus

In einem Hotel in Bad Saarow müssen Kinder draußen bleiben

Das Hotel „Esplanade“ in Bad Saarow will ab November keine Kinder mehr als Gäste aufnehmen. Die Reaktionen sind gemischt.

Tom Cudok ist Hoteldirektor des „Esplanade“ in Bad Saarow. Angst vor Abwanderung der Gäste wegen seiner Pläne hat er nicht

Tom Cudok ist Hoteldirektor des „Esplanade“ in Bad Saarow. Angst vor Abwanderung der Gäste wegen seiner Pläne hat er nicht

Foto: Ricarda Spiegel

Bad Saarow.  Das Vier-Sterne Hotel „Esplanade Resort & Spa“ in Bad Saarow will Kinder demnächst aussperren. Willkommen sind ab 1. November nur noch Gäste ab 16 Jahre. In Brandenburg ist bislang noch kein Hotel so konsequent diesen Schritt gegangen. Der Direktor des Hauses, Tom Cudok, verteidigt auf Anfrage der Berliner Morgenpost die umstrittene Entscheidung: „Wir sind keinesfalls kinderfeindlich, wollen uns aber neu ausrichten – und das ‚Esplanade‘ als Erwachsenenhotel profilieren.“

Damit folge das Haus lediglich dem Trend zur Spezialisierung, sagt der angestellte Direktor. „Viele Erholungsbedürftige sind auf der Suche nach einem Wellnesshotel ohne Kinder, einem Ort, an dem sie die verdiente Auszeit allein oder das romantische Wochenende zu zweit niveauvoll und ungestört genießen können.“ Eine Umfrage unter den Gästen habe klar ergeben, dass ihnen Urlaub ohne Kindern lieber sei als mit.

>> Pro und Contra: Sollte ein Hotel Kinder aussperren dürfen? <<

Böse E-Mails an das Hotel

Das Telefon im „Esplanade“ klingelt seit Bekanntgabe der Pläne häufiger als sonst. Die Reaktionen – durchaus gemischt. „Wir haben auch einige böse E-Mails erhalten, die unter die Gürtellinie gehen“, erzählt Tom Cudok. „Unsere Stammgäste hatten wir schon vor Wochen über unsere Pläne informiert. Darunter gibt es viele, die sagen: Schade, dann werden wir nicht mehr bei Ihnen wohnen.“

180 Zimmer hat das Haus, unter den 50.000 Gästen pro Jahr waren bislang 3000 Kinder. Die meisten: Kurzurlauber aus Berlin. Aber auch Firmen buchen das „Esplanade“ gern für Tagungen. Der Schritt zum kinderfreien Hotel kommt nicht ganz plötzlich. „Wir hatten Verschiedenes ausprobiert“, sagt der Direktor. So wurden eigens Spritz- und Planschstunden im Spa-Bad für die Kleinen eingerichtet. „Das funktionierte nicht. Ein Gast lässt sich nicht gern einschränken. Weder der mit noch der ohne Kinder.“ Schon gar nicht bei Doppelzimmerpreisen ab 150 Euro pro Tag aufwärts. Den Kinderspielplatz hat längst eine Fitnessstraße vor dem Hotel ersetzt und der hoteleigene Kindergarten wurde Ende vorigen Jahres geschlossen – wegen geringer Nachfrage.

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Ob er nicht fürchte, dass seine Gäste nun scharenweise ins Fünf-Sterne-Resort „Arosa Scharmützelsee“ abwandern? „Hauptsache, sie bleiben in Bad Saarow“, sagt Cudok. „Wir arbeiten mit dem Arosa auch im Tagungsbereich gut zusammen.“

Kritik von Kinderschutzverbänden

Kritik kommt vor allem von Kinderschutzverbänden. Der Leiter der Fachgruppe Kinderschutz in Brandenburg, Hans Leitner, sagt: „Die geplante Praxis in diesem Hotel ist nur ein Wölkchen am Himmel.“ Das Beispiel zeige, „wie die Prioritäten in unserer Gesellschaft gesetzt werden“. Familien würden benachteiligt. „Auch, weil sie in der Regel nicht so zahlungskräftig sind wie Kunden ohne Kinder“, betont der Diplom-Pädagoge.

Die Tourismusverbände hingegen stellen sich hinter das Konzept des ersten komplett kinderfreien Hotels in Brandenburg. Olaf Lücke, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes, hält eine „bestimmte Ausrichtung von Hotels durchaus für sinnvoll“. Auch die landesweite Tourismus-Marketing-GmbH (TMB) befindet eine solche Spezialisierung für gut. „Wir sehen das ganz entspannt“, sagt TMB-Sprecherin Birgit Kunkel auf Anfrage, „gerade in einem Wellnesshotel bestehen häufig Konflikte zwischen dem Ruhebedürfnis von Gästen und den Wünschen von Kindern.“ Der Kompromiss sei nicht immer für beide befriedigend. Außerdem gebe es in Brandenburg genügend Hotels, die speziell für Familien Angebote bereithalten.

Das Portal www.urlaub-ohne-kinder.info listet derzeit 641 kinderfreie Hotels auf, 34 davon in Deutschland.

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