Am Rande des Flämings liegt Trebbin. Eine Kleinstadt mit rund 10.000 Einwohnern, verteilt auf 13 Ortsteile. Neun alte Kirchen gibt es hier, ein Bauernmuseum, mehrere Heimatstuben, Schloss Blankensee, zwei Grundschulen und eine Oberschule. Und vor allem viel Natur.

Der Dichter Theodor Fontane hatte Trebbin bereits im 19. Jahrhundert durchwandert. Das Städtchen wirbt damit, dass der Europäische Fernwanderweg E10, der Fontanewanderweg F4 und der 66-Seen-Weg direkt vor der Haustür liegen. Doch das sollte nicht alles sein. In diesem Jahr wollte Trebbin den ersten Nacktwanderweg Brandenburgs eröffnen. Auf gut zehn Kilometern sollten Wanderer die lästigen Hüllen fallen lassen dürfen.

Bürgermeister Thomas Berger hatte sich für die Idee stark gemacht – und bekam zunächst viel Unterstützung. „Wir hätten damit ein Alleinstellungsmerkmal“, warb der Christdemokrat für das ganz besondere Wandergefühl. Nicht getrübt durch reibende Textilien. Der Mensch pur in der reinen Natur.

Den Anstoß gab ein leidenschaftlicher Nacktwanderer aus dem 20 Kilometer entfernten Beelitz. Ulfert Hanschur initiierte in Zusammenarbeit mit der Stadt sogar eine Probe-Nacktwanderung in Trebbin. So kamen vor zwei Jahren 85 Wanderer aus ganz Deutschland in die ostdeutsche Provinz. Nur mit Rucksack bekleidet, ging es durch das Wildgehege Glauer Tal, vorbei an Mufflons und Hirschen. In Deutschland kann man auf ausgewiesenen Wegen bislang nur im Harz und in der Lüneburger Heide ohne Kleidung unterwegs sein.

Kulturausschuss votiert für das Projekt

„Es sah so aus, als würde das mit dem Nacktwanderweg bei uns klappen“, sagt Beate Rantzsch, bei der Stadtverwaltung zuständig für den Bereich Tourismus. Der Kulturausschuss hatte sich nach dem erfolgreichen Probelauf für das Projekt ausgesprochen. Eine Route war bereits ausgeguckt. Der Rundweg sollte ab dem Ortsteil Kliestow, entlang der Nuthe, bis an die Grenze der Trebbiner Gemarkung Richtung Märtensmühle führen – und zurück. Noch aber waren nicht alle Grundstückseigentümer überzeugt von der künftigen Attraktion.

Die Stimmung im Ort kippte schließlich, nachdem das MDR-Fernsehen über FKK in Deutschland und über die Trebbiner Pläne berichtet hatte. Titel der Sendung: „Der nackte Wahnsinn“. Der kritische Beitrag warf Fragen auf. „Zum Beispiel, ob ein solcher Nacktwanderweg tatsächlich die erhofften touristischen Effekte bringt“, erinnert sich Beate Rantzsch. Sie ist bis heute der festen Überzeugung: „Das Alleinstellungsmerkmal hätte Trebbin einen touristischen Aufschwung beschert.“

Im Fernsehbericht kamen vor allem Kritiker zu Wort. Nun fühlten sich auch jene bestätigt, die noch skeptisch waren. Bis zur Ausstrahlung der Sendung hatte die Stadtspitze geglaubt, auch die noch unschlüssigen Kliestower überzeugen zu können. „Wir hatten durchaus vor, auf die Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen“, sagt die Tourismus-Expertin der Stadt. „Die Wanderer wären ja nicht nackt durch die Stadt gelaufen.“

Zu viel Gegenwind um FKK-Projekt

Vielmehr sollten sich die FKK-Spaziergänger außerhalb des Ortes ausziehen. „Geplant war, die verschließbaren Garderobenschränke am Einstieg zum Wanderweg einzurichten“, sagt Beate Rantzsch. „Das wäre mehrere 100 Meter von den Häusern entfernt gewesen.“ Mit der Sendung aber platzte das Projekt. „Irgendwann hatten selbst die größten Befürworter keine Lust mehr“, sagt sie, „die Nacktwanderweg-Pläne sind erst einmal auf Eis gelegt.“

Thomas Berger hat zwar für den Nacktwanderweg gekämpft, selbst wollte der pfiffige Bürgermeister aber nicht nackt wandern. Der gebürtige Rheinländer ist der Meinung, dass „man offen sein muss für neue Ideen und auch mal was wagen sollte“. Im vorigen Jahr ist er zum dritten Mal zum Bürgermeister gewählt worden. Erstmals sogar ohne Gegenkandidat.

Trebbin hat auch ohne Nacktwanderweg einiges zu bieten. Vor zwei Jahren feierten die Bewohner den 800. Geburtstag des Ortes. Bürgermeister Berger hebt auf der Homepage des Rathauses hervor, dass Trebbin damit „sogar älter als Berlin ist“.

Sehr stolz sind die Trebbiner auch darauf, im „Guinnessbuch der Rekorde“ zu stehen. Anlässlich des Jubiläums haben sich 574 Spieler an einem Freiluft-Dameturnier beteiligt, so viele wie weltweit noch nie. Die Urkunde aus London kann seither im Rathaus bewundert werden. Außerdem ist die etwa 30 Kilometer von Berlin entfernte Stadt die Heimat von Hans Clauert. Geboren 1506, soll er einst als märkischer Eulenspiegel in Trebbin und der Umgebung seinen Schabernack getrieben haben.

Fläming-Walk-Routen: Angenehme Wege

Die Stadt setzt nun statt auf Nacktwanderer auf Walker. „Wir sind dabei, unsere Fläming-Walk-Strecken auszubauen und zu markieren“, sagt Beate Rantzsch vom Stadtmarketing. „Dazu holen wir derzeit das Einvernehmen der Grundstücksbesitzer entlang der Routen ein.“

Es ist unwahrscheinlich, dass die Anwohner auch gegen ganz normale Walker sind. In der Region wird Sport und Erholung in der Natur großgeschrieben. Vor fünf Jahren haben sich mehrere Orte zusammengetan, um den Fläming-Walk – nach dem Fläming-Skate – als Marke einzuführen. Das Ergebnis sind 43 ausgeschilderte Touren mit einem Wegenetz von über 450 km Streckenlänge. Durch unzersiedelte Landschaft, über lockeren Wald- und Wiesenboden, wie die Macher betonen.

Die Stille der abgeschiedenen Wälder und die Weite der Wiesen sollen ein besonderes Erleben der Natur garantieren. Trebbin hat vor, sieben Wege für Walker anzubieten, unter anderem eine 16-Kilometer-Route um den Blankensee, außerdem ist ein Rundweg entlang der Vogelflugroute von Stangenhagen über Schönhagen und Blankensee über 14 Kilometer geplant.

Acht Kilometer geht es in den Glauer Berge. „Unterwegs finden sich genügend Einkehr-Möglichkeiten“, verspricht Beate Rantzsch. Die Fläming-Walk-Routen führen durch die leicht hügelige Landschaft. „Beim deutschen Wandertag 2012 wurden unsere Wege als sehr angenehm bewertet“, sagt sie.

Der Naturpark Nuthe-Nieplitz ist nicht weit. Seit drei Jahren lässt es sich außerdem vom neugebauten 21 Meter-Aussichtsturm auf dem knapp hundert Meter hohen Löwendorfer Berg bis zum Berliner Fernsehturm schauen. Es muss auch ohne Nacktwanderer gehen.

Mehr Informationen gibt es unter: www.stadt-trebbin.de, www.flaeming-walk.de und www.flaeming-skate.de