Die Liebe ist im Park Sanssouci in Marmor gehauen. Zwölf Puttengruppen auf einer im 18. Jahrhundert errichteten Mauer unterhalb der Bildergalerie im östlichen Lustgarten stellen Liebesleid und -freuden dar. Streit und Küsse, Leidenschaft und Hingabe machten auf Wunsch Friedrichs des Großen einst gute Figur. Bis Frost und Regen die Oberfläche sprengten, den Marmor reißen, Augen, Nasen und Finger bröseln ließen.

Vor Jahrzehnten verschwanden die lädierten Putten im Depot der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG). Ohne Chance auf Rückkehr. Bildhauer fertigen seit 2013 originalgetreue Kopien. Drei von ihnen wurden am Mittwoch an ihren angestammten Platz auf dem Mauersockel gehoben.

Die Macher, drei Bildhauer aus Brandenburg, legten beim Positionieren selbst Hand an. Ein Unterfangen, das die Männer ganz schön ins Schwitzen brachte. „Eine Figurengruppe bringt bis zu 200 Kilogramm auf die Waage“, sagt Robert Freund, Bildhauer in den Stiftungswerkstätten. Ein halbes Jahr hat der 39 Jahre alte Potsdamer benötigt, um aus einem Block feinsten Carrara-Marmors ein sich herzendes Pärchen herauszuschälen – mit Presslufthammer, Spitz-, Zahn- und Flacheisen, Raspel und Schmirgelpapier. „Eine Herausforderung“, so Freund. Denn das Original, das ihm als Vorbild diente, ist sehr stark beschädigt. „Bei Fehlstellen musste ich vieles neu interpretieren, dabei darauf achten, der Handschrift des Schöpfers treu zu bleiben.“ Gern hätte er sich an weiteren Werken des Künstlers orientiert.

Kopie trägt heutige Handschrift

Doch wer seinem Puttenpaar einst Ausdruck gab, steht nicht zweifelsfrei fest. Namen wie die Brüder Johann David (1729–1883) und Johann Lorenz Ränz (1733–1776), Johann Schnegg (1724–1784), die Brüder Henning oder Carl Samuel Reiter sind überliefert. Als Bildhauer wirkten sie unter Friedrich II., gestalteten Skulpturen am Neuen Palais, sorgten für Fassadenglanz in der Stadt Potsdam. „Trotzdem ist es fast unmöglich, den Bildhauern eine bestimmte Puttengruppe zuzuordnen“, bestätigt SPSG-Kustodin Saskia Hüneke. Was auch den Bildhauern Peter Flade, 71, und Wolfgang Wille, 67, einiges an Ideenreichtum abforderte. „Letztlich trägt die Kopie, die ich geschaffen habe, auch meine Handschrift“, sagt Flade.

Schon zu DDR-Zeiten seien drei Nachbildungen angefertigt worden, sagt Kathrin Lange, Leiterin der SPSG-Restaurierungswerkstatt für Skulpturen. Hergestellt aus Marmor aus dem früheren Jugoslawien. Der sei aber äußerst ungeeignet gewesen. Das Material splittere leicht, werde von zu vielen grauen Adern durchzogen. Also fuhr Lange nach Italien, um im Michelangelo-Bruch nach dem passenden Stein zu suchen. Und sie wurde fündig. Material für weitere Kopien ist vorhanden. Denn fünf Lücken müssen noch geschlossen werden.

Jede Kopie kostet bis zu 35.000 Euro. „Reicht das Geld, können wir in diesem Jahr noch bis zu zwei Nachbildungen in Auftrag geben“, so Langes Hoffnung. Ein weiteres Puzzlestück, um die Gartenlandschaft des östlichen Lustgartens aufzuwerten. Dazu leistet auch die Stadt Potsdam ihren Beitrag. Sie steuert zur Parkpflege bis 2018 jährlich eine Million Euro bei. Darauf hatten sich Stadt und Stiftung im vergangenen Jahr geeinigt – im Ergebnis des heftigen Streits um einen Pflichteintritt für den Park. Der ist vorläufig abgewendet.

Historische Obstgehölze werden gepflanzt

Die fünf Millionen Euro „Pflegegeld“ werden nun teilweise für die Wiedergewinnung der barocken Optik im Lustgarten eingesetzt. In einem ersten Bauabschnitt wurde im Frühjahr ein Teil des historischen Brauchwasserleitungsnetzes instand gesetzt und erweitert. Seit Juli werden die löchrigen Sand- und Kieswege rund um das Oranier- und das Mohrenrondell saniert und Leitungen zur Regenentwässerung gezogen. Voraussichtlich bis Ende des Jahres werden in diesem Abschnitt noch Bagger schaufeln und Bauzäune Flaneure zum gelegentlichen Umweg zwingen.

Im kommenden Jahr will die Stiftung den Holländischen Garten vor der Bildergalerie in Schuss bringen. In einem dritten Bauabschnitt folgen 2016 die Radialalleen am Obeliskportal und die Neugestaltung des Gartenplatzes vor der Neptungrotte, die durch Witterung und Vandalismus stark beschädigt ist. Die Grotte selbst soll bis 2018 saniert werden. An den Kosten von rund 3,5 Millionen Euro beteiligt sich TV-Moderator Günther Jauch mit einer Spende von einer Million Euro.

Getreu dem barocken Vorbild will die Stiftung 2016 zudem im östlichen Lustgarten historische Obstgehölze neu pflanzen. Deren Früchte landeten einst auf dem Schlossbuffet. In Archiven werde aktuell nach den Sorten, die im Lustgarten wuchsen, gefahndet. Und nach deren heutigen Produzenten. Auf einen Biss in einen Apfel aus dem Park müssen Besucher jedoch verzichten. „Selbstbedienung ist nicht erwünscht, die Gehölze werden geschützt hinter Hecken nicht zugänglich sein“, sagt Stiftungsmitarbeiterin Anja Hecker.