Ausstellung

Lehrpfad illustriert Historie der Ex-KGB-Zentrale in Potsdam

Ein Pfad mit 13 Illustrationstafeln: Die Gedenkstätte Leistikowstraße in Potsdam zeigt ab dem 15. August 2014 die Historie der ehemaligen streng abgeschotteten KGB-Zentrale „Militärstädtchen Nr. 7“.

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Die Leistikowstraße in Potsdam. Ein nobler Ort, an dem die Schönen und Reichen der Stadt in ihren prunkvollen Villen wohnen. Dass dieser Ort in der Nauener Vorstadt einmal mit Angst und Schrecken verbunden war, ist nicht vergessen. Als der Zweite Weltkrieg endete, entstand in dieser Gegend der Landeshauptstadt die ehemalige sowjetische Geheimdienstzentrale „Militärstädtchen Nr. 7“.

Nun soll dieser Teil der Historie in Potsdam wieder sichtbar werden. Auf dem Lehrpfad, der am Freitag eröffnet wird, zeigen 13 Informationstafeln historische Stätten in dem ab 1945 vom Geheimdienst KGB streng abgeschotteten Villenviertel direkt am Neuen Garten. „Dazu gehört etwa die ehemalige Kapelle der Mädchenschule, in der Hunderten russischen Soldaten – und auch Deutschen – vor Militärtribunalen der Prozess gemacht wurde“, sagt Maria Schultz. Sie betreut das frühere Gefängnis, die heutige Gedenkstätte Leistikowstraße, mit.

Der Rundgang führt vom früheren Kontrollposten am Neuen Garten auch zum ehemaligen Wohnhaus des Geheimdienstchefs. Dort wird die Geschichte einer Dolmetscherin erzählt, die zu 15 Jahren Straflager verurteilt wurde, nachdem ihr Chef in Moskau in Ungnade gefallen war. Die grünen Türen, die sich in dem dunklen Gang aneinanderreihen, sehen mitgenommen aus. Von den Wänden bröckelt der Putz auf den Boden hinab, der Lack ist abgesplittert. In den Zellen gibt es nur eine Holzpritsche auf dem Boden, ein Kübel diente als WC. Sonst nichts. Die Gefangenen, die in diese Zellen eingesperrt wurden, verließen das Gefängnis der Geheimdienstzentrale oft nicht mehr. Sie wurden gequält und starben eines grausamen Todes.

In dem ehemaligen KGB-Gefängnis wurden Menschen gefangen gehalten, denen man Spionage oder gegen die Sowjetunion gerichtetes Verhalten vorwarf. Wer nicht zum Tode verurteilt wurde, kam in russische Gulags und musste dort Zwangsarbeit leisten. Nachts, wenn alles ruhig war, wurden die Gefangenen transportiert. Niemand bekam etwas mit. All dies hat die „Stiftung Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße“ aufgearbeitet und dokumentiert. Die Geschichte soll in Erinnerung bleiben.

Eines der ehemaligen 20 Sperrgebiete in Potsdam

Einige Tage nach dem Ende der Potsdamer Konferenz am 2. August 1945 waren die Einwohner rund um die Leistikowstraße aufgefordert worden, ihre Sachen zu packen. Für das Gelände war etwas anderes vorgesehen: eine verbotene Stadt. In den nächsten 45 Jahren sollten die Häuser dort nicht mehr als Privatgrund zur Verfügung stehen. Aus der Wohngegend wurde ein Gefängnis, in dem ab 1946 mehr als 1000 Menschen unter schlimmsten Bedingungen inhaftiert waren. Tatsächlich gingen nach dem Jahr 1949 alle Strafanstalten auf die Staatssicherheit über. Doch bei dem Gefängnis im „Militärstädtchen Nummer 7“ war das anders: Es wurde weiterhin vom KGB kontrolliert.

Insgesamt gab es in Potsdam 20 Sperrgebiete, welche die sowjetischen Streitkräfte für sich beanspruchten. Das „Militärstädtchen Nummer 7“ war eines davon. Unbefugte hatten keinen Zugang. Zeitweise lebten dort 150 Offiziere und ihre Familien. 350 Soldaten des 10. KGB-Wachbataillons bewachten das Gelände. Als der sowjetische Geheimdienst 1994 abzog, blieb in dem Militärstädtchen nichts mehr übrig, was das Leid, das die Menschen hier erfuhren, hätte belegen können. Keine Akten, keine Protokolle. Alles hatte der Geheimdienst mitgenommen oder zerstört. Erst nach und nach meldeten sich immer mehr Betroffene, sodass einzelne Schicksale aufgearbeitet werden konnten und ein Bild der Zustände entstand. Jahrelang setzte sich die Stiftung „Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße“ für die geschichtliche Aufarbeitung ein und ermöglichte der Öffentlichkeit den Zugang zum Areal.

Auf Schautafeln soll nun das frühere Kasernengelände mit Exerzierplatz und Munitionsdepots gezeigt werden, auf dem inzwischen Villen mit Kultur- und Forschungseinrichtungen stehen. „Wir wollen das Militärstädtchen für zeitgeschichtlich interessierte Bürger und Touristen wieder erlebbar machen“, sagt Schultz. Fast alle Gebäude haben nun eine andere Funktion und geben keinen Einblick mehr in die zwischenzeitliche, grausame Historie des Ortes. Die Kapelle beherbergt den Empfang eines Dentallabors, und die Mädchenschule wurde in Eigentumswohnungen umgebaut. Einzig das Gefängnis ist noch im ursprünglichen Zustand erhalten, da es unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Der Ort des Schreckens hat sich gewandelt, doch die Erinnerung bleibt. Es soll nicht vergessen werden, was hier einst geschah. Wie die Gefangenen hier litten. Die Informationstafeln sollen ihren Beitrag zur Aufklärung leisten.