Insektizide

Brandenburg beendet vorerst Kampf gegen giftige Raupen

Die bisher größte Sprühaktion gegen den Eichenprozessionsspinner in Brandenburg ist beendet. Ergebnisse sollen in zwei Wochen vorliegen. Auch in Berlin wird erfolgreich gegen die Raupen gekämpft.

Foto: Philipp Schulze / dpa

In Brandenburg ist die bisher größte Bekämpfungsaktion gegen den Eichenprozessionsspinner vorerst abgeschlossen. Am Dienstag sollten die Hubschrauber mit dem Insektizid Dipel ES zum letzen Mal über der Prignitz im Einsatz sein. Seit Anfang Mai sind insgesamt 8700 Hektar von 11.600 betroffenen Hektar mit dem Insektizid besprüht worden.

Der Einsatz war nach Ansicht des Landes notwendig, weil sich der Falter in den vergangenen Jahren stark vermehrt hatte. Die Raupen bilden winzige Brennhaare aus, die beim Menschen Allergien und erhebliche Gesundheitsprobleme auslösen können. Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) zeigt sich insgesamt zufrieden.

Vor dem Landeskabinett kündigte er am Dienstag an, dass die Ergebnisse voraussichtlich in 14 Tagen oder drei Wochen vorliegen. Die Sprühaktion aus der Luft und am Boden verlief jedoch nicht ohne Zwischenfälle. Eltern der Kita „Windrad“ in Brandenburg an der Havel machen sich Sorgen um ihre Kinder.

Sprühnebel über dem Spielplatz

Ein Erzieher hatte am Donnerstag gegen 15.30 Uhr bemerkt, dass ein Hubschrauber über die angrenzenden Wälder flog. Dabei fiel ihm der leichte Sprühnebel auf, der sich auch über der Kita verteilte. Der Erzieher war zu diesem Zeitpunkt mit einer Gruppe von Kindern auf dem Außengelände des Hortspielplatzes. Zu gesundheitlichen Reaktionen kam es laut Kita bei keinem der 15 Kinder. Dennoch reißt die Kritik nicht ab.

„Wir von der Kita waren nicht über den Einsatz des Mittels im anliegenden Krugpark informiert worden“, sagt eine Vertreterin des VHS-Bildungwerks, des Betreibers der Kindertagesstätte. Viele Eltern sind immer noch entrüstet. „Ich wäre gerne früher über den Einsatz des Mittels in Nähe der Kita informiert worden. Dann hätte ich meinen Sohn anschließend direkt unter die Dusche gestellt“, sagt eine Mutter.

Viele der Mütter und Väter haben von dem Einsatz des Insektizids erst später erfahren. Sie stellen sich aber schützend vor die Kita, deren Leitung offenbar selbst nichts wusste. Alle hoffen nun, dass ihre Kinder keine Schäden davontragen. „Man sollte diesen Vorfall nicht dramatisieren, schließlich ist keinem der Kinder etwas passiert“, sagt eine Mutter. Tatsächlich verweisen das Agrarministerium, das die Helikopter-Pläne erarbeitet hatte, sowie die Stadt Brandenburg auf die zuständige Forstverwaltung.

Stichproben zeigen Ergebnisse in den nächsten drei Wochen

Nach Aussage des Landesforstbetriebs war das Gelände des Krugparks zu den betroffenen Zeiten abgesperrt gewesen. Die Kita lag nicht auf dem zu besprühenden Gebiet. Wenn sie getroffen worden sei, dann nur vom Abtrieb, heißt es in einer Stellungnahme an das Ministerium. Dieses versucht zu beruhigen. Das Mittel sei nicht gefährlich.

„In der Vergangenheit sind immer wieder Personen mit Dipel ES in Kontakt gekommen, ohne dass es zu gesundheitlichen Problemen kam – ganz im Unterschied zum Kontakt mit den Brennhaaren der Raupe, die erhebliche allergische Reaktionen auslösen können“, sagt Jens-Uwe Schade, der Sprecher des Ministeriums. Allerdings räumt er Kommunikationsschwächen ein. Künftig müsse die Bevölkerung vor dem Einsatz des Mittels besser informiert werden. „Bis auf einen kleinen Zettel gab es keinerlei Hinweise für die Bevölkerung“, kritisiert ein Anwohner nahe dem Krugpark.

Ob die großflächige Aktion gegen den Eichenprozessionsspinner Wirkung entfaltet hat, wird sich innerhalb der nächsten drei Wochen zeigen. In Stichproben muss überprüft werden, ob die Bäume frei von den Schädlingen sind. Bei dem Mittel Dippel ES handelt es sich um ein Insektizid, das, mit Wasser verdünnt, oberhalb der Eichenkrone versprüht wird.

Andere Strategie in Berlin

Es legt sich dann wie ein Film um die Blätter und zerstört den Darm der Raupen, sobald diese die Blätter fressen. Bei großen zusammenhängenden Flächen wird das Mittel aus Hubschraubern versprüht. Vom Boden kann abgesaugt werden, das wird auch in besiedelten Gebieten so gemacht.

Der Umweltverband Nabu steht dem Einsatz des Insektizids kritisch gegenüber. „Wenn man die Raupen in so einer Aktion zerstört, bilden sich auch keine natürlichen Gegenspieler mehr. Kommt es dann erneut zur Überpopulation, fehlt der natürliche Feind der Raupen, so Heidrun Schöning vom Nabu Brandenburg.

Berlin hat sich gegen das Mittel Dipel ES entschieden. In Berlin wird ein Biozid mit dem Wirkstoff „Margosa-Extrakt“ eingesetzt. Gewonnen wird das Fraßgift laut Senatsgesundheitsverwaltung aus dem Neembaum, der in tropischen und subtropischen Ländern wächst.

Erstmals präventiver Einsatz gegen die Raupen

„Unser Hauptanliegen ist es, die Bevölkerung vor dem Eichenprozessionsspinner zu schützen. Und für Menschen ist dieses Mittel am verträglichsten. In Brandenburg ist die Lage anders. Dort müssen zudem aus Pflanzenschutzgründen die bereits stark angefressenen Bäume behandelt werden“, sagt Franciska Obermeyer, Sprecherin der Senatsgesundheitsverwaltung.

Ihre Verwaltung hat die Federführung bei der Berliner Strategie, wie die Population der Eichenprozessionsspinner bekämpft wird. Jeweils 100.000 Euro haben die Senatsverwaltungen für Finanzen, Umwelt und Gesundheit den Bezirken in diesem Jahr für die vorbeugende Bekämpfung zur Verfügung gestellt.

In den Vorjahren hatten die Bezirke den Befall der Bäume ausschließlich mechanisch bekämpft, durch Absaugen der Nester oder sogar durch Verbrennen, was aber Kritik auslöste. Dieses Jahr hat Berlin erstmals eine präventive Strategie gefahren, indem gesprüht wurde, bevor die Raupen des Eichenprozessionsspinners ihre Härchen ausgebildet haben.

In Spandau und in Steglitz-Zehlendorf wurde präventiv gegen den Eichenprozessionsspinner gesprüht. „Aber nicht großflächig wie in Brandenburg, sondern jeder Einsatzort, etwa Eichen in der Nähe von Schulen oder Kitas sowie an Bushaltestellen wurde einzeln behandelt“, erläutert die Sprecherin. Erste Stichproben in Steglitz-Zehlendorf hätten gezeigt, dass das Mittel gut wirkt. Die Eichen an der Clayallee, an der Potsdamer Chaussee und auch auf dem Bergfriedhof seien nicht mehr befallen.