Pfingsten beschert wieder ein langes Wochenende. Und der Veranstaltungskalender ist auch in Berlin groß. So steht Kreuzberg bis Pfingstmontag wieder ganz im Zeichen des Karnevals der Kulturen. Bis dahin finden auch noch die Neuköllner Maientage statt und der Bürgerpark Pankow wandelt sich zur Musikbühne für den „5. Jazz im Park“. Am Pfingstsonntag beginnt mittags das „42. Oleander Rennen“ auf der Galopprennbahn Hoppegarten. Und schon an der Stadtgrenze fängt in Berlin der Kurzurlaub an. In kaum einer anderen Großstadt liegt das Grüne so nahe wie in Berlin. Da bietet sich ein Ausflug an den Pfingsttagen geradezu an. Sei es nach Bad Saarow oder ins idyllische Buckow in der Märkischen Schweiz, nach Rheinsberg, in den Spreewald oder in den Hohen Fläming mit seinen Burgen. Kurztrips in die Wälder oder an die Seen Brandenburgs, die Schlösser nicht zu vergessen. Wir empfehlen ausgewählte Gegenden, in denen sich die Feiertage genießen lassen, in denen sich die vielfältige Landschaft Brandenburg erkunden lässt, ob zu Lande oder zu Wasser.
Kanutouren und ein Schloss für Verliebte
Die Einen sagen, der junge Friedrich – als er noch nicht der Große König, sondern „nur“ Kronprinz war –, habe hier von 1736 bis 1740 seine glücklichsten Jahre erlebt, als er in Ruhe musizieren und studieren konnte und Briefe an Voltaire schrieb. Die Anderen erkennen den Übergang vom Rokoko zum frühen Klassizismus. Die Rede ist vom Schloss Rheinsberg in Ostprignitz-Ruppin. Den gelb leuchtenden Bau ließ der Preußenkönig ganz nach seinen Vorstellungen ausbauen und erweitern.
Es soll zudem Menschen geben, die das 8700 Einwohner umfassende Kleinstädtchen nur aus der Literatur kennen: sei es aus Kurt Tucholskys Klassiker „Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte“ oder aus Tom Wolfs Preußenkrimi „Muskatbraun“. Das sollte man ändern. Rheinsberg ist eine Reise wert, siehe nur das Schloss, in dem Kunstwerke das Lebensgefühl der einstigen königlichen Besitzer vermitteln. Im Kavalierhaus hat die Musikakademie Rheinsberg ihren Sitz. Außerdem lohnen Besuche der Keramikmanufakturen und in der „Eiszauberei“, der kleinsten Eisfabrik der Welt – die, hier schließt sich der Kreis wieder, in der Kurt-Tucholsky-Straße ansässig ist. Rheinsberg liegt am Südrand der Kleinmecklenburger Seenplatte inmitten von großen und kleinen Seen. Bootstouren werden angeboten – und Kanus am Flüsschen Rhin verliehen.
Anreise: Rheinsberg liegt rund 90 Kilometer nördlich von Berlin. Erreichbar über die B96 oder über die A24.
Übernachten: Hotel Seehof, Seestraße 18, 16831 Rheinsberg, Tel. 033931/40 30, Doppelzimmer 110 Euro, oder Hotel und Gasthof Boltenmühle, 16818 Gühlen-Glienicke, Tel. 033929/705 00, Doppelzimmer 99 Euro
Mit dem Fährmann durch den Spreewald
Dieses Pfingsten gehört den Kahnfährmännern vom Spreewald. Sie feiern den 100. Geburtstag des Spreehafens Burg. Und das gleich zwei Tage lang. So wird der Spreehafen auch am Pfingstsonntag zum Festareal. Von 11 bis 15 Uhr wird zum Frühschoppen mit Blasmusik gebeten. Abends ist auf dem Festplatz am Bismarckturm die Band Münchner Freiheit zu erleben (19 Uhr), Tickets kosten 30 Euro. Dazwischen kann man sich die Zeit mit den beliebten Kahnfahrten durch die lagunenartige und von rostfarbenem Schlamm noch weitgehend freie Flusslandschaft mit ihren insgesamt 970 Wasserwege-Kilometern vertreiben.
Eigentlich ist jedes Wort, mit dem der Spreewald üblicherweise beschrieben wird, kitschig: malerisch, pittoresk, märchenhaft, verwunschen. Alles irgendwie auch wahr, wird aber diesem Landstrich nicht gerecht. Denn Spreewälder sind nicht kitschig. Sie sind ruhig. Der Spreewälder ist sozusagen der „Norweger Deutschlands“. Das Museumsdorf Lehde ist ein Ziel für all jene, die den Spreewald verstehen wollen. Es ist das ursprünglichste Dorf, Teile sind bis heute nur übers Wasser zu erreichen. Gemeinhin geht der Spreewald dem Berliner durch den Magen – was nicht an den Kahnfahrten liegt. Denn die Region ist Großexporteur für Gurken. Die jährliche Ernte beträgt geschätzt 40.000 Tonnen. Außerdem wird seit 2004 in Schlepzig der Sloupisti gebrannt, Ostdeutschlands erster Whisky.
Anreise: Lübbenau liegt 100 Kilometer südlich von Berlin. Erreichbar über die A100, A113 und A13 (Richtg. Dresden).
Übernachten: Schloss Lübbenau, Schlossbezirk 6, 03222 Lübbenau, Tel. 03542/87 30, Zimmer ab 120 Euro. Oder: Bio-Hotel Kolonieschänke, Ringchaussee 136, 03096 Burg, Tel. 035603/68 50, Zimmer ab 55 Euro
Bad Saarow: Ruhepol am Scharmützelsee
Klein und fein geht es in Bad Saarow am Scharmützelsee zu. 1906 als Landhauskolonie in Auftrag gegeben, tummelte sich hier in den Zwanziger Jahren die Prominenz: Boxerlegende Max Schmeling besaß ein Wochenendhaus, Maxim Gorki kam zur Kur, Egon Erwin Kisch besuchte Gorki, und Winston Churchill spielte Golf. Zu DDR-Zeiten erholten sich die Werktätigen – und auch heute noch lässt sich in Bad Saarow prima Ruhe finden. Aber natürlich gibt es auch Golfplatz, Seebad, Theater am See und die große Therme. Die beiden Markgrafensteine in den nahen Rauener Bergen sind die größten Findlinge Brandenburgs. Der Größere von beiden musste schon Stein lassen – die Abspaltung wurde 1827 nach Berlin geschafft und zur Granitschale modelliert, die vor dem Alten Museum in Mitte steht.
Anreise: Bad Saarow liegt 70 Kilometer südöstlich von Berlin. Erreichbar über die A112 (Richtung Frankfurt) und L35.
Übernachten: Hotel Esplanade, Seestraße 49, 15526 Bad Saarow, Tel. 033631/43 20, Zimmerpreis pro Person ab 70 Euro
Entspannen in der Märkischen Schweiz
Buchen, Buchen, Buchen – die Bäume gaben dem Dorf Buckow am Schermützelsee den Namen. Ein Ort, in dem die Lunge auf Samt geht, wie der Leibarzt von Friedrich Wilhelm IV. 1854 zu Ihrer Majestät gesagt haben soll. Ein Ort, an dem Fledermäusen ein Museum gewidmet ist und wo es in der Bergschäferei keine Schafe, sondern Obst und Saft zu kaufen gibt. Darüber hinaus ein Kneipp-Kurort mit Kultur. Es gibt Galerien, das „Theater untendrunter“ mit Seebühne und das Brecht-Weigel-Haus. Das nahe gelegene Schloss Neuhardenberg ist berühmt wegen des von Peter Joseph Lenné und Fürst Pückler-Muskau gestalteten Landschaftsparks. Und die „Scherri“ ist eines der wenigen Motorboote, die auf dem See fahren dürfen. 1879 lief sie vom Stapel, auf dem Schermützelsee ist sie seit 1992 eine Institution.
Anreise: Buckow liegt 55 Kilometer östlich von Berlin. Erreichbar über die B1 (Frankfurt/O., Strausberg).
Übernachten: Strandhotel Buckow, Wriezener Straße 27/28, 15377 Buckow, Tel. 033433-279, Einzelzimmer 45 Euro, Doppelzimmer 75 Euro
Der Hohe Fläming und seine Burgen
Der Naturpark Hoher Fläming ist das drittgößte Großschutzgebiet in Brandenburg. Rund 27.000 Menschen leben im Naturpark, zu dessen Attraktionen seine Burgen gehören. Vor allem Burg Rabenstein, bekannt durch mittelalterliche Marktfeste und Ritterspiele. Und die Falken von Burg Rabenstein sind heute internationale Berühmtheiten. Direkt in Bad Belzig thront die Burg Eisenhardt. Und zwischen Bad Belzig und Rabenstein liegt Schloss Wiesenburg. Die drei alten Herrensitze liegen am 153 Kilometer langen Burgenwanderweg durch den Hohen Fläming. Man kann die drei Burgen in einer kürzeren Südrunde erlaufen. Und etwa sechs Kilometer von Bad Belzig entfernt findet sich eine ganz andere Attraktion: der „Mittelpunkt der DDR“, markiert durch einen dreieinhalb Tonnen schweren Findling mitten im Wald.
Anreise: Belzig liegt etwa 80 Kilometer südwestlich von Berlin, zwischen den Autobahnen A9 und A2.
Übernachten: Familienhotel Brandtsheide, Bahnhofsallee 8C, 14827 Wiesenburg/Mark, Tel. 03349/79 60, Doppelzimmer ab 34 Euro pro Person
Schorfheide: Dem Alpaka auf der Spur
Es gibt 65.000 Hektar Wald in der Schorfheide. Was auffällt, sind die Alpakas. Sie sind eine Attraktion – Besucher dürfen die Neue-Welt-Kamele eigenhändig im Dörfchen Serwest spazieren führen. Außer dem Alpaka-Hof gibt es einen Wildpark mit Wölfen, Luchsen und Wisenten und den Zoo in Eberswalde. Die Einrichtung ist Pflicht für all jene, denen Berliner Zoo und Tierpark zu voll oder zu groß sind. Doch die Schorfheide hat auch eine lange Jagdtradition und entsprechend viele Denkmäler sowie das Jagdschloss Groß Schönebeck von 1680. Außerdem kann man ab 11 Uhr in Joachimsthal vom 24 Meter hohen Biorama-Wasserturm in die Weite blicken oder in Brodowin das Ökodorf mit Hofladen (ab 10 Uhr) besuchen.
Anreise: Die Schorfheide liegt 65 Kilometer nordöstlich von Berlin. Erreichbar über die A11 (Prenzlau/Stettin, Joachimsthal), B198 und B2 Richtung Eberswalde.
Übernachten: Hotel Döllnsee, OT Groß Dölln, Döllnkrug 2, 17268 Templin, Tel. 039882/630, Doppelzimmer zu Pfingsten ab 112 Euro
Mühlentag: Eine Reise durch die Geschichte
Immer noch gibt es im Umland zahlreiche historische Mühlen, wenn sie auch meistens nicht mehr in Betrieb sind. Zum Leben erwachen sie einmal im Jahr, am Pfingstmontag. Beim „20. Deutschen Mühlentag“ können alleine in Brandenburg 75 Mühlen besichtigt werden. Beispielsweise im Elbe-Elster-Kreis die Mühle Wahrenbrück, eine ehemalige Wassermühle, die erstmals um 1250 urkundlich erwähnt wurde. Ab 11 Uhr stehen Frühschoppen, Musik, Führungen und Handwerksmarkt auf dem Programm. Eine gute Adresse ist die Schwerzkoer Mühle im Landkreis Oder-Spree. Diese restaurierte Wassermühle im Naturpark Schlaubetal, durch den auch der Mühlenwanderweg führt und deren Besuch man mit einem Stopp im Kloster Neuzelle verbinden kann, lädt ab 11 Uhr zu Führungen und zum Schausägen.
Eine Pfingstausflugstour zu den Mühlen Brandenburgs lohnt sich. Der Besuch einer historischen Mühle bedeutet auch immer einen Spaziergang in die Vergangenheit und vermittelt neben Technik- auch Kulturgeschichte. Noch Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in der damaligen Provinz Brandenburg 1141 Getreide-Wassermühlen und 2198 Getreide-Bockwindmühlen. Im Havelland lädt die Bockwindmühle Paretz von 1872 ab 12 Uhr zu Führungen, Musik und frischgebackenem Kuchen (www.muehle-paretz.de), und die Bockwindmühle Ketzür bietet Führungen, Pizza- und Brotbacken sowie Unterhaltungsprogramm von 11 bis 17 Uhr (www.bockwindmuehle-ketzuer.de). Ein Familienfest mit Führungen, Brotbacken und Pferd beschlagen steht von 10–17 Uhr rund um die Klostermühle Boitzenburg in der Uckermark auf dem Pfingst-Programm (klostermuehle-boitzenburg.de).
Anreise: Die Mühle Wahrenbrück liegt etwa 130 Kilometer südlich von Berlin, erreichbar über die B101.
Informationen zum Mühlentag und teilnehmenden Mühlen unter: www.muehlen-in-brandenburg.de




