Im Saal des Arcona-Hotels am Havelufer sollen Potsdamerinnen und Potsdamer für ihre Verdienste um ein vereinigtes Europa ausgezeichnet werden. Hundert Gäste sitzen auf ihren Plätzen, unter ihnen der polnische Botschafter in Deutschland, Jerzy Marganski. Nur einer fehlt: Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke), der die Urkunden übergeben will.

„Der Minister verspätet sich leider“, entschuldigt ihn der Moderator. „Er steht immer noch im Stau.“ Alle gucken verständnisvoll, manche sogar mitleidig. Denn wer in diesen Wochen in Potsdam mit dem Auto unterwegs ist, muss nicht nur einen großen Zeitpuffer einbauen, wenn er pünktlich an seinem Ziel ankommen will. Er muss auch die Nerven bewahren. Potsdam ist derzeit eine einzige Baustelle zu sein. Die Stadt ist dicht.

Teilweise müssen die Berufspendler, die morgens nach Potsdam wollen, bis zu einer Stunde mehr Zeit einplanen. Ob im Norden der Stadt aus Richtung Spandau, oder an der Humboldtbrücke aus Richtung Teltow und Kleinmachnow, oder an der Zeppelinstraße aus Richtung Werder/Havel – alles steht. An der Breiten Straße stehen sie auch. Einschränkungen müssen auch Radfahrer- und Fußgänger hinnehmen.

Oberbürgermeister Jakobs bittet Potsdamer um Verständnis

Die Situation ist so nervig, dass sich Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) bereits an die Bürger gewandt hat. In seiner wöchentlichen Rathaus-Kolumne schreibt er: „Wer sich in diesen Tagen mit dem Auto durch die Landeshauptstadt bewegt, hat so manches zu erdulden. An einigen Stellen werden die Straßen aufgerissen. Die Brücken sind im Berufsverkehr verstopft. Sprich: Die Geduld vieler Autofahrer wird auf die Probe gestellt. Ich kann Ihnen nur sagen: Ich kenne die Situation gut, da ich fast jeden Tag durch die Stadt fahre, und kann Sie nur um Ihr Verständnis bitten.“

Der Oberbürgermeister stellt auch die Frage, die sich alle stellen: „Warum alles zur selben Zeit? Es habe damit zu tun, „dass wir Landesmittel für die Humboldtbrücke beispielsweise jetzt nutzen mussten und auch die Arbeiten an der Breiten und der Friedrich-Ebert-Straße anstanden“.

Jakobs verweist darauf, dass alles unternommen worden sei, um ein wirksames Baustellenmanagement auf die Beine zu stellen. An fast allen Baustellen habe es wegen des langen Winters Probleme beim Bau und dadurch zeitliche Verschiebungen gegeben. Um die Behinderungen im Hauptverkehrsnetz in Grenzen zu halten, seien eine Vielzahl von Ampelprogrammen angepasst worden.

CDU wirft Stadtverwaltung schlechtes Baustellenmanagement vor

Viele Bürger überzeugt das nicht. Auch Potsdams CDU-Chefin Katherina Reiche wirft der Stadtverwaltung ein desolates Baustellenmanagement vor. Potsdams SPD-Chef Mike Schubert hält die Kritik für populistisch. „Wenn wir bei unseren Projekten vorwärts kommen wollen, müssen wir eine solche Situation eine Zeit lang hinnehmen.“ Keiner habe bislang mit Alternativen überzeugen können.

Die Linke hatte in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung einen Antrag eingebracht, auf der massiv betroffenen Breiten Straße „grüne Welle“ zu schalten. Er fand keine Mehrheit. Schubert: „Das ist doch Unsinn, eine grüne Welle zu fordern, wenn alles steht.“

Einige der größten Staufallen in Potsdam:

In der stark befahrenen Breiten Straße zwischen Dortustraße und Schopenhauerstraße stehen – mit Ausnahme der Sommerferien – zwei Fahrspuren pro Richtung zur Verfügung, es gilt Tempo 30. Wo bisher Fußgänger und Radfahrer auf 9,31 Meter und gegenüber auf 6,35 Meter miteinander auskommen müssen, sollen nach dem Umbau 11,63 Meter und 7,53 Meter zur Verfügung stehen – jeweils mit einem neuen Radweg versehen. Dafür fällt der Mittelstreifen weg und es wird die nördliche Rechtsabbiegespur verkürzt. Die Verengung der Straße ist auch wegen des Fundamentes der Garnisonkirche notwendig, die wieder aufgebaut werden soll. Noch bis Herbst sollen an der Breiten Straße mehr als 40 Linden nach historischem Vorbild gepflanzt werden.

1) Auf der Nuthestraße sind an der Humboldtbrücke am Knoten Berliner Straße die Fahrbahnen wegen Erneuerungsarbeiten stadteinwärts gesperrt. Der Verkehr wird auf die Gegenfahrbahn verschwenkt. Richtung Behlertstraße stehen weiterhin zwei Geradeausspuren zur Verfügung. Der linksabbiegende Verkehr in Richtung Innenstadt wird allerdings auf eine Fahrspur reduziert. Die Arbeiten sind bis mindestens August geplant.

2) Für Straßen- und Leitungsbauarbeiten sind die Heinrich-Mann-Allee und der Horstweg halbseitig gesperrt. Die Arbeiten werden voraussichtlich bis Anfang Juni dauern. Der Horstweg ist in beide Richtungen befahrbar, es staut sich trotzdem regelmäßig.

3) Für die Erschließung des Campus Jungfernsee werden an der Nedlitzer Straße Straßenbauarbeiten zwischen Viereckremise und Amundsenstraße durchgeführt. Der Verkehr stadteinwärts wird bis Ende Mai über die Amundsenstraße und Am Golfplatz umgeleitet.

4) In der Geschwister-Scholl-Straße werden die Trinkwasserleitungen bis Ende Juni ausgewechselt. Dafür muss zwischen Kastanienallee und Am Neuen Palais der Verkehr über die Zeppelinstraße/Forststraße umgeleitet werden.

5) Zur Verbesserung der Haltestellensituation am Rathaus und eines behindertengerechten Ein- und Ausstiegs wird in der Friedrich-Ebert-Straße zwischen Hegelallee/Kurfürstenstraße und Reiterweg/Alleestraße bis 2014 gebaut. Die Friedrich-Ebert-Straße ist aus Richtung Nauener Tor nur für Anlieger passierbar.

6) Richtung Luisenplatz ist die Charlottenstraße wieder für den Verkehr geöffnet. An der Kreuzung Charlottenstraße/Dortustraße laufen nun Straßeninstandhaltungsarbeiten. Dafür wird der Verkehr Richtung Wilhelmgalerie über Dortustraße und Yorkstraße umgeleitet.

7) In der Reiherbergstraße zwischen Falknerstraße und Karl-Liebknecht-Straße erfolgen Straßen- und Leitungsbauarbeiten. Hierzu ist die Reiherbergstraße bis Ende Mai 2013 vollgesperrt. Die Umleitung erfolgt über die Karl-Liebknecht-Straße.

8) Wegen Leitungs- und Straßenbauarbeiten ist die Seepromenade zwischen Bergstraße und Ernst-Thälmann-Straße derzeit voll gesperrt – voraussichtlich bis Mitte 2013.

9) Um einen Gasanschluss zu trennen, muss der Verkehr in der Pappelallee bis 20. Mai über den Reiherweg umgeleitet werden.