Metalldiebe verursachen in Brandenburg immer größere Schäden. Wie das Polizeipräsidium mitteilte, lag die Schadenssumme im ersten Halbjahr 2012 bei 3,22 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es noch rund 2,6 Millionen Euro. Insgesamt registrierte die Polizei in diesem Sektor eine steigende Tendenz: Während 2009 noch 1,54 Millionen Euro Schäden verzeichnet wurden, waren es zwei Jahre später bereits insgesamt 6,21 Millionen Euro. Abgesehen hatten es die Diebe vor allem auf Buntmetall, Schrott, ganze Kabeltrommeln sowie Edelmetall.
Rohbauten und Bauhöfe ziehen Metalldiebe an
Insbesondere Rohbauten und leer stehende Wohn- und Gewerbebauten, Bauhöfe von Gemeinden sowie Straßenbaustellen ziehen Metalldiebe immer wieder an. Die Palette der Beutestücke erstreckt sich von Starkstromkabeln über Eisenplatten, Armierungsstahl bis hin zu Heizkörpern. Dachrinnen aus Kupfer stehen bei den Tätern besonders hoch im Kurs, obwohl die Kupferpreise zuletzt deutlich rückläufig waren.
Ein typisches Beispiel ist der versuchte Diebstahl, bei dem ein 32-Jähriger Mitte Dezember im Landkreis Barnim festgenommen wurde. Der Mann war von einem Passanten in Schönow beobachtet worden, wie er sich an der rückwärtigen Fassade eines Supermarktes zu schaffen machte. Nach Polizeiangaben wollte der Mann Kupferfallrohre und Teile des Daches und Buntmetall stehlen. Die alarmierten Beamten konnten den 32-Jährigen jedoch stellen und festnehmen.
In der Uckermark hatten Metalldiebe Anfang Dezember sogar zwei mehrere Hundert Kilogramm schwere Baggerschaufeln aus Stahl von einer Baustelle bei Lychen abtransportiert.
In Bernau (Barnim) entwendeten Buntmetalldiebe kürzlich in einer Nacht die aus Kupfer bestehende Verkleidung einer Lüftungsanlage sowie Kupferrohre mit einem Gesamtgewicht von 1500 Kilogramm.
Selbst an Brandenburger Kirchen wurden schon mehrfach Fallrohre von Metalldieben demontiert, auf Friedhöfen verschwanden bereits Bronzefiguren sowie Inschriften aus Buntmetall von Grabsteinen.
Am häufigsten schlugen die Täter in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mit 148 registrierten Diebstählen im Kreis Elbe-Elster zu, gefolgt von Spree-Neiße mit 105 Taten. Allerdings meldet die Polizei auch Erfolge im Kampf gegen die Metalldiebe: Von rund 1220 erfassten Diebstählen konnten im ersten Halbjahr 2012 rund 420 Fälle aufgeklärt werden. Im Vorjahreszeitraum waren es bei 1074 Fällen von Buntmetall nur 225. Die Aufklärungsquote in diesem Deliktfeld stieg somit binnen Jahresfrist deutlich von 20,9 auf nun 34,3 Prozent an.
Bahn meldet rückläufige Metalldiebstahlzahlen
Dagegen gingen die Metalldiebstähle bei der Bahn in Brandenburg um 25 Prozent zurück. Von Januar bis November 2012 wurden bei der Bundespolizei 916 Übergriffe registriert. Im Jahr 2011 waren bereits bis Ende August 937 Fälle von Metalldiebstahl gemeldet worden, bis Ende November waren es sogar 1213 Diebstähle gewesen. Bereits zur Jahresmitte hatte die Bundespolizei einen Rückgang von rund 30 Prozent verzeichnet. Bundespolizei-Sprecher Meik Gauer führt das nicht zuletzt auf intensivere Kontrollen und auf Gespräche mit Schrott- und Altmetallhändlern zurück. Der zuletzt rückläufige Preis für Kupfer sei nur ein untergeordneter von mehreren Gründen. Die Bundespolizei gehe verstärkt mit offenen und verdeckten Maßnahmen vor. Zivile Ermittler, der Einsatz von Wärmebildkameras und Nachtsichtgeräten und die enge Kooperation mit der Deutschen Bahn zeige Wirkung, fasst der Polizeisprecher zusammen.
Außerdem sichere die Deutsche Bahn ihre Anlagen immer mehr mit künstlicher DNA. Dabei handelt es sich um eine dunkle Markierungsflüssigkeit, die auf Gegenstände aufgebracht werden kann. Die ausgehärtete Markierungssubstanz ist mit bloßem Auge kaum wahrnehmbar, fluoresziert aber, wenn sie mit UV-Licht beleuchtet wird. „Diebe werden ihr Buntmetall, das eindeutig der Bahn zuzuordnen ist, nicht mehr so leicht los“, betonte Gauer. Für die kommenden Monate erwartet die Bundespolizei eine weiter fallende Tendenz. Dazu würden neben der ungünstigen Witterung auch deutlich weniger Reparaturarbeiten entlang der Bahnstrecken beitragen.
Osteuropäer wollten eine Tonne Kabel stehlen
In Berlin konnten im August dieses Jahres gleich neun Osteuropäer festgenommen werden, die an einer S-Bahnbaustelle in Charlottenburg mehr als eine Tonne Kupferkabel gestohlen hatten. Zivilbeamte hatten die Täter beim Verladen der Beute beobachtet und die drei Fluchtfahrzeuge der Bande auf der Stadtautobahn gestoppt. Ein Jahr zuvor hatten Kabeldiebe im Südosten Berlins den stundenlangen Ausfall von fünf S-Bahnlinien verursacht, weil sie Signal- und Weichentechnik zerstört hatten.
Dagegen greift derzeit der Diebstahl von Solarmodulen weiter um sich. Betroffen sind vor allem Solarparks und andere gewerblich genutzte Objekte, so das Polizeipräsidium Potsdam. So wurde etwa am 20. Dezember in Neuenhagen (Märkisch-Oderland) entdeckt, dass Unbekannte auf das Gelände eines Solarparks an der Altlandsberger Straße eingedrungen waren und zahlreiche Module demontiert hatten. Erst am Freitag vergangener Woche mussten Polizeibeamte in Oranienburg (Oberhavel) feststellen, dass die Umzäunung eines Solarparks in der Flugpionierstraße aufgeschnitten wurde. Die Polizei vermutet, dass ein Diebstahl von Solarmodulen geplant war und die Täter gestört wurden und deshalb aufgaben. Allein bis Ende Juni 2012 hatten Diebe so oft zugelangt, dass 75 Prozent der Fälle von 2011 erreicht waren. Als Reaktion darauf hat die Polizei die „Sonderkommission Sonne“ eingesetzt, die effektiver gegen dieses Kriminalitätsphänomen vorgehen soll.
dpa


