Fall Storkow

185 Hinweise im Fall des entführten Managers

Polizisten suchten in Storkow weiter nach Spuren des Entführers – ohne Erfolg. Die Tatwaffe wurde auch bei den Pepper-Anschlägen verwendet.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Die Brandenburger Polizei lässt bei der Suche nach dem Entführer des Berliner Investmentmanagers Stefan T. nicht locker: Auch am Freitag waren wieder Bereitschaftspolizisten in einer Bungalow-Siedlung zwischen Storkow und Wendisch Rietz im Einsatz, um nach dem Täter zu suchen – bis Redaktionsschluss aber ohne Erfolg. Seit Bekanntwerden der gescheiterten Entführung am vergangenen Sonntag – das Opfer konnte flüchten – sind 185 Hinweise bei den Ermittlungsbehörden eingegangen. Eine heiße Spur hat sich daraus bislang nicht ergeben.

Ein Sprecher dementierte indes, dass bei den zuständigen Stellen über einen sogenannten „Massen-DNA-Test“ nachgedacht werde. „Das ist die absolut letzte Option“, so Mario Heinemann vom Polizeipräsidium Potsdam. „Eine solche Aktion ist derzeit weder für die Polizei noch für die Staatsanwaltschaft ein Thema. Wir haben viele Hinweise erhalten, die wir zunächst überprüfen müssen.“

Die Familie von Stefan T. ist nach einem Kurzurlaub wieder nach Deutschland zurückgekehrt, spezialisierte Beamte des Berliner Landeskriminalamtes sind jetzt für den Schutz der in Gefahr schwebenden Familie zuständig. Einzelheiten wurden im Hinblick auf die laufenden Ermittlungen und auch aus taktischen Gründen nicht gemacht.

Bei den Brandenburger Kollegen schwinden angesichts der verstrichenen Zeit die Hoffnungen, den gesuchten Entführer noch in den Wald-, See- und Sumpfgebieten aufspüren zu können. Anfangs hatte es schon die Vermutung gegeben, dass er sich in einem selbstgebauten Unterschlupf oder einer alten Bunkeranlage aufhalten könnte. Auch ein Lager auf einer der kleinen Schilfinseln wurde nicht ausgeschlossen, weil der Unbekannte sein Opfer auf eine solche verschleppt hatte. Die kalte Witterung der vergangenen Tage lasse aber nur den Schluss zu, dass sich der Täter entweder abgesetzt oder sich in sein normales Leben zurückgezogen hat und die Aktivitäten der Polizeibeamten beobachtet.

Spuren nicht erdrückend

Denn auch der Täter müsse wissen, dass die Spurenlage für ihn im Moment noch nicht erdrückend sei. Zwar wurde ein Kajak im Schilf entdeckt, mit dem der Geschäftsmann offenbar entführt worden war. Aber auch nach der Veröffentlichung von Fotos hat sich niemand bei der Polizei gemeldet, der Angaben zu dem Gefährt machen könnte. DNA-Spuren wurden gesichert, die Auswertung brachte bislang aber keine Erkenntnisse.

Als so gut wie sicher steht einem Ermittler zufolge fest, dass der jetzt Gesuchte auch für die Anschläge auf die Familie Pepper aus Bad Saarow in Betracht kommt, bei denen ein Unbekannter auf die Tochter des Geschäftsmannes gezielt und ihren Bodyguard durch Schüsse schwer verletzt hatte. Bei einer anderen Attacke war die Frau des Mannes durch Schläge verletzt worden. Es gibt eine Übereinstimmung bei der verwendeten Munition, demnach ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in beiden Taten die gleiche tschechische Waffe vom Typ Ceska benutzt worden.

Im Hinblick auf eine Festnahme gehen bei der Polizei Hoffnungen und Sorgen gleichermaßen einher. „Wir gehen davon aus, dass der Täter über militärische Kenntnisse verfügt“, so ein Kriminalbeamter. Die Einschätzungen gingen demnach so weit, dass sich dieser Mann nicht festnehmen lassen wolle und deswegen sofort ohne Skrupel von der Waffe Gebrauch machen werde. In seiner Wohnung oder seinem Haus müsse ebenfalls damit gerechnet werden, dass „sich der Mann vorbereitet“ haben könnte. Das Spezialeinsatzkommando (SEK) sei deshalb aus diesem Ermittlungskomplex nicht wegzudenken.

Die Elite-Polizisten hatten bereits die für das Aufspüren von Menschen ausgebildeten Mantrailer-Hunde und die sie führenden Beamten begleitet, weil sie bei ihrer Arbeit in Lebensgefahr geschwebt hatten. Größer als diese Sorgen um die Kollegen im Einsatz ist dem Beamten zufolge jedoch die um die unbewaffneten Bürger, wenn der Täter nicht ermittelt werden kann: „Wir müssen leider davon ausgehen, dass er dann nach einer Zeit des Abwartens ein neues Opfer ausspäht und den neuerlichen Versuch einer Entführung wagen wird“, so ein Ermittler.