Kriminalität

Soko „Grenze“ jagt mit Erfolg Autodiebe

Die Brandenburger Soko „Grenze” arbeitet eng mit den Kollegen im Osten zusammen. Und das immer erfolgreicher.

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Die Erfolgsmeldung Ende Juli sprach erst einmal für sich: Das Brandenburger Landeskriminalamt hat in Kooperation mit der Staatsanwaltschaft Warschau und der polnischen Polizei einer polnischen Autoklauer-Bande das Handwerk gelegt. Mehr als 50 Diebstähle von Fahrzeugen in Berlin und Brandenburg soll diese kriminelle Vereinigung verübt haben.

Die Brandenburger Polizei-Sonderkommission „Grenze“ hat dafür hart gearbeitet. Ihre Aufgabe ist vor allem die Bekämpfung des Autoklaus. „Wir haben die Bande ausfindig gemacht und unsere Erkenntnisse der polnischen Polizei übermittelt“, sagt Soko-Chef Jens Starigk. Auf dem sogenannten kleinen Dienstweg funktioniere die Zusammenarbeit mit den polnischen Kollegen schon länger. Im offiziellen Rahmen sei es komplizierter, weil alles über internationale Rechtshilfeabkommen laufen müsse.

Grenzüberschreitende Fahndung

„Die Polen informieren uns, wenn sie Täter ermittelt haben, die augenscheinlich auch in Deutschland agierten. Wenn es also Anhaltspunkte dafür gibt, dass Straftaten in beiden Ländern verübt wurden, eröffnen wir sogenannte Spiegelverfahren.“ So sei es auch bei dem aktuellen Fahndungserfolg gewesen. Die Ermittler nutzten das jeweilige Hintergrundwissen der anderen Seite, beispielsweise bei Vernehmungen, stellten diese erneut den Partnern im anderen Land zur Verfügung. Die Ergebnisse würden ebenfalls zusammengefügt und die Staatsanwaltschaften beider Länder involviert. „Die Ermittlungstätigkeit endet also längst nicht mehr an der Grenze“, sagt der Kriminalrat.

Noch leichter würde sich die grenzüberschreitende Arbeit der Fahnder allerdings über eine europäische Ermittlungsanordnung regeln lassen. Voraussetzung wäre jedoch eine Harmonisierung des Strafrechts beider Länder. Und die gibt es bisher nicht. „Dann nämlich könnten wir bei einem polnischen Tatverdächtigen beispielsweise eine Hausdurchsuchung machen lassen, auch ohne dass die polnischen Kollegen selbst etwas gegen ihn in der Hand hätten“, sagt Starigk.

In drei Stunden auseinandergenommen

Die 101 Spezialisten große Soko „Grenze“ erwischt bei ihren Kontrollen und verdeckten Ermittlungen meist nur die Hehler und Fahrzeugkuriere. „Die Hintermänner und Absatzmärkte befinden sich östlich der Grenze. Wollen wir eine Bande zerschlagen, müssen wir auch an diese Strukturen heran.“ Die bessere Kooperation mit den polnischen Behörden sieht Starigk als eine Ursache für die ersten Erfolge im Kampf gegen Autodiebstähle, die nach dem Wegfall der Grenzkontrollen Ende 2007 in Brandenburg rapide zugenommen hatten. Allein im vergangenen Jahr verschwanden in der Mark rund 4000 Wagen. Komplett werde sich der Fahrzeugklau nie verhindern lassen, solange es die Wohlstandsgrenze zwischen Deutschland und Polen gebe, glaubt er. „Der Autoklau ist ein einträgliches Geschäft, durch das Täter ihre ganze Familie ernähren.“

Inzwischen lassen sich nach Angaben des Soko-Chefs drei Tätergruppen im lukrativen Geschäft mit gestohlenen Wagen unterscheiden. In Brandenburg verschwinden am häufigsten Autos der Volkswagen-Gruppe – Golf, Skoda, Seat und Audi. „Die werden zerlegt und sind für den osteuropäischen Ersatzteilmarkt gedacht“, so der Chef-Ermittler. Binnen drei Stunden sei ein Auto von Profis komplett auseinandergenommen und auf Paletten verpackt. Praktiziert werde das vor allem von organisierten Banden aus Polen.

„Anteil deutscher Täter deutlich zugenommen“

Ebenfalls auf Ersatzteilbeschaffung spezialisiert sind inzwischen auch deutsche Gauner, die sich im Internet sogenannte Polenschlüssel und Überbrückungstools besorgen, um Autos binnen weniger Minuten zu entwenden. „Der Anteil der deutschen Täter hat deutlich zugenommen.“

Auch sie würden die geklauten Fahrzeuge aller gängigen Marken für den Weitertransport auseinandernehmen. „Hochwertige Wagen wie BMW X 5 oder Audi Q7 werden nicht in Einzelteile zerlegt, sondern frisiert und mit neuen, gefälschten Papieren möglichst komplett nach Osteuropa gebracht“, erzählt Starigk. Da sei Polen nur Transitland, die Autoschieberbanden würden federführend von Litauern gemanagt. „In den baltischen Staaten und Russland ist die Zulassung gestohlener Wagen einfacher. In Polen ist ein unabhängiger Gutachter zur Prüfung der Herkunft des Fahrzeugs vorgeschrieben“, so der Ermittler. Die meisten Autos verschwinden noch immer in den Brandenburger Grenzstädten, auch wenn die Fallzahlen in Schwedt oder Forst seinen Angaben nach leicht rückläufig sind und in Frankfurt zumindest stagnieren. „Hier müssen wir den Kontrolldruck hoch halten“, sagt der Soko-Chef. Das könne auch bedeuten, dass die Ermittler zeitweilig direkt an den Grenzübergängen stünden. Noch immer werde vor allem nachts gestohlen.

Diebstahl etabliert sich in Potsdam

Zusehends etabliere sich der Autoklau in Potsdam und Brandenburg/Havel. „Da müssen wir verstärkt Einsätze fahren, mit viel Personal von Unterstützungskräften.“ Die Erhöhung der Polizeipräsenz durch den Sondereinsatz von drei Polizeihundertschaften zu Jahresbeginn zahle sich aus, macht der Soko-Chef deutlich, dessen erklärtes Ziel es ist, dass sich Täter zunehmend unsicher fühlen. „In der Mark ist nachts an sich wenig los – jeder Scheinwerfer, der auftaucht, könnte zu einem Polizeifahrzeug gehören“, sagt er.