Wohnungsmarkt

In Potsdam wohnt man inzwischen teurer als in Berlin

Brandenburgs Hauptstadt wird immer beliebter – und teurer. Nun will Oberbürgermeister Jann Jakobs die Mieten kommunaler Wohnungen deckeln.

Foto: dpa-Zentralbild

Je knapper das Angebot, desto höher klettern die Preise. Wohnen in der zunehmend beliebten Hauptstadt Brandenburgs kann sich längst nicht mehr jeder leisten. Die Durchschnitts-Kaltmieten in Potsdam sind in den vergangenen sieben Jahren um rund 14,15 Prozent gestiegen – auf derzeit 8,29 Euro pro Quadratmeter. Das ergab jüngst eine Auswertung des Immobilienportals Immonet.de. Potsdam ist auf dem Mietsektor also inzwischen teurer als Berlin. Dort werden durchschnittlich 7,83 Euro für den Quadratmeter verlangt. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) will nun zumindest für die städtischen Potsdamer Wohnungen eine Mieterhöhungsbremse einziehen. Er hofft, dass auch die Wohnungsgenossenschaften nachziehen.

Zehn Prozent bei Neuvermietung

Jakobs greift damit einen Gegenvorschlag der SPD-Bundestagsfraktion zu den umstrittenen Mietrechts-Novellierungsplänen der Bundesregierung auf. Der Antrag hat im Bund keine Chance. Ab 1. Oktober soll aber wenigstens für die derzeit knapp 17.000 Wohnungen der kommunalen „Pro Potsdam“ gelten: Die Kappungsgrenze, wonach ein Vermieter innerhalb von drei Jahren die Miete um 20 Prozent erhöhen darf, wird auf 15 Prozent in einem Zeitraum von vier Jahren festgelegt. Das gleiche plant derzeit auch Berlin für die 270.000 städtischen Wohnungen.

Potsdam geht in einem aber noch weiter: Mieterhöhungen bei Wiedervermietungen werden künftig grundsätzlich auf maximal zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete im Mietspiegel begrenzt. Die umlagefähigen Kosten bei einer Modernisierung werden nur mit neun statt der rechtlich zulässigen elf Prozent auf die Miete umgelegt. Laut „Pro Potsdam“ beträgt die Durchschnittsmiete bei den städtischen Wohnungen im Neubau derzeit 6,71 Euro. Über 50 Prozent der Mieten lägen bei 5,50 Euro oder darunter.

„Ich habe die Pro Potsdam damit beauftragt, eine entsprechende Vorlage für die Stadtverordnetenversammlung im August zu erarbeiten“, sagte Jakobs. Alle werden mit dem Vorschlag nicht zufrieden sein: Die Fraktion „Die Andere“ plädiert sogar dafür, die Mieten kommunaler Wohnungen um 20 Prozent zu senken. Das lehnt Jakobs ab: „Dies würde Einnahmeverluste von rund 14 Millionen Euro im Jahr bedeuten.“ Die nun geplanten Mieterleichterungen kosten die städtische Gesellschaft Jakobs zufolge in den nächsten zehn Jahren rund 13,2 Millionen Euro. „Pro Potsdam“-Geschäftsführer Jörg-Michael Westphal kündigte am Freitag an, das Neubauprogramm trotzdem wie geplant fortzusetzen und bis 2019 rund 1000 weitere Wohnungen zu errichten.

Der Druck steigt

In dieser Woche wurde der Grundstein für ganz besondere 24 Wohnungen im Bornstedter Feld gelegt: Zusammen mit dem Verein Konvoi entsteht ein Projekt für generationsübergreifendes Wohnen. Nächste Woche soll in Babelsberg der Bau zweier Häuser mit 16 Wohnungen am Schlosspark starten. Weitere 78 Wohnungen für 13 Millionen Euro im kommenden Jahr und 193 Wohnungen im Jahr 2014 sind geplant. In diesem Jahr will die „Pro Potsdam“ 224 Wohnungen für mehr als 34 Millionen Euro bauen. „Wir bräuchten eigentlich 1000 neue Wohnungen pro Jahr“, so Jakobs. Das schaffe Potsdam nicht einmal zusammen mit den privaten Investoren.

Der Oberbürgermeister präsentierte die mietstabilisierenden Pläne am Freitag zusammen mit Potsdams SPD-Vorsitzender Mike Schubert und der SPD-Bundestagsabgeordneten Andrea Wicklein. Schubert zufolge wird sich die Situation auf dem Potsdamer Wohnungsmarkt wegen der weiter wachsenden Einwohnerzahl verschärfen. In der Landeshauptstadt stehen schon jetzt nur 1,4 Prozent der Wohnungen leer. Selbst die Plattenbauten sind fast alle vermietet.

„Nur 0,5 Prozent der kommunalen Wohnungen sind nicht belegt. Die Prognosen sehen ein Bevölkerungswachstum von derzeit 157.000 Einwohnern auf 187.000 bis zum Jahr 2030 vor. Der Druck auf den Markt wird weiter steigen“, sagte SPD-Chef Schubert. Dazu komme: Sozialer Wohnungsbau werde vom Bund und Land nicht mehr gefördert. Die Potsdamer SPD-Bundestagsabgeordnete Andrea Wicklein nennt das Vorgehen Potsdams vorbildlich. „Ich hoffe, dass andere Städte nachziehen“, sagte Wicklein. Der Mieterbund Brandenburg begrüßte die Pläne.

10.000 Wohnungen nötig

Nach Schätzungen des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen BBU werden in Potsdam in den nächsten acht Jahren rund 10.000 neue Wohnungen benötigt, davon etwa 7500 als Mietwohnungen. Derzeit halte die Zahl der Baufertigstellungen in Potsdam nicht mit dem Wachstum Schritt. „Setzt sich die Tendenz fort, dass pro Jahr nur rund 700 Wohnungen fertig werden, ist die Leerstandsreserve in etwa fünf Jahren aufgebraucht“, sagte BBU-Chefin Maren Kern.

„Es ist gut, dass die „Pro Potsdam“ sich hier zu ihrer sozialen Verantwortung bekennt.“ Notwendig seien deutlich mehr Hilfen von Bund und Land. Potsdam müsse außerdem die Baugenehmigungs-Verfahren beschleunigen.