Am 15. Mai will die erste Kammer für Handelssachen am Landgericht Potsdam die Klage des ehemaligen Stadtwerke-Chefs Peter Paffhausen gegen seinen früheren Arbeitgeber verhandeln. Dabei geht es um viel Geld: Der ehemalige Manager klagt gegen seine außerordentliche Kündigung durch die Stadtwerke-Tochter Energie und Wasser Potsdam GmbH (EWP). Er will eine Abfindung in Höhe von 1,4 Millionen Euro. Allerdings war der Termin schon mehrmals verschoben worden. Das könnte auch dieses Mal der Fall sein. Nach Auskunft von Oberstaatsanwalt Helmuth Lange dauern die Ermittlungen gegen Paffhausen wegen Untreue noch an.
Die Aufsichtsräte hatten dem langjährigen Geschäftsführer der Stadtwerke und der EWP zuerst eine Abfindung vertraglich zugesichert, die Zusage im Oktober vorigen Jahres aber zurückgezogen. Sie wäre kurz danach fällig geworden.
Jakobs weist Vorwurf zurück
Einige Aufsichtsratsmitglieder behaupten heute, sie seien von dem damaligen Vorsitzenden, Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), unter Druck gesetzt worden. Er soll darauf hingewiesen haben, dass sonst womöglich der Aufsichtsrat selbst regresspflichtig werde. Jakobs weist den Vorwurf vehement zurück.
Für das Landgericht in Potsdam gilt es in der Verhandlung zu klären, ob die Gründe ausreichen, die zu der außerordentlichen Kündigung durch die Aufsichtsräte nach seinem eigenen Rücktritt geführt haben.
Anfang Mai vergangenen Jahres noch hatte sich der Aufsichtsrat der Stadtwerke EWP nach einer Bespitzelungsaffäre mehrheitlich vor Paffhausen gestellt. Damals war bereits bekannt, dass Paffhausen das kommunale Wohnungsbauunternehmen Gewoba und dessen Chef Horst Müller-Zinsius über die Detektei eines früheren Stasi-Mannes ausspionieren ließ. Aufgrund des öffentlichen Drucks legte Paffhausen im Mai dann doch seine Ämter als Geschäftsführer der Stadtwerke und EWP nieder. Der Aufsichtsrat schloss mit ihm einen großzügigen Auflösungsvertrag. Paffhausen verdiente nach Informationen von Morgenpost Online rund 500.000 Euro jährlich, der Vertrag des Managers wäre erst drei Jahre später ausgelaufen. Der Potsdamer Oberbürgermeister Jakobs begründete den Schritt damals mit neuen Erkenntnissen und dem daraus entstandenen „Vertrauensverlust“. Es bestehe der Verdacht, dass der ehemalige Stadtwerke-Chef mehrere Bürgschaften und auch Darlehen an den Drittligisten SV Babelsberg an den Gesellschaftern und dem EWP-Aufsichtsrat vorbei gewährt habe.
Wie der stellvertretende Gerichtssprecher Ralf-Dietrich Schulz kürzlich sagte, ist die mündliche Verhandlung vor dem Potsdamer Landgericht am 15. Mai um 10 Uhr angesetzt.



