Sanssouci

Schlösser-Chef will zwei Euro Eintritt für Park

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten dringt auf einen Wegezoll für den Park von Sanssouci. Freiwillige Spenden können den Pflegebedarf nicht decken.

Foto: F1online

213.000 Euro hat die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) im vergangenen Jahr als freiwilligen Eintritt für einen Spaziergang über herrschaftliches Gelände eingenommen. Der Löwenanteil stammt dabei aus dem Park Sanssouci. Seit 2007 kann, wer durch den Park Sanssouci oder die Anlagen von Schloss Babelsberg flaniert, ein paar Euro spendieren, ganz freiwillig. Durchschnittlich 120.000 Euro kommen auf diese Weise pro Jahr zusammen. „Zu wenig, um den Welterbe-Park und die Gärten adäquat zu erhalten“, wie Stiftungschef Hartmut Dorgerloh auch mit Blick auf die „Rekordsumme“ von 2011 feststellt. Nicht weniger als 4,5 Millionen Euro jährlich sind nach seiner Ansicht für die Pflege notwendig. Er sieht daher keine Alternative – zumindest für den Park Sanssouci – als einen obligatorischen Eintritt einzuführen. Für Parks in Berlin wie den Schlosspark Charlottenburg, die Pfaueninsel oder den Garten von Schloss Schönhausen plant die Stiftung allerdings keinen Eintritt.

Entscheidung steht bevor

Ob Besucher des Parks Sanssouci vom kommenden Jahr an zwischen Ostern und Oktober fürs Flanieren durch den Park Sanssouci zwei Euro Eintritt zahlen müssen, wird voraussichtlich in gut einem Monat entschieden. „Am 29. Februar wird der Stiftungsrat, bestehend aus Vertretern der Länder Berlin und Brandenburg sowie des Bundes, das Thema diskutieren“, sagt Dorgerloh. Die Frage, wie die Pflege der königlichen Gärten künftig finanziert werden solle, müsse der Stiftungsrat klären. Das sei eine politische Entscheidung. Mit der sich speziell Brandenburg schwertut. Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) lehnt einen „Wegezoll“, wie er den Parkeintritt nennt, vehement ab. Auch Brandenburgs Finanzministerium und die Staatskanzlei sind von einer Kassenhäuschen-Idee an den elf geplanten Parkeingängen wenig begeistert. Anders Kulturministerin Sabine Kunst (parteilos), die sich für ein Pflicht-Ticket im Park Sanssouci stark macht.

Zumindest über die Einnahmesituation des vergangenen Jahres muss sich Hartmut Dorgerloh keine Gedanken machen. Gegenüber 2010 mit 63,5 Millionen Euro nahm die Stiftung im vorigen Jahr insgesamt 66,5 Millionen Euro ein. Das größte Plus verzeichnete die Stiftung bei Zuwendungen und Spenden, die sich um vier auf 18,6 Millionen Euro erhöhten. „Die Erlösquote pro Besucher hat sich zudem gesteigert“, konstatiert Dorgerloh. Und das trotz gesunkener Besucherzahlen: Im Vergleich zu 2010 sei die Zahl der Gäste im vergangenen Jahr um 16,1 Prozent von etwa 2,3 auf 1,9 Millionen gesunken. „Die Zahlen erschrecken uns nicht“, sagt der Stiftungschef gelassen. 2011 sei in erster Linie ein Jahr der Vorbereitung auf die Aktivitäten im Friedrich-Jubiläumsjahr 2012 gewesen, insbesondere auf die Ausstellung „Friederisiko – Friedrich der Große“ im Neuen Palais. Ausmaß und Umfang von Veranstaltungen habe man deshalb im vergangenen Jahr beschränkt.

Viel Aufwand habe man auch in einen besseren Service gesteckt, hebt Dorgerloh das im Sommer 2011 an den Start gegangene Buchungs- und Ticketsystem hervor. Zeit habe man sich auch für die Installation eines Wegeleit- und Informationssystems genommen, das den Touristen von der Autobahnabfahrt bis zur Schlosskasse führe, betont Dorgerloh. Investitionen, die sich allerdings erst in den nächsten Jahren deutlich positiv auswirken würden. Zudem besonders ärgerlich: Wegen der im Dachstuhl gefundenen Schadstoffe sei das Schloss Charlottenhof und wegen Bauarbeiten das Schloss Babelsberg für Besucher 2011 nicht zugänglich gewesen.

„Die hohen Besucherzahlen 2010 sind nicht zuletzt den erfolgreichen Sonderausstellungen über Lucas Cranach und zur preußischen Königin Luise geschuldet.“ Rückläufig seien die Besucherzahlen daher auch in erster Linie in Berlin und im Schloss Paretz, wo die Luise-Ausstellungen zu besichtigen waren. „Im Schloss Charlottenburg konnten Neugierige 2010 neben der Cranach- und einer Luise-Ausstellung auch den Kronschatz und die Silberkammer in Augenschein nehmen. 236.900 Besucher nutzten die Chance, rund 4500 Gäste mehr als im vorigen Jahr“, sagt Stiftungssprecherin Tina Schümann.

Besuchermagnet „Friederisiko“

Dass die Besucherzahlen in diesem Jahr steigen, daran zweifelt Hartmut Dorgerloh bei der Vielzahl der Stiftungsveranstaltungen zum nicht. Mehr als 350.000 Besucher erwartet er allein zur großen Schau „Friederisiko“, die vom 28. April bis 28. Oktober im Neuen Palais in Potsdam gezeigt wird. Aus zwölf verschiedenen Blickwinkeln soll auf die Facetten Friedrichs eingegangen werden – beispielsweise als Philosoph, Musiker oder Politiker. Rund sechs Millionen Euro hat die Stiftung in die Ausstellung investiert. Maximal 5000 Besucher am Tag können sich auf 6000 Quadratmetern und mehr als 70 Räumen, die teils zum ersten Mal zu sehen sind, einen Einblick verschaffen. Zudem würden in weiteren Häusern der Stiftung wie in Rheinsberg Aspekte des Königs näher beleuchtet werden, wirbt Dorgerloh für Veranstaltungen in der Mark.

Im Zeichen Friedrichs des Großen

Fest für Friedrich: Die offizielle Feier zum 300. Geburtstag von Friedrich dem Großen findet am 24. Januar 2012 mit einem politischen Festakt im Berliner Konzerthaus statt. Potsdam feiert den König mit einem populären „Fest für Friedrich“ vom 12. bis 24. Januar, Höhepunkt ist „Friedrichs Nacht“ am 24. Januar in Potsdams Innenstadt.

Friederisiko: Die zentrale Schau im Friedrich-Jahr ist vom 28. April bis 28. Oktober 2012 im Neuen Palais und im Park Sanssouci zu sehen. Das Begleitprogramm reicht von der Wiedereröffnung des Friderizianischen Heckentheaters am Neuen Palais im Mai bis zum Reiterspektakel „Carrousel de Sanssouci“ vom 19. bis 22. Juli 2012.

Preußisch Grün: In ihrer Reihe „Preußisch Grün“ bietet die Schlösserstiftung Rundgänge durch Friedrichs Gärten an. Die Spurensuche beginnt am 22. April am Schloss Charlottenburg. Thema am 11. Mai: die „Geheimnisse des Weinbergs“ am Schloss Sanssouci. 20. Mai: das „Ausfahren“ der Pflanzen im Lustgarten in Rheinsberg.