Potsdam

Spazieren in Sanssouci soll zwei Euro kosten

Die Preußische Schlösserstiftung will erneut versuchen, Eintritt für den Potsdamer Park Sanssouci einzuführen: Obwohl sie pro Jahr bereits 32,2 Millionen bekommt, sollen ab 2013 zwei Euro pro Besucher fällig werden. Der Stadt gefällt das gar nicht.

Der umstrittene Pflichteintritt für den Park Sanssouci ist nicht vom Tisch. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten will dem Stiftungsrat in der nächsten Sitzung voraussichtlich im Januar erneut vorschlagen, in der Hauptsaison von Ostern bis Ende Oktober ein Zwangs-Eintrittsgeld von den Besuchern zu nehmen. Die von der Stiftung bereits im Frühjahr ins Gespräch gebrachten zwei Euro pro Eintritt für die ausreichende Pflege des Parks werden von der Stadt Potsdam abgelehnt . Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sagt: „Wir sind weiterhin gegen eine Eintrittsgebühr.“ Er hatte von Anfang an davor gewarnt. Der Park liege mitten in der Stadt. Da könne man von den Potsdamern keinen „Wegezoll“ erheben.

Uneinigkeit im Stiftungsrat

Wegen des heftigen Widerstandes der Stadt Potsdam war eine Entscheidung des Stiftungsrates im Frühjahr verschoben worden. Auch die Staatskanzlei der rot-roten Landesregierung in Potsdam ist dagegen, ebenso das Finanzministerium unter dem Linken-Politiker Helmuth Markov. Kulturministerin Sabine Kunst (parteilos) zeigte sich hingegen nicht abgeneigt.

Die Berliner Vertreter im Stiftungsrat sollen ein Zwangs-Eintrittsgeld für den Park Sanssouci befürwortet haben. Berlin fürchtet offenbar, dass die Länder Berlin und Brandenburg ansonsten ihre Zuschüsse an die Stiftung erhöhen müssen.

Der Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Hartmut Dorgerloh, hatte zu Beginn der Diskussion als Alternative zum Pflichteintritt höhere öffentliche Zuschüsse angemahnt.

Bislang zahlen Berlin, Brandenburg und der Bund jährlich 32,2 Millionen Euro an die Stiftung – der Bund 13,9 Millionen Euro, Brandenburg 11,7 Millionen Euro und Berlin 6,6 Millionen Euro. 2009 wurde außerdem ein Sonderinvestitionsprogramm bis 2017 beschlossen. Hierfür stellt der Bund 77,5 Millionen Euro bereit. Brandenburg beteiligt sich mit 53 Millionen Euro, Berlin mit 24,5 Millionen Euro.

Jakobs will Einnahmen für Infrastruktur verwenden

Der Stiftungsrat beauftragte die Stiftung im Frühjahr, neben dem Zwangseintritt Alternativen auszuarbeiten. Dies wurde laut einer Sprecherin der Schlösserstiftung inzwischen auch gemacht. Sie würden den Stiftungsratsmitgliedern bei der nächsten Sitzung vorgestellt. Darunter fällt auch die Finanzierung über eine Tourismusabgabe. Die Landeshauptstadt hat sich inzwischen mit den touristischen Vertretungen wie dem Hotel- und Gaststättenverband auf eine freiwillige Abgabe geeinigt.

Oberbürgermeister Jakobs sicherte nach Angaben des Leiters der Potsdamer Wirtschaftsförderung, Stefan Frerichs, den Verbänden aber zu, dass die Einnahmen aus der Abgabe für den Ausbau der touristischen Infrastruktur verwendet werden. Die Tourismus-Vertreter sehen allerdings keinen Grund, weshalb die Stiftung nicht ein angemessenes Zwangs-Eintrittsgeld von den Besuchern des Parks nehmen sollen.

Zumindest sprach sich der Tourismusbeirat in Potsdam jüngst dafür aus. „Wir erwarten nun eine Lösung von der Stiftung“, sagte am Mittwoch der Leiter der Wirtschaftsförderung, Stefan Frerichs.

Nur 120.000 Euro freiwillige Eintrittsgelder

In der Schlösserstiftung wiederum fühlt man sich beim Erhalt des berühmten Parks vor allem von der Stadt Potsdam zu wenig unterstützt. Schlösserchef Hartmut Dorgerloh warnt davor, dass möglicherweise der Status als Weltkulturerbe gefährdet ist, wenn alles beim Alten bleibt. Bei den seit 2007 erbetenen freiwilligen Eintrittszahlungen kämen jährlich nur etwa 120.000 Euro zusammen. Um die Parkanlagen ausreichend pflegen zu können, seien 4,5 Millionen Euro allein für zusätzliches Personal nötig, hinzu kämen noch die Sachkosten.

Bei 1,8 Millionen Parkbesuchern im Jahr kalkuliert Dorgerloh Einnahmen von fünf Millionen Euro. Der Eintritt würde erstmals ab Karfreitag 2013 fällig sein, hatte er dem Stiftungsrat im Frühjahr vorgeschlagen. Geplant seien mindestens zwei Euro pro Person und Ermäßigungen für Schüler. Zudem werde über Modelle nachgedacht, wie die Potsdamer geschont werden könnten – etwa über reguläre Jahreskarten für zwölf Euro. Es sollte sich um ein fünfjähriges Modellprojekt handeln. Der Eintritt für Studenten, Kinder und Parkbewohner soll frei bleiben. Sein Vorschlag, wonach dann nur noch elf der 25 Eingänge offen bleiben sollen, hatte heftige Reaktionen ausgelöst. Ob Drehkreuze installiert würden oder Mitarbeiter Karten entwerten, blieb offen.

Parks in Berlin bleiben verschont

Spannend wird auch, wie sich Berlin unter der künftigen vermutlich rot-schwarzen Regierung im Stiftungsrat verhalten wird. Die Entscheidung damals war auch wegen der Neuwahlen gleich um mehrere Monate vertagt worden. Parks in Berlin wie der Schlosspark Charlottenburg, die Pfaueninsel oder die Anlage von Schloss Schönhausen bleiben von den Plänen laut Stiftung verschont. „Aber gerade mit dem Schlosspark Sanssouci haben wir ein Top-Angebot im europäischen Tourismus“, argumentiert Schlösser-Chef Dorgerloh.

Selbst Besucher aus anderen deutschen Regionen und Touristen aus dem Ausland würden sich wundern, dass diese historische Kulturlandschaft in Potsdam gratis zu betreten sei.