Brandenburg

Stacheldrahtfallen verletzen Motocross-Fahrer

Gefährliche Fallen im ehemaligen Tagebau bei Senftenberg führten in diesem Jahr zu mehreren Motocross-Unfällen. Obwohl es verboten ist, durch die Braunkohlegrube zu fahren, ist die Strecke sehr beliebt. Nun wurde die Mordkommission mit dem Fall betraut.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Rostiger Stacheldraht hängt an einem Baum, quer über einen Sandweg gespannt. Das braun gefärbte Hindernis ist in der Landschaft fast unsichtbar. Ein paar Schritte weiter liegt eine Nagelfalle auf dem Boden. Im ehemaligen Tagebau Meuro bei Senftenberg sind in diesem Jahr mehrere Motocross-Fahrer durch gefährliche Fallen teilweise schwer verletzt worden. Nun beschäftigt sich die Mordkommission mit dem Fall.

Das Fahren durch die Braunkohlegrube ist zwar verboten, bei vielen Motocross-, Enduro- und Quad-Fahrern aber beliebt. „Vor allem nach der Sperrung unserer Motocross-Strecke ist ein Vakuum entstanden“, erzählt Attila Damm, Sport- und Jugendwart beim MSC Hörlitz. Da hätten die Sportler nach Alternativen gesucht. Das offene Gelände im alten Tagebau sei besonders reizvoll.

Doch mittlerweile traue sich kaum noch jemand in das Gebiet. An einigen Strecken sind im Abstand von 30 bis 50 Meter die Überreste von altem Stacheldraht zu sehen. Damm sei vor drei Jahren mit seinem Motorrad selbst in eine dieser Fallen geraten und dabei durch die Luft geschleudert worden, erzählt er.

Lebensgefährlich verletzt

Von einer Anzeige hätten er und andere betroffene Vereinskameraden – im Bewusstsein, dass sie eine Ordnungswidrigkeit begehen – abgesehen. „Doch im Frühjahr haben sich die Vorfälle so stark gehäuft, dass wir zur Polizei gegangen sind“, sagt Damm. Ein Vereinsmitglied sei zudem am Hals lebensgefährlich verletzt worden und musste mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden. „Glücklicherweise gab es noch keinen tödlichen Unfall.“ Von insgesamt sechs Zwischenfällen weiß Attila Damm. Nach drei Anzeigen wurde die Senftenberger Mordkommission mit dem Fall beauftragt, bestätigt der Cottbuser Oberstaatsanwalt Horst Nothbaum. „Es wird aufgrund des Verdachts der schweren Körperverletzung ermittelt.“ Zu möglichen Verdächtigen oder Dauer und Umfang der Untersuchungen will sich Nothbaum nicht äußern. Derzeit würden zahlreiche Zeugen und Betroffene verhört. Von Ermittlungen gegen die Motocross-Fahrer, die mit dem Betreten des alten Tagebaus eine Ordnungswidrigkeit begangen hätten, sehe die Polizei erst einmal ab.

Für eine Art Selbstjustiz habe er kein Verständnis, sagt Damm. Zudem sei nicht immer klar, wo es sich zwischen Schipkau, Klettwitz und Kostebrau um Sperrgebiet handelt. „Nicht überall stehen Schilder“, sagt er. Die Offroad-Strecke durch den Tagebau gebe es bereits seit fast zehn Jahren. „Viele Fahrer kommen von auswärts und wollen hier einfach mal ihre Motorräder oder Autos ausprobieren.“

Der Bergbausanierer LMBV warnt hingegen vor dem Betreten alter Tagebauflächen. „Es kommt in diesen Gebieten immer wieder zu Rutschungen oder Abbrüchen an den Grubenkanten“, sagt LMBV-Sprecher Volker Krause.