Brand vorsätzlich gelegt

Verbrannte Mädchen offenbar Verbrechensopfer

Die in der Nähe von Nauen verbrannten Mädchen sind wahrscheinlich einem Verbrechen zum Opfer gefallen. Nach den neuesten Erkenntnissen schließen die Ermittler einen technischen Defekt am Auto aus. Der Brand wurde offenbar vorsätzlich gelegt.

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Bei Börnicke im Havelland haben Polizisten zwei tote Kinder in einem ausgebrannten Auto gefunden.

Video: Reuters
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Ein ausgebrannter Kleinwagen im Wald, auf dem Rücksitz zwei tote Kinder. Und in der Nähe, an einem Straßenrand, ein offensichtlich durch Verbrennungen schwer verletzter, völlig verwirrter Mann. Was sich genau am Freitagmorgen in dem Kiefernwald auf einem Forstweg an der B 237 nahe der Autobahnabfahrt Kremmen (Havelland) an der A 24 abgespielt hat, ist noch immer unklar. Gab es einen tragischen Unfall oder wurde ein kaltblütig geplanter Mord verübt? Die Staatsanwaltschaft Potsdam und die Kriminalpolizei stehen noch am Anfang ihrer Ermittlungen. Doch die Indizien verdichten sich, dass die beiden Kinder einem Verbrechen zum Opfer gefallen sind. Die Spuren dieser Familientragödie führen nach Dänemark.

Peter-Thue R. lebte bis vergangene Woche mit den neun und zehn Jahre alten Mädchen in einem kleinen Küstenort in Nordjütland. Vor einem Jahr wurde er von seiner Frau geschieden. Das Zerbrechen der kleinen Familie muss den 40 Jahre alten Landwirt schwer mitgenommen haben. Mit dem Scheidungsurteil soll das Gericht nach Informationen von Morgenpost Online Peter-Thue R. das Sorgerecht für die zwei Mädchen Line Sofie und Marlene Marie zugesprochen haben. Der Landwirt wollte mit seinen Töchtern in einen anderen Ort umziehen und ein neues Leben beginnen – möglichst weit weg von seiner geschiedenen Frau. Wie diese Zeitung weiter erfuhr, plante Peter-Thue R., seinen landwirtschaftlichen Betrieb zu verkaufen. Der Erlös sollte ihm und seinen Töchtern finanziell eine neue Existenz ermöglichen.

Doch bevor es zu dem Verkauf kam, zeichnete sich ab, dass eines der beiden Mädchen doch lieber bei der Mutter leben und den Neubeginn nicht mitmachen wollte. Diese Erkenntnis könnte der entscheidende Auslöser für die folgende Familientragödie gespielt haben.

Suche nach den Motiven

Die Ermittler der Kriminalpolizei müssen die letzten Stunden vor dem grauenhaften Fund im Wald bei Börnicke rekonstruieren. Wie lange war R. mit den Mädchen unterwegs? Welchen Weg hat er genommen? Wie kam es zu dem Autobrand? Und vor allem: Was hat der 40 Jahre alte Vater seinen Kindern über den Zweck der Reise vom Norden Dänemarks bis vor die Tore Berlins erzählt? Fakt ist, dass Peter-Thue R. um ein Haar selbst in den Flammen umgekommen wäre. Versuchte er vergeblich, im letzten Moment seine Kinder noch aus dem lichterloh brennenden Suzuki „Swift“ herauszuholen? Sicher ist, dass der 40-Jährige sich noch an die B 273 schleppen konnte, wo er gegen 4 Uhr einem Lkw-Fahrer auffiel, der sofort die Polizei alarmierte. Bevor R. mit einem Helikopter in die Unfallklinik Marzahn (UKB) geflogen wurde, gab der 40-Jährige Beamten einer Funkstreife den Hinweis auf das bereits völlig ausgebrannte Auto. Mehr als 100 Meter von der Landstraße entfernt und von dort nicht einsehbar entdecken Polizisten schließlich das Autowrack auf einem Forstweg. Auf den Rücksitzen fanden sie die verkohlten Überreste von Line Sofie und Marlene Marie.

Eine umfangreiche Spurensuche begann innerhalb des weitläufig abgesperrten Fundortes. Wegen des leichten Regens wurde ein Zelt über dem Auto aufgestellt. Keine Spur sollte verloren gehen. Mehr als fünf Stunden waren Kriminaltechniker der Spurensicherung mit ihren Untersuchungen beschäftigt. Besonderes Augenmerk legten die Ermittler auf den Zustand der Türschlösser. Waren die Türen verriegelt, klemmten sie infolge des Brandes? Mit Trennschleifern schnitten die Beamten die Schlösser aus der Karosserie heraus, um sie später genauer zu untersuchen. Das bis auf das nackte Blech ausgebrannte Auto wurde angehoben, um darunter nach Spuren wie Resten von einem Brandbeschleuniger zu suchen. In dem Autowrack selbst war alles verbrannt, von den Sitzen, dem Armaturenbrett oder dem Gepäck im Kofferraum des Suzuki war nur noch Asche übrig geblieben.

Kennzeichen führt nach Jütland

Die Ermittler versuchen auch zu klären, ob das Geschwisterpaar auf den Rücksitzen angeschnallt war. Fraglich ist zudem, ob sie vor Ausbruch des Feuers möglicherweise ohnmächtig oder betäubt waren oder ob sie überhaupt in der Lage gewesen wären, sich selbst aus dem bereits brennenden Auto zu retten.

Nach dem gegenwärtigen Erkenntnisstand schließen Ermittler einen technischen Defekt an dem Auto als Auslöser für das Feuer aus. Der Brand wurde offenbar vorsätzlich gelegt.

Die Reste des bei dem Brand abgefallenen Auto-Kennzeichens brachten die Kriminalbeamten zu dem Schluss, dass das Fahrzeug und somit höchstwahrscheinlich auch die Insassen aus Dänemark stammen. Diese Spur führte die Polizei bereits am Freitag nach Nordjütland. Die Nachforschungen der dänischen Polizei bestätigten sehr schnell, dass es sich bei den Toten um die Geschwister Line Sofie und Marlene Marie aus Öster Hurup handeln muss. Auf Bitten der brandenburgischen Kollegen machten sich die dänischen Beamten daran, die Lebensumstände der Familie aufzuhellen und die Erkenntnisse nach Potsdam weiterzuleiten. Und sie übernahmen die undankbare Aufgabe, die Mutter über den Tod ihrer Töchter zu informieren.

Der mutmaßliche Verursacher der Tragödie kann von der Polizei nach wie vor nicht vernommen werden. Der 40 Jahre alte Vater der Kinder wird noch auf einer Intensivstation des UKB behandelt. Nach einer Notoperation haben die Mediziner den Mann wegen der großflächigen Verbrennungen in ein künstliches Koma versetzen müssen. Lebensgefahr soll nicht mehr bestehen.

Wann Peter R. vernehmungsfähig sein wird, ist wegen seiner schweren Verletzungen noch völlig unklar. Somit werden noch Tage vergehen, bis die Umstände, die zum Tod der beiden Mädchen führten, aufgeklärt werden können. Die Ermittlungen werden jedenfalls wegen des Verdachts eines Tötungsdeliktes geführt. Die Staatsanwaltschaft Potsdam hatte bereits am Freitag angekündigt, am heutigen Montag erste Erkenntnisse von der Obduktion der Kinderleichen bekannt zu geben.