Nach dem tödlichen Flugzeugabsturz des früheren Berliner Bau- und Finanzsenators Klaus Riebschläger (SPD) in Schönhagen (Teltow-Fläming) sind bei der Polizei Anzeigen gegen Zeugen wegen unterlassener Hilfeleistung eingegangen.
Nach Informationen von Morgenpost Online hat ein Beamter des Schutzbereiches noch am Tag des Absturzes Strafanzeige bei der Kripo erstattet. Eine weitere Anzeige erhielten die Beamten wenige Tage später vom Schönhagener Flugplatzchef Klaus-Jürgen Schwahn. Er zeigte einen Waldbauern an, weil dieser dem Verunglückten angeblich nicht zu Hilfe geeilt war. Pikant ist, dass dieser Bauer Besitzer mehrerer Waldgebiete ist, die der Flugplatzchef angeblich mehrfach zum Ausbau des Flugplatzes in seinen Besitz bringen wollte. Die Angebote wurden aber ausgeschlagen.
Der Flugplatz zwischen Trebbin und Beelitz ist von Naturschutzgebieten umgeben. Zwischen dem Geschäftsführer des Platzes und Flugplatzgegnern sind die Fronten verhärtet. Während Klaus-Jürgen Schwahn für einen Ausbau und für weitere Arbeitsplätze kämpft, wehrt sich eine Bürgerinitiative in den umliegenden Gemeinden gegen Fluglärm und Umweltzerstörung.
Suche nach der Absturzstelle
Ex-Senator Klaus Riebschläger war am 23. September mit seiner einmotorigen Maschine nahe dem Flugplatz Schönhagen abgestürzt. Gegen 10 Uhr hatte er offenbar die Kontrolle über sein Flugzeug verloren und war in ein Waldstück unweit der Landebahn gestürzt. Beim Aufprall fing die Maschine sofort Feuer und brannte vollständig aus. Feuerwehrleute konnten den Piloten nur noch tot bergen.
"Adam Grutza, ein Mitarbeiter der Flugplatz-Feuerwehr, kämpfte sich kurz nach dem Aufprall mit Handfeuerlöschern zur Absturzstelle durch“, sagt Flugplatzchef Klaus-Jürgen Schwahn. Als er dort keinen Lebenden mehr vorfand, sei er zum Feuerwehrfahrzeug zurückgelaufen, habe Schläuche zusammengebaut und den brennenden Wald gelöscht. Zu dieser Zeit hätten mehrere „Flugplatzgegner“ in unmittelbarer Umgebung gearbeitet.
„Adam Grutza hat sie aufgefordert zu helfen, doch es kam keine Reaktion. Auch später nicht“, so Schwahn. Er und weitere Mitarbeiter seien sofort in den Wald gefahren. „Während wir nach dem Wrack suchten, kam mir einer dieser Leute keine 200 Meter vor der Absturzstelle entgegen“, berichtet Schwahn weiter. „Als wir ihn anhielten und fragten, ob er etwas zur Lage der Absturzstelle sagen könne, bekamen wir die lässige Antwort: ,Ja, wir arbeiten da vorne und haben es krachen gehört. Fahrt in die Richtung, dann seid ihr gleich da.'“ Danach soll der Zeuge davongefahren sein. „Und er war nicht der einzige“, so Schwahn. Niemand aus dem Wald soll sich gefunden haben, die suchenden Rettungskräfte einzuweisen. „Wertvolle Minuten wurden so ungenutzt vertan.“ Schließlich lotste ein Tragschrauber der Polizei die übrigen Helfer zur Absturzstelle.
Der Flugplatzchef hat zwei Tage nach dem Absturz eine Strafanzeige erstattet, „da ich diese Form der gemeinsamen Aufbereitung meinen sehr betroffenen und unter Schock stehenden Mitarbeitern schuldig war.“ Es mache ihn betroffen, „dass es Menschen gibt, die uns so hassen, dass ihnen der Tod anderer Menschen gleichgültig, wenn nicht gar willkommen ist.“ Aus Kreisen der Bürgerinitiative heißt es, Waldbauer R. – ein ehemaliger Feuerwehrmann – habe die Ahrensdorfer Feuerwehr alarmiert und die Sanitäter vor Ort eingewiesen. Der Feuerwehrchef soll ihm geraten haben, seinen Trecker und Anhänger aus dem Weg zu räumen, um niemanden zu behindern.
R. gehören Waldgebiete direkt am Flugplatz. Der Flugplatzchef habe diese in der Vergangenheit erwerben wollen, um den Flugplatz zu erweitern. Doch Bauer R. habe stets abgelehnt. Man vermute jetzt eine „Retourkutsche“ Schwahns.
"Vorwürfe klingen absurd“
Für den Schönhagener Flugplatzchef klingen die Vorwürfe absurd. „Wer in einer solchen Situation daran denkt, einen Waldbauern durch eine Anzeige zu zwingen, sein Grundstück abzugeben, braucht nach meinem Verständnis eher einen Psychiater als die Polizei“, sagt er. Die Bürgerinitiative kritisiert seine Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung. „Diese Anzeige schreibt ausgerechnet Schwahn, dessen Flugplatzfeuerwehr am Absturztag nur aus einem Mann bestand“, heißt es in einer Mitteilung. „Der zweite Kollege fehlte wegen Krankheit, niemand war über die eingeschränkte Einsatzmöglichkeit informiert worden.“
Flugplatzchef Klaus-Jürgen Schwahn hingegen lobt seine Mitarbeiter, ob in Flugbetrieb, Feuerwehr oder Büro. Sie hätten sich am Unglückstag mit einem „exzellenten Krisenmanagement bewährt“.




