Prozess

Sohn erwürgt Mutter mit Computerkabel

Ein 20-Jähriger aus dem brandenburgischen Rathenow hat vor Gericht gestanden, im April seine Mutter getötet zu haben. Für die Tat wurde er zu einer mehrjährigen Jugendstrafe verurteilt.

Den Zuschauern den Rücken zugewandt, verfolgt der durchtrainierte 20-Jährige am Donnerstag mit gesenktem Kopf das Urteil: Neun Monate nachdem er seine Mutter getötet hat, erhält er sieben Jahre Jugendstrafe wegen Totschlags. Das Landgericht Potsdam hat keinen Zweifel, dass der junge Mann die 45-Jährige am 6. April 2010 in Rathenow (Havelland) zunächst niedergeschlagen und dann erdrosselt hat. So hat er es – nach anfänglichen Lügen und Ausflüchten - schließlich selbst vor Gericht gestanden.

„Wir haben es mit einem Angeklagten zu tun, der schwere Schuld auf sich geladen hat. Wir haben es aber auch mit einem Angeklagten zu tun, für den die Tat das Desaster seines Lebens ist“, sagte Richterin Sabine Schwesig. Doch was treibt einen bislang völlig unauffälligen jungen Mann, der ein emotionales und inniges Verhältnis zu den Eltern hat, zu so einer Tat?

Nach Überzeugung des Gerichts war es ein Mix aus Unreife, Bequemlichkeit, Genervtsein über zunehmende Diskussionen um seine berufliche Zukunft. Mehrfach hatte der 20-Jährige Lehrstellen geschmissen, durch seine Faulheit gab es immer wieder Probleme – was zunehmend für Konfliktstoff in der Familie sorgte.

Unmittelbar vor der Tat war ihm dann gekündigt worden. Deshalb kam es am Tattag zu einem heftigeren Streit zwischen ihm und seiner Mutter. „Davon war der Angeklagte schlichtweg genervt“, meinte Richterin Schwesig. „Er hatte die Nase voll vom Gemecker.“

Wütend schlug der 1,90 Meter große und etwa 90 Kilogramm schwere Sohn seiner Mutter ins Gesicht und hinterließ einen Augenhöhlenbruch. Erschrocken über die Folgen verlor er den Kopf: schlug mehrfach mit einer Hantel zu und erdrosselte seine Mutter. Danach muss er verstört neben der Leiche gehockt haben. Erst ein Anruf seines Vaters sei wie „eine Rückkehr in die Lebenswirklichkeit“ gewesen, so Schwesig.

Um vor sich selbst bestehen zu können und das Bild des netten jungen Mannes aufrecht zu erhalten, sei er zunächst geflüchtet und habe Lügen aufgetischt: Verbindungen zur Organisierten Kriminalität sollten zum vermeintlichen Täter führen. Nachdem ihn sein Vater jedoch weinend vor Gericht angefleht hatte, die Wahrheit zu sagen, stand der 20-Jährige zu seiner Schuld. Er gilt als psychisch labil und brach während des Prozesses immer wieder zusammen.

Das Gericht ging zu Gunsten des 20-Jährigen von einer verminderten Schuldfähigkeit aus. Er habe die Tat in einem Affekt begangen, so die Richter. Er sei in vielen Punkten noch völlig unreif, so dass Jugendstrafrecht anzuwenden sei. Seine Fehlentwicklung bedürfe einer deutlichen Korrektur. Die Staatsanwaltschaft Potsdam hatte acht Jahre Jugendstrafe gefordert, der Verteidiger fünf bis fünfeinhalb Jahre. Beide Seiten zeigten sich jedoch zufrieden mit dem Urteil. Er werde seinem Mandaten raten, die Entscheidung zu akzeptieren, sagte Anwalt Steffen Kalauch. Staatsanwalt Peter Petersen kündigte an, seine Behörde werde auf Rechtsmittel verzichten. So wird es auch der Vater, der als Nebenkläger im Prozess auftrat, halten.

„Mein Mandant und die Großeltern sind weiter die Familie“, betonte Anwältin Delphin Holzendorf. Sie müssten sich darauf konzentrieren, einen Weg zu finden, um die Tragödie zu bewältigen. „Denn irgendwann wird es eine Entlassung aus der Haft geben.“