Die Aufregung um den Straßenstrich an der Bundesstraße 1 bei Müncheberg (Märkisch-Oderland) hat offenbar dafür gesorgt, dass es ihn nicht mehr gibt. Nach einem Polizeieinsatz sei keine Prostituierte an der Straße mehr gesehen worden“, sagt Thomas Wendland, Polizeisprecher des Schutzbereiches Märkisch-Oderland. Bereits am Mittwoch hatten seine Kollegen begonnen, Verbotsverfügungen an die zumeist osteuropäischen Frauen zu verteilen. „Die Schreiben stammen vom Landkreis, wir haben lediglich das Aushändigen in Amtshilfe übernommen“, so Wendland.
In den Briefen werde darauf hingewiesen, dass die Prostituierten zur Gefahr für den Straßenverkehr auf der B 1 werden könnten. Sie könnten beispielsweise Auffahrunfälle verursachen oder selbst zum Verkehrsopfer werden, weil sie sehr dicht an der Straße stünden. „Die Verbote scheinen zu wirken“, sagt Polizeisprecher Thomas Wendland. Allerdings vermutet er, dass die Damen an anderer Stelle wieder auftauchen werden. „Das ist nur eine Verdrängung.“
Die Situation an der B 1 zeigt Parallelen zum Straßenstrich an der B 2 bei Michendorf (Potsdam-Mittelmark) auf. Dort hatte sich im Sommer 2008 – die Straße ist einer der Hauptzubringer von der Landeshauptstadt zum Berliner Ring – ebenfalls ein Dutzend Prostituierte täglich positioniert. Zuhälter setzten die Damen am Morgen mit Kleinbussen und Luxus-Wagen ab und sammelten sie abends wieder ein. Anwohner und Kommunen gingen auf die Barrikaden.
Innenministerium erwägt Sperrbezirk einzurichten
Auf Initiative des CDU-Innenexperten im Landtag, Sven Petke, prüfte das Innenministerium die Einrichtung eines Sperrbezirkes. Doch weder die Stadt Potsdam, noch der Landkreis sahen dafür Bedarf. Auch das Polizeipräsidium Potsdam hielt die Errichtung eines Sperrbezirkes für nicht erforderlich – das Problem erledigte sich nämlich zwischenzeitlich von selbst. Kaum hatte sich die Politik der Sache angenommen, wurde keine Prostituierte mehr an der B 2 angetroffen. Letztmalig wurden zwei Bulgarinnen am 5. Dezember von der Polizei kontrolliert.
Dass damals kein Sperrbezirk eingerichtet wurde, ist für den CDU-Politiker Petke auch heute noch ein „fatales Signal der Unfähigkeit“. „Diese Inkonsequenz führt jetzt zu einem Katz-und-Maus-Spiel mit den Behörden im ganzen Land“, sagt Sven Petke. Jetzt habe sich in Brandenburg erneut ein Straßenstrich etablieren können, auf dem Frauen unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten. Er empfinde dies als „widerwärtig“. Der Innen-Experte vermutet ebenfalls, dass die Prostituierten bald an anderer Stelle ihre Arbeit wieder aufnehmen werden. „Ich gehe davon aus, dass dann wieder Kinder und Jugendliche dem unwürdigen Anblick der Prostitution ausgesetzt werden.“ Das sittliche Empfinden der Mehrheit der Bevölkerung werde somit ignoriert; dem anrüchigen Gewerbe und dessen Hintermännern müsse endlich ein Strich durch die Rechnung gemacht werden.
Im Innenministerium sieht man die Aufregung um das Thema Straßenstrich an der B 1 gelassen. „Für uns ist das zurzeit kein Thema“, sagt Geert Piorkowski, Sprecher der Behörde. Die betroffenen Ämter und Kommunen hätten sich noch nicht an das Ministerium gewandt. „Von dort müssen die Signale und Ambitionen aber kommen.“
Der Bürgergroll entlud sich bislang nur in Medienberichten. „Wir fordern einen Sperrbezirk – aber nicht im herkömmlichen Sinne“, sagte Dirk Illgenstein, Bürgermeister der Großgemeinde Vierlinden, Morgenpost Online. „Unser Territorium muss vielmehr komplett tabu sein für Leute aus der Rotlichtszene.“ Er befürchtet einen Imageverlust der Region durch den Straßenstrich, der weitab von Ortschaften in einem Waldstück floriert.
Die Rotlichtszene etabliert sich seit der EU-Osterweiterung. Bis dato galt Brandenburg als Transitland für Prostituierte, weil sich die Nachfrage Brandenburger Freier durch zahlreiche Bordelle im polnischen Grenzland abdecken ließ. Nach Angaben von Szene-Kennern gibt es „Clubs“ in Guben, Cottbus, Bernau, Fürstenwalde und Brandenburg/Havel. In Frankfurt, Spremberg, ebenfalls Fürstenwalde und Strausberg finden sich zahlreiche Angebote von Hausprostituierten.




