Ein heftiges Unwetter mit Böen in Orkanstärke und großen Hagelkörnern hat in der Prignitz am Donnerstag Sachschaden angerichtet. In der Region stützten durch die heftigen Winde vor allem Bäume um, berichtete der Lagedienst im Polizeipräsidium Potsdam. Zudem habe es teilweise Hagelkörner so groß wie Würfel gegeben.
Nach ersten Erkenntnissen wurde niemand verletzt. Das Unwetter sei vor allem auf der Linie Wittenberge, Perleberg und Pritzwalk über die Prignitz gezogen. Am Freitagmorgen war die Kreisstraße zwischen Tetschendorf und Wulfersdorf bei Wittstock (Prignitz) noch gesperrt. Dort fällte der Orkan 60 Bäume, wie die Polizei am Freitag in Potsdam mitteilte. Der Deutsche Wetterdienst hatte am Nachmittag für die Region eine Unwetterwarnung herausgegeben.
Berlin hingegen hatte Glück. Zunächst hatten die Meteorologen heftige Gewitter für den Abend vorausgesagt. Die Gewitterfront zog jedoch an der Stadt vorbei.
Überflutungen in Mecklenburg-Vorpommern
Weniger Glück hatten die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern. Heftige Regenschauer setzten am Donnerstagabend Straßen unter Wasser und fluteten Häuser. Nach Angaben der Rettungsleitstellen mussten vor allem in Nordwestmecklenburg Feuerwehren ausrücken, um Keller leer zu pumpen und hochgedrückte Gullydeckel zurechtzurücken. Für Mecklenburg- Strelitz und die Stadt Neubrandenburg war eine Unwetterwarnung gegeben worden. Auch dort drückten laut Polizei Sturmböen einzelne Bäume um. Große Hagelkörner richteten in der Prignitz (Brandenburg) Schäden an. Heftige Winde stürzten Bäume um, berichtete der Lagedienst in Potsdam.
In Nordrhein-Westfalen verursachten Blitzeinschläge bereits in der Nacht zum Donnerstag Wohnhausbrände in Marl und Haltern und richteten einen Gesamtschaden von mehreren hunderttausend Euro an. In Aachen, Duisburg, Bottrop und im Kreis Wesel stürzten Bäume auf Straßen und Autos. Straßen und Keller standen unter Wasser. In Aachen drückten Hagel und Sturm zudem das Dach eines Supermarktes ein. Verletzte gab es nicht.
Winhose zieht über Herne hinweg
Eine Windhose sorgte in Herne für Aufregung. Wie die Polizei mitteilte, war es gegen Mittag zu dem etwa 20-sekündigen Wetterphänomen gekommen. Dabei wurden vier Autos und ein Hausdach beschädigt. Auch Bäume wurden umgeweht. Menschen kamen nicht zu Schaden. Vermutlich ausgelöst von einem Blitzeinschlag kam es in einer Chemiefabrik in Ibbenbüren zu einer Verpuffung. Dabei wurden drei Menschen verletzt.
Heftige Unwetter gab es auch in Niederbayern und im Südwesten. In Niederbayern richteten die Unwetter große Schäden an. Im Passauer Hafen wurde ein Aluminium-Dach weggerissen und landete auf zwei Booten und sechs Fahrzeugen. Dabei wurden zwei Menschen leicht verletzt. Mehrere Dächer wurden abgedeckt, etliche Bäume fielen auf Autos und Lastwagen. In Deggendorf wurde durch den Sturm eine komplette Fabrikhalle abgedeckt. In Plattling wurde ein Gas-Tank von einem umstürzenden Baum getroffen und beschädigt. Mehrere Straßen waren nach den Unwettern von quer liegenden Bäumen blockiert.
Auch in Nord- und Südbaden hielt ein Unwetter Polizei und Feuerwehr in Atem. Zahlreiche Bäume wurden entwurzelt, Äste abgerissen, viele Straßen waren unter anderem im Ortenaukreis zeitweise blockiert. Züge verspäteten sich. Zwischen Bühl und Achern stürzte ein Baum auf ein Wohnwagengespann. Verletzt wurde niemand. Nach Angaben der Offenburger Polizei gingen in kurzer Zeit weit mehr als 200 Notrufe ein.
Quad-Fahrer in Polen erschlagen
In Polen wütete der Sturm am schlimmsten in Niederschlesien im Südwesten des Landes. Auch Zentralpolen wurde schwer getroffen. Die polnischen Medien berichteten am Morgen von mindestens sieben Toten - fast alle durch umstürzende Bäume. In Chojne bei Lodz etwa fiel ein Baum auf ein fahrendes Auto – eine schwangere 24-Jährige und ihre ungeborenes Kind starben dabei, zwei kleine Kinder überlebten den Unfall. Ein Mann war auf seinem Quad unterwegs, als er von einem umstürzenden Baum erschlagen wurde. Er starb am Unglücksort.
Die Zahl der Verletzten in Polen wurde mit über 50 angegeben. Bei Kotroszyn wurden sechs Menschen durch einen Stromschlag schwer verletzt. Laut Feuerwehr beschädigte der Sturmwind in Polen Dutzende Stromleitungen und entwurzelte hunderte von Bäumen. Es kam zu Verkehrsbehinderungen durch umgestürzte Bäume. Zahlreiche Häuser wurden abgedeckt.
Die Gewitterphase mit Unwettern und Schwüle geht in den nächsten Tagen zu Ende, pünktlich zum Wochenende sagen die Meteorologen einen Temperatursturz um rund 10 Grad voraus. „Es hat sich in diesem Jahr so eingespielt – alle fünf bis acht Tage gibt es eine Wetterumstellung“, sagte Ansgar Engel vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Vor der Abkühlung gibt es noch einmal heftige Unwetter mit allem, was das Wetter zu bieten hat. Schauer und Gewitter fallen am Freitag deutlich schwächer aus als bei den Unwettern der vergangenen Tage.
dpa/ddp/mim




