Landwirtschaft

Tabakanbau in Brandenburg droht das Aus

In den neuen Ländern gibt es insgesamt noch 52 Tabakpflanzer, der größte von ihnen ist Uckermark-Tabak. Doch die Subventionen aus Brüssel laufen am Jahresende aus. Damit könnte das Aus für die Tabakbauern in Deutschland unmittelbar bevorstehen. Nun suchen die Landwirte nach Lösungen.

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Meter für Meter arbeitet sich der Traktor auf dem kleinen Acker am Ortsrand von Gusow im Oderbruch voran. Auf einer Vorrichtung hinter dem Gefährt sitzen sechs Frauen, die gelblich-grüne Tabaksprösslinge in die sandige Erde stecken. "In den letzten Tagen hat es viel geregnet. Das ist für den Tabak ja optimal, für uns eher nicht", sagt die 48-jährige Saisonarbeiterin Beate Zipperrik während einer kurzen Pause, in der neue Pflanzen auf den Traktor geladen werden.

Sie und ihre Kolleginnen erhalten einen Stundenlohn von 3,60 Euro. Das ist nicht viel, allerdings ist den Frauen diese Arbeit lieber als Nichtstun. "Hier gibt es ja keine andere Arbeit. So kommen wir wenigstens raus und haben was tun", sagt Zipperrik. Im Großraum Seelow liegt die Erwerbslosenquote bei fast 20 Prozent.

Auch ihr Chef Günter Dalchau wird nicht reich durch das Geschäft mit der rauchbaren Pflanze, mit der er von Mai bis August rund fünf Hektar rund um Gusow bestellt. "Am Tabak verdienen wir so wenig, dass es sich fast gar nicht lohnt. Aber es wächst ja so gut wie nichts anderes als Tabak auf den sandigen Böden hier, und außerdem ist es eine lange Tradition", sagt Dalchau, einer von 23 Tabakbauern in Brandenburg.

In den neuen Ländern gibt es insgesamt noch 52 Tabakpflanzer, der größte von ihnen ist Uckermark-Tabak. Rund um das Traditionsanbaugebiet in Vierraden bei Schwedt bewirtschaftet das Unternehmen rund 30 Hektar. Der Ertrag lag im vergangenen Jahr bei 120 Tonnen Tabakblätter.

Vor drei Jahren arbeiteten in ganz Ostdeutschland noch 110 Pflanzer, doch mit den neuen Verordnungen der EU, den vielen Antragsformularen und der Ungewissheit haben vor allem ältere Bauern ihre Anbauflächen aufgegeben.

In Deutschland wird in diesem Jahr auf 3090 Hektar Tabak angebaut. Im Ranking der Anbaufläche für Zigarettentabak nach den Bundesländern liegt Brandenburg mit 218 Hektar auf dem dritten Platz – hinter Baden-Württemberg mit 1316 Hektar und Rheinland-Pfalz mit 786 Hektar.

Produktbezogene Prämie

Und mit dem Tabakanbau könnte ab dem kommenden Jahr ganz Schluss sein. "In diesem Jahr wird noch mal eine produktbezogene Prämie für den Tabak gezahlt, ab 2010 erhalten die Bauern dann keine Subventionen mehr aus Brüssel", sagt der stellvertretende Vorsitzende der Bundesvereinigung deutscher Tabakpflanzer, Stefan Richter, zum Auslaufen des alten Preissystems für europäischen Tabak. Damit steht aus seiner Sicht das Aus für die Tabakbauern in Deutschland unmittelbar bevor. "Bislang bekamen die Bauern für jedes Kilo Tabak 2,40 Euro als Zuschuss. Ohne das Geld werden die meisten aufhören", sagt Richter. Betroffen davon wären in Deutschland knapp 400 Betriebe, davon 52 in Ostdeutschland.

Besonders hart trifft die Umstellung die Tabakbauern mit kleinen Anbauflächen, auch weil diese nach den Vorstellungen der Europäischen Union schon 2010 ohne Förderung auskommen sollen.

Händeringend sucht Richter nach Perspektiven. Eine Chance sieht er in höheren Abnahmepreisen für den Rohtabak durch die Industrie. "Unser Vorbild ist Amerika, wo die Zigarettenhersteller so viel bezahlen, dass die Bauern auch ohne staatliche Zuschüsse auskommen", sagt Richter.

Um ähnliche Verhältnisse wie in Übersee auch für die deutschen Tabakbauern zu erreichen, nahm er unlängst Gespräche mit der verarbeitenden Industrie auf. Und er sieht seinen Verband dabei sogar in einer günstigen Verhandlungsposition. "Der europäische Tabak ist von der Qualität her einer der Besten überhaupt. Und die Hersteller brauchen diese Qualität, um ihre eigenen Standards einhalten zu können", sagt Richter. Eine Entscheidung erwartet er allerdings nicht vor Ende dieses Jahres.

Sollte sich die Industrie allerdings einer Preiserhöhung verweigern, dürfte Tabak nach 400 Jahren weitestgehend von hiesigen Äckern verschwinden. Damit gingen auch etliche Arbeitsplätze verloren, prophezeit der Gusower Dalchau. "Ein bisschen Kraut werden wir wohl immer machen. Dafür brauche ich dann aber, wenn es hoch kommt, vielleicht noch zwei Helfer in der Saison", sagt Dalchau.

Ob dazu dann Beate Zipperrik oder eine ihre Kolleginnen gehört, kann im Moment niemand sagen. Gedanken daran wollen die Frauen derzeit auch nicht verschwenden. "Wir machen jetzt erst mal diese Saison und sehen dann weiter", sagt Zipperrik, bevor sie sich wieder die Gummihandschuhe über die Finger stülpt und hinter dem Traktor Platz nimmt.