Fahrgäste in Berlin und Brandenburg werden auf vielen Bahnhöfen der Region nur mangelhaft oder gar nicht informiert. Zu diesem Ergebnis kommt die Qualitätsanalyse zur Fahrgastinformation 2008, die der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) vorgestellt hat. Von 66 großen und mittleren Stationen, die der VBB untersuchen ließ, bieten demnach nur 18 ein gutes oder sehr gutes Informationsangebot. An 30 Bahnhöfen stellten die Tester Mängel fest. 18 Bahnhöfe wurden als nicht ausreichend bewertet. Fazit des VBB: Gegenüber den Vorjahren habe sich die Ausstattung der Stationen "nicht wesentlich verändert".

Am schlechtesten werden Fahrgäste weiterhin in den Randbereichen Brandenburgs informiert. Zwar sank die Zahl der Bahnhöfe mit der Schulnote sechs gegenüber dem Vorjahr von 17 auf neun. "Dringenden Handlungsbedarf" sieht der VBB aber noch in Pritzwalk, Wittstock/Dosse, Templin Stadt, Wustermark, Rangsdorf, Seelow-Gusow, Eisenhüttenstadt, Guben und Senftenberg. Besonders gut schnitten hingegen vor allem die großen Berliner Stationen Hauptbahnhof, Gesundbrunnen, Potsdamer Platz, Alexanderplatz, Südkreuz und Spandau ab. Sie erhielten die Bestnote. In Brandenburg schafften das nur die Bahnhöfe in Oranienburg und Frankfurt/Oder. Mängel gab es in Berlin lediglich in Charlottenburg und Wannsee.

VBB-Geschäftsführer Hans-Werner Franz kritisiert: "Das Ausstattungsniveau vieler Bahnhöfe ist zu niedrig." Ein Grund für das schlechte Ergebnis ist nach VBB-Angaben, dass der Verbund und die Länder kaum Einfluss auf die Ausgestaltung der Bahn-Infrastruktur und der Stationen habe. Die Bahn lege ihre Qualitätsstandards selber fest. "Das ist langfristig nicht akzeptabel", sagt Franz.

Mindestanforderungen erfüllt

Die Deutsche Bahn hat ihre Stationen in sechs Kategorien eingeteilt. Je nach Wichtigkeit sollen bestimmte Service- und Informationsangebote - vom Info-Point über mobile Servicekräfte, Fahrzielanzeigen und Lautsprecherdurchsagen bis zu Fahrplanaushängen gewährleistet sein. Anders als noch in den Vorjahren wurden diese Mindestanforderungen 2008 überall erfüllt, wie der VBB einräumt. Allerdings reiche dieses Basisangebot nicht aus. "Die Reisenden müssen umfassend und aktuell über die Verkehrslage durch Ansagen oder fehlerfreie Anzeigen informiert werden", fordert Franz.

Zudem habe die Bahn, um dieses Ergebnis zu erreichen, gar nicht in allen Fällen nachgebessert, wie aus dem Qualitätsbericht hervorgeht. In einigen Fällen - darunter die Bahnhöfe Charlottenburg und Oranienburg - habe die Bahn die kritisierten Stationen lediglich in der Kategorie heruntergestuft, um die Mindestanforderungen zu erfüllen.

Nach der harschen Kritik im Vorjahr, als die Qualitätsanalyse unter der Überschrift "Servicewüste Bahnhof" veröffentlicht wurde, hatte die Bahn ein Statuspapier erstellt, das unter anderem konkrete Maßnahmen zur Mängelbeseitigung nannte. Tatsächlich konnten die VBB-Tester in der Nachfolgeuntersuchung Verbesserungen feststellen. So wurden in Berlin-Wannsee, Berlin-Charlottenburg und Cottbus neue Fahrgastinformationssysteme installiert. Besser als im Vorjahr schnitten auch die Bahnhöfe Alexanderplatz, Berkenbrück, Eberswalde, Fürstenberg, Falkenberg, Jüterbog, Oranienburg und Schwedt ab. Verschlechtert hat sich die Situation hingegen in Bad Freienwalde, Karlshorst, Doberlug-Kirchhain und Lübben.

Die Bahn weist die Vorwürfe zurück und verweist stattdessen auf eine Studie des Meinungsforschungsinstitutes Infas. Jene bescheinige den Bahnhöfen in der Region über mehrere Jahre eine hohe Qualität. Die Kritik des VBB an mangelhaften Lautsprecherdurchsagen - jene sollen im Regelfall nur an 52 Prozent der getesteten Stationen erfolgen - relativierte ein Bahn-Sprecher. Große Bahnhöfe seien nicht betroffen. Mit Durchsagen würden 92 Prozent aller Reisenden versorgt, bei Störungen im Verkehr sogar 94 Prozent.