Im Cottbuser Prozess um die Tötung eines Mannes wegen Geldes für Drogen hat der Angeklagte am Montag überraschend sein früheres Geständnis widerrufen. Er habe den 20-Jährigen in Finsterwalde (Elbe-Elster) nicht umgebracht, ließ der 23-Jährige zum Prozessauftakt vor dem Landgericht von seinem Verteidiger erklären. Bei der Vernehmung durch die Polizei im vergangenen Herbst sei er unter Drogenentzug gewesen und habe das Geständnis nur unterschrieben, weil ihm alles egal gewesen sei. Die Anklage wirft ihm Mord und Raub mit Todesfolge vor. Täter und Opfer sollen aus der Drogenszene von Finsterwalde stammen.
Damals hatte der Mann bei der Polizei ausgesagt, das Opfer mit einem Dreieckstuch aus einem Verbandskasten erdrosselt zu haben. Diese Aussage habe er nur erfunden, erklärte der Angeklagte am Montag. Laut Staatsanwaltschaft hat er mit der EC-Karte des Toten und der PIN-Nummer, die er aus der Geldbörse des Opfers stahl, 150 Euro für den Kauf von Drogen abgehoben. Der Beschuldigte soll zudem aus der Wohnung des Toten einen Rucksack mit einer Hose und einem Handy gestohlen haben. Er wurde Anfang Oktober, einen Monat nach der Tat, festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Das Opfer lag in seiner Wohnung.
Wie Zeugen vor Gericht schilderten, wurde die stark verweste Leiche des 20-Jährigen erst drei Wochen nach seinem Tod in der Wohnung entdeckt. Ein Hausbewohner habe die Polizei informiert, weil er starken Verwesungsgeruch und Maden auf dem Flur bemerkte. Der Prozess geht an diesem Mittwoch (18.3.) mit der Vernehmung weiterer Zeugen weiter. dpa/sei


