Acht Monate vor der Landtagswahl in Brandenburg ist der Fraktionsvorsitzende der CDU, Thomas Lunacek, am Dienstag zurückgetreten. Er begründete den Schritt mit der fehlenden Unterstützung der Partei. Der Fraktionsvorsitzende müsse das uneingeschränkte Vertrauen der Partei haben, um einen schlagkräftigen Wahlkampf führen zu können, sagte Lunacek nach der Fraktionssitzung. „Diese Voraussetzung bestand nicht mehr.“

Die Parteivorsitzende und Spitzenkandidatin, Kulturministerin Johanna Wanka, bedauerte den Schritt. Einen Nachfolger nannte sie nicht. Der soll in einer Woche gewählt werden.

Hintergrund des Rücktritts waren nicht zuletzt Querelen um die Kandidatenliste zur Landtagswahl. Der Vorstand hatte Lunacek nur für einen nahezu aussichtslosen Platz 24 vorgeschlagen. Daraufhin lehnte es der 44-Jährige ab, überhaupt auf der Liste zu sein. Auch auf dem Parteitag am vergangenen Samstag verzichtete er auf eine Kampfkandidatur um einen besseren Listenplatz. Lunacek stand seit Oktober 2004 an der Spitze der Fraktion.

Aus den jahrelangen Machtkämpfen in der CDU ist Lunacek damit als Verlierer hervorgegangen. Er hatte sich stets auf die Seite von Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns geschlagen. Dieser hatte sich zwar vor zwei Jahren äußerst knapp gegen den ehemaligen CDU-Generalsekretär Sven Petke durchgesetzt, sein Amt als Vorsitzender aber im Oktober vergangenen Jahres aufgegeben. Ihm war es nicht gelungen, die Grabenkämpfe mit der Gruppe um Petke zu beenden. Ein Parteitag hatte am Wochenende Wanka zur Nachfolgerin gewählt.

Lunacek wurde 1964 im Ostteil Berlins geboren. Im April 1989 floh er über Ungarn in die Bundesrepublik. Mitte 1989 trat der gelernte Funkmechaniker der CDU bei. 1993 bis 1997 war er Vorsitzender der Jungen Union und dann bis 2004 CDU-Generalsekretär in Brandenburg. Er will sich jetzt um ein Direktmandat im Barnim bemühen. Schlage dies fehl, werde er wieder in der freien Wirtschaft arbeiten, so Lunacek.

dpa/mim