Die Bauarbeiten für den Passagierterminal des künftigen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg International (BBI) in Schönefeld haben offiziell begonnen. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nannte es bei der Gelegenheit das „Herzstück für den neuen Flughafen“. Beim Baustart standen diesmal jedoch keine blanken Spaten bereit wie im September 2006. Damals fiel der offizielle Startschuss für den Bau von BBI. 1000 Gästen waren in Schönefeld dabei. Am Freitag war die Feier etwas bescheidener: Zwei Bagger ersetzten die Spaten, die, so Wowereit, „nicht nur symbolisch, sondern auch faktisch“ die Bauarbeiten für das 32 Meter hohe, 220 Meter lange und 180 Meter breite Flughafengebäude begannen. Damit ist Ostdeutschlands größtes Infrastrukturprojekt einen entscheidenden Schritt weiter auf dem Weg hin zu seiner geplanten Inbetriebnahme am 1. November 2011.
Der Terminal, in dem pro Jahr 25 Millionen Passagiere abgefertigt werden können, wird über eine 715 Meter lange Hauptpier mit 15 Fluggastbrücken, darunter eine für das größte Passagierflugzeug der Welt, den A380, verfügen. Darüber hinaus sind zwei weitere 350 Meter lange Pierstangen an den Seiten des Terminals geplant, eine im Norden ohne Brücken und eine im Süden mit zehn Fluggastbrücken.
Auch der A380 kann andocken
Auf der riesigen Bausstelle sind bislang nur die Stützen der künftigen 550 Meter langen Terminalauffahrt zu sehen. Doch das soll sich schnell ändern. Im Februar 2010 soll der Rohbau des Flughafengebäudes einschließlich des Dachs, der Fassade und der Pierstangen stehen. Bis dahin werden 160.000 Kubikmeter Beton und 35.000 Tonnen Bewehrungsstahl allein für den Rohbau verbaut sein. Auf den derzeitigen Bau eines 400 Meter langen Tunnels oder alternativen Skywalks vom Terminal zu möglichen Terminalsatelliten auf dem Vorfeld will man nach wie vor aus Kostengründen verzichten. Die Lufthansa hatte den sofortigen Bau angemahnt, um nicht Mehrkosten entstehen zu lassen, wenn das fertige Vorfeld später für den Verbindungstunnel wieder aufgerissen werden müsse.
Berlins Regierender Bürgermeister betonte, dass das Projekt nach wie vor im Zeitplan sei, wenngleich die Inbetriebnahme am 1. November 2011 zum Winterflugplan 2011/12 „ein ambitioniertes Ziel sei und „eine große Herausforderung für die Männer und Frauen auf der Baustelle darstelle. Auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) trat Zweiflern am Zeitplan entgegen. „Hier zweifelt man ja gern, aber wir liegen im Zeitplan.“
Eng könnte es allerdings werden, so befürchten Insider, wenn die Finanzierung nicht rechtzeitig steht. Wie berichtet, muss die Fremdfinanzierung über Kredite mit einem Rahmen von 2,4 Milliarden Euro neu ausgeschrieben werden. Schuld an der veränderten Lage ist nach Angaben der Flughafengesellschaft die internationale Bankenkrise, die zu ungünstigeren Kreditkonditionen, sprich höheren Zinssätzen, für die Fremdfinanzierung des Großprojekt geführt hat. Um diese Konditionen zugunsten des Flughafenprojekts abzumildern, werden die Flughafengesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund statt zu 80 nun zu 100 Prozent für die Kredite zur Finanzierung des neuen Flughafens mit Steuergeld bürgen beziehungsweise garantieren.
EU-Prüfung auf Subventionen möglich
Eine Lösung, die nach Angaben von Wowereit „ein besseres Ergebnis“ erzielen lässt und gegenüber den teueren Angeboten der Banken auf Grundlage der 80-prozentigen Bürgschaft der Flughafengesellschafter 576 Millionen Euro bis zum Jahr 2035 einspart. Allerdings kann bei dem neuen Finanzierungsweg nicht ausgeschlossen werden, dass die EU ein Notifizierungsverfahren verlangt, um unzulässige Subventionen zu prüfen. Dieses würde bis 18 Monate dauern, was nach Einschätzung von Insidern dazu führen könnte, dass der Flughafengesellschaft wegen der nicht rechtzeitig abrufbaren Kredite das Geld ausgeht, um weitere Vergaben zu tätigen und zu bezahlen. Denn der noch laufende Brückenkredit über 350 Millionen Euro, den die Flughafengesellschaft im Juni 2006 aufnahm, läuft nur bis Mitte 2009.
Indes hat der Aufsichtsrat unter Vorsitz von Klaus Wowereit den 55-jährigen Architekten Manfred Körtgen zum Nachfolger des Flughafengeschäftsführers für Technik, Thomas Weyer, bestellt. Weyer wechselt zum 1. September zum Flughafen München. Körtgen ist bereits seit 2004 für den Bereich Planung und Bau des BBI verantwortlich.
Personal-Geschäftsführer soll gehen
Nach der Aufsichtsratssitzung wurde am Freitag bekannt, dass die Flughafengesellschafter den Vertrag des Flughafengeschäftsführers für Personal, Manfred Bobke-von Camen, nicht über Ende dieses Jahres verlängern wollen. Der Verzicht auf den Personal-Geschäftsführer ist möglich, nachdem die Flughafen-Servicetochter GlobeGround an das Frankfurter Unternehmen Wisag verkauft wurde und die Flughafengesellschaft damit weniger als 2000 Beschäftigte hat. Auf die paritätische Mitbestimmung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern im Aufsichtsrat, die nach dem GlobeGround-Verkauf laut Mitbestimmungsgesetz wegfällt, soll aber nicht verzichtet werden. Das hatten Brandenburgs Finanzminister Rainer Speer (SPD) und Klaus Wowereit vor der Aufsichtsratssitzung mitgeteilt. Der Betriebsrat der Flughafengesellschaft hatte 500 Unterschriften von Beschäftigten dem Aufsichtsratsvorsitzenden Wowereit übergeben, um ihrer Forderung nach Erhalt der paritätischen Mitbestimmung und der Funktion des Personal-Geschäftsführers Nachdruck zu verleihen.














