Neuruppin

Neonazi-Aufmarsch - Polizisten bei Protesten mit Böllern beworfen

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Ein in Neuruppin geplanter Aufmarsch von Neonazis ist abgebrochen worden. Mehrere Hundert Demonstranten versperrten den Rechtsextremisten den Weg. Einige von ihnen bewarfen die Polizisten mit Böllern.

1400 Menschen haben am Sonnabend friedlich gegen einen Neonazi-Aufmarsch in Neuruppin protestiert. Der Aufzug kam nicht so voran wie geplant. Demonstranten versperrten den Teilnehmern aus der rechten Szene mit Sitzblockaden den Weg, sagte ein Polizeisprecher. Deren Organisator sei eine Ausweichroute vorgeschlagen worden. Diese habe er abgelehnt und die Veranstaltung von sich aus beendet. Rund 600 Neonazis waren angereist. Beamte begleiteten diese zum Bahnhof.

Der Bürgermeister von Neuruppin, Jens-Peter Golde (Pro Ruppin), wertete den Abbruch des Aufzugs als Erfolg. Es habe verhindert werden können, dass die Neonazis ihre Kundgebung vor dem Fontane-Denkmal abhalten konnten und sich zurückziehen mussten, sagte er.

Die demokratischen Kräfte seien gegen die Neonazis gut aufgestellt. Neuruppin sei eine Kultur- und die Fontane-Stadt. Der Bürgermeister betonte: „Trotzdem ist der Umzug der Rechten eine Belastung, die mich ärgert.“ Der Dichter, bekannt durch seine Wanderungen durch die Mark, wurde dort 1819 geboren. Er starb 1898 in Berlin.

Nach Einschätzung der Polizei sind alle neun Veranstaltungen in der Stadt im Großen und Ganzen friedlich verlaufen. Hin und wieder sei es am Sonnabend zu kleineren Rangeleien zwischen Gegendemonstranten und der Polizei gekommen. Bei einem Zwischenfall seien allerdings Polizisten von Teilnehmern aus dem linken Spektrum mit Böllern angegriffen worden, hieß es in einer Mitteilung der Polizei. Die Beamten wehrten sich mit Pfefferspray. Vereinzelt sei es auch zu Schlagstock- und Wasserwerfer-Einsätzen gekommen.

Gegendemonstranten blockieren Bahnstrecke

Insgesamt wurden nach Polizeiangaben 30 Gegendemonstranten in Gewahrsam genommen, zwölf Platzverweise ausgesprochen und neun Anzeigen wegen Widerstands- und Körperverletzungsdelikten aufgenommen. Ein Neonazi wurde mit tätowierten NS-Insignien erwischt, gegen ihn wird ebenfalls ermittelt. Zudem müssen sich 15 Vermummte, die von der Polizei der linken Szene zugeordnet wurden, wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr verantworten. Sie hatten die Bahnstrecke Velten-Neuruppin blockiert. Der Lokführer einer heraneilenden Regionalbahn konnte gerade noch rechtzeitig bremsen.

Insgesamt sicherten rund 1500 Polizisten die Aktionen in der Stadt. Die Brandenburger hatten Verstärkung aus Hamburg und Niedersachsen sowie der Bundespolizei erhalten. Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) sowie Justizminister Helmuth Markov (Linke) machten sich vor Ort ein Bild vom Geschehen.

Zahlreiche Vereine, Kirchen, Gewerkschaften, Initiative und Verbände stellten sich dem Nazi-Aufmarsch entgegen und organisierten unter dem Motto „Schöner leben ohne Nazis – Vielfalt ist unsere Zukunft“ ein großes Fest. Landtagspräsidentin Britta Stark hatte es am Vormittag eröffnet.

( dpa/mim )