Auf dem ehemaligen Kasernengelände in Krampnitz plant Potsdam ein neues Wohngebiet für rund 3800 Bewohner. Etwa 1600 Wohnungen sollen in den nächsten zehn Jahren nördlich der Landeshauptstadt entstehen. Nun aber wurde bekannt, dass die Bundeswehr nur wenige Kilometer entfernt auf einem Truppenübungsplatz in der Döberitzer Heide eine Schießanlage bauen will. Das bestätigte Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion im Potsdamer Landtag. Auf der geplanten Anlage sollen künftig Soldaten das Schießen mit scharfer Munition trainieren – unter anderem am Maschinengewehr. Das könnte zu Lärmbelästigungen führen.

Gegen die Pläne regt sich auch aus anderen Gründen Widerstand. Eine Gruppe von Friedensaktivisten plant eine Aktion gegen den Schießplatz auf einem Parkplatz an der Bundesstraße 2. Auch die Heinz-Sielmann-Stiftung protestiert. „Ich lehne die Schießanlage total ab, weil ich den Sinn nicht sehen kann“, sagte Michael Beier, geschäftsführender Vorstand der Stiftung, am Mittwoch. Sie betreibt in der Döberitzer Heide eine Naturlandschaft, unter anderem siedeln dort Wisente und Przewalski-Pferde.

Zwar seien die Auswirkungen auf die Tierwelt wegen des ausstehenden Schallschutzgutachtens noch nicht klar, meinte Beier. Er befürchte jedoch, dass das Erleben der Naturlandschaft stark beeinträchtigt wird. Umweltminister Vogelsänger erklärte hingegen, der Schutzstatus der Heidelandschaft und der Charakter der Döberitzer Heide blieben unverändert. Für die Schießanlage müssten sämtliche Sicherheitsabstände zu Wanderwegen außerhalb des Geländes des Übungsplatzes eingehalten werden. Für die Genehmigung des Vorhabens müssten umweltrechtliche Gutachten erstellt werden – darunter Expertisen zum Schallschutz sowie zum Artenschutz. „In Abhängigkeit vom Ergebnis wird die Bundeswehr eine abschließende Entscheidung treffen.“

Investitionen von 14 Millionen Euro

Die Anlage mit Schießbahnen von einer Länge bis zu 250 Meter soll zwischen 2017 und 2021 errichtet werden. Die Investition beliefe sich auf mehr als 14 Millionen Euro, heißt es mit Bezug auf Angaben der Bundesregierung. An dem Standort sollen laut „Märkische Allgemeine“ die Soldaten aus sechs Kasernen in Berlin, Potsdam und Schwielowsee ihre Schießausbildung bekommen.

Der Sprecher der Stadtverwaltung, Stefan Schulz, sagte auf Anfrage der Berliner Morgenpost: „Bisher waren uns die Erweiterungspläne für die Sammelstandortschießanlage nicht bekannt. Da wir die Details des konkreten Vorhabens nicht kennen, spekulieren wir auch nicht über mögliche Auswirkungen.“ Schon heute gebe es am Standort einen Truppenübungsplatz, der laut Machbarkeitsstudie keine negativen Auswirkungen auf das Entwicklungsgebiet habe.

Vor der Stadtverordnetenversammlung berichteten Stadtplaner jüngst, die Gutachten zur Lärm- und Luftbelastung für das geplante Wohngebiet würden derzeit erarbeitet. Sie lägen Ende des Jahres vor. Hauptproblem bei der Entwicklung des früheren Militärareals sei der Erwerb der Flächen vom Land Brandenburg. Der Kauf verzögere sich. Das Verfahren vor dem Oberverwaltungsgericht zwischen dem Land und dem einstigen Erwerber werden voraussichtlich erst nächstes Jahr entschieden. Zudem haben Landwirte eine Normenkontrollklage gegen die Entwicklungssatzung eingereicht.

mit dpa