Es gibt da eine Szene in „Honig im Kopf“: Didi Hallervorden, Emma und Til Schweiger gehen am Wasser entlang. Til Schweiger erzählt von früher, wie er ein „Huuuuuh…“ gehört und gefragt habe: „Papa, was war das? Waschbären heulen doch nicht?!“ „Die hier in Brandenburg schon“, war die Antwort. Mehr als vier Millionen Kino-Zuschauer bringen seither Brandenburg mit diesem Spaziergang in schönster Natur in Verbindung.

„Das ist eine Form von Imagewerbung, die ist unbezahlbar“, sagte Kirsten Niehuus, die Geschäftsführerin des Medienboard Berlin-Brandenburg, am Dienstag bei einer Pressekonferenz.

Til Schweiger drehte für „Honig im Kopf“ auch in Brandenburg – in Potsdam und in der Prignitz. Das Medienboard hat seinen neuesten Kassenerfolg mit 900.000 Euro gefördert. Der Film, der seit fünf Wochen an der Spitze der deutschen Kinocharts steht, ist ein Paradebeispiel dafür, wie gut Filmförderung funktionieren kann. Die Region profitiert – und die Unterstützung hat sich für die Filmemacher wieder einmal gelohnt. „Schweiger zahlt zum siebten Mal komplett zurück“, sagt Kirsten Niehuus.

Die Medienboard GmbH, deren Gesellschafter die Investitionsbanken der Länder Berlin und Brandenburg sind, hat für die Filmförderung jährlich etwa 30 Millionen Euro zur Verfügung. Darunter 6,5 Millionen Euro aus Brandenburg und zehn Millionen Euro aus Berlin. Zwar können nicht alle bedachten Filmemacher die Förderung zurückzahlen, doch das ausbezahlte Geld ist nach Ansicht der Medienboard-Geschäftsführerin dennoch gut angelegt. „Mehr als das Fünffache der Produktionsförderung wird in der Region ausgegeben“, sagt Niehuus. Die Filmförderung habe in Berlin-Brandenburg im vergangenen Jahr für Umsätze in Höhe von 120 Millionen Euro gesorgt. „Film ist ein sehr arbeitsintensives Medium, da wird gearbeitet wie in einer Manufaktur“. Der Film sichere nicht nur Spezialberufe wie Geräuschemacher oder Kostümbildner, von einem Dreh profitierten auch Hotels, Bäckereien, Catering- oder Autoverleihfirmen.

Rund 4000 Drehtage habe es 2014 in der Region Berlin-Brandenburg gegeben, etwa die Hälfte davon für Medienboard-geförderte Filme wie „Honig im Kopf“ oder „Der Nanny“ von und mit Matthias Schweighöfer. Rund 100 Produktionen waren es allein in Brandenburg, am häufigsten gedreht wurde in Potsdam-Mittelmark und in Potsdam. Mehr als 15 Millionen Zuschauer sahen 2014 Filme aus der Hauptstadtregion im Kino. „Es gibt Überlegungen, das Thema Film noch stärker in der Tourismuswerbung zu nutzen“, sagt Kirsten Niehuus. So sei ein Auftritt bei der ITB geplant.

Höhere Drehgebühren hält Niehuus nicht für angebracht. Die Diskussion war entfacht worden, als bekannt wurde, dass Steven Spielberg nur knapp 840 Euro für die tagelange Sperrung der Glienicker Brücke an die Stadt Potsdam zahlen musste. Der Hollywood-Regisseur drehte dort für seinen Agentenfilm mit Tom Hanks. „Die Bilder, die mit diesem Film von Potsdam um die Welt gehen, sind durch keine Werbeagentur zu ersetzen“, gibt die Medienboard-Chefin zu bedenken. „Es wäre völlig falsch, die Drehgebühren zu erhöhen, um wie bei Falschparkbescheiden Geld in die Kasse zu holen.“

„Es droht keine Pleite“

„Mehr als 25 Jahre nach der politischen Wende ist die Region Berlin-Brandenburg der angesagteste Filmstandort in Deutschland“, sagt Carl Woebcken, der Vorstandschef der Studio Babelsberg AG. Nirgendwo sonst würden so viele Kinofilm gedreht. „Studio Babelsberg hat 2014 jedoch kein einfaches Jahr gehabt“, so Woebcken. Er habe sich jüngst sogar zu dem Satz hinreißen lassen: „Ich hoffe, wir überleben.“ Davon gehe er nun fest aus. „Es droht keine Pleite“, so Woebcken am Dienstag. Allerdings rechne er weiterhin damit, dass Studio Babelsberg 2,5 Millionen Euro Verlust gemacht habe. Das Ergebnis werde Ende März feststehen.

Zwei wichtige Produktionen seien nicht zustande gekommen, auch weil die Planungssicherheit fehlte. Erleichtert zeigt Woebcken sich über die Entscheidung des Bundesrats, wonach der Filmförderfonds 2016 wenigstens wieder auf 60 Million Euro erhöht werden soll. Die Länderschefs folgten damit einem Antrag aus Brandenburg und Baden-Württemberg. Die Bundesregierung sah für 2015 eine Kürzung der Förderung um zehn Millionen auf 50 Millionen Euro vor. Der Filmstudio-Chef kündigte an, dass in diesem Jahr mit dem Aufbau der neuen Außenkulisse begonnen werden soll. Das Studio hatte das Zwölf-Millionen-Euro-Projekt zurückgestellt – zu große wirtschaftliche Unsicherheit. Das Unternehmen setze auf „Babylon Berlin“, die erste TV-Serie von Kino-Regisseur Tom Tykwer. „Wir stehen mit der Produktionsfirma X Filme in Verhandlungen“, sagt Woebcken. Für das Projekt sei eine Außenkulisse wie die „Berliner Straße“ nötig.

Für Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) ist das Filmland Brandenburg eine „Erfolgsgeschichte“. Bei der bevorstehenden Berlinale werden neun vom Medienboard geförderte Filme im Hauptprogramm sein. Vier davon werden im Wettbewerb gezeigt, auch wenn keines dieser Werke in Brandenburg produziert worden ist. Berlin-Brandenburg könne aber auch großes Fernsehen, so Gerber. So wurden nicht nur zahlreiche Filme und bekannte Serien in der Region produziert, der TV-Mehrteiler „Unser Mütter, unsere Väter“ wurde bei den International Emmy Awards als beste Miniserie ausgezeichnet.