Nach einem vorübergehenden Rückgang hat die Rauschgiftkriminalität in Brandenburg im zu Ende gehenden Jahr wieder kontinuierlich zugelegt. Im ersten Halbjahr 2014 seien 3.641 Fälle registriert worden, im Vorjahreszeitraum 2.663, sagte Polizeisprecher Dietmar Keck am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Im gesamten Jahr 2013 waren ihm zufolge knapp 5.200 Straftaten auf diesem Gebiet erfasst worden, 2012 waren es dagegen nur 4.680 Fälle. Intensive Ermittlungen führten immer wieder zu neuen Verfahren, berichtete Keck. Im Zuge der polizeilichen Untersuchungen seien weitere Personen bekannt geworden, die auch für andere Straftaten verantwortlich sein sollen. Die Aufklärungsquote liege zwischen 90 und 95 Prozent.
In etwas mehr als der Hälfte der Fälle spielen Cannabis und seine Zubereitungen die Hauptrolle, wie der Polizeisprecher erklärte. Regionale Schwerpunkte seien die Landkreise Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming südlich von Berlin sowie die Uckermark. Amphetamine, eine synthetische Droge, seien mit steigender Tendenz im Süden und Südosten Brandenburgs, in Cottbus sowie den Landkreisen Oberspreewald-Lausitz und Oder-Spree im Umlauf. 107 Personen wurden im ersten Halbjahr 2014 als Crystal-Erstkonsumenten registriert; 2013 waren es 148. Etwa 80 Prozent von ihnen haben ihren Wohnsitz im Bereich der Polizeidirektion Süd.
Große Cannabis-Plantagen entdeckt
2014 gelang es der Polizei nach eigener Darstellung mehrfach, die organisierten Strukturen der Rauschgifthändler zu zerschlagen, so in Brandenburg/Havel, in der Region Lauchhammer, Potsdam, Vielitz, Schöneiche, Spremberg und Velten. Zudem konnten große Cannabis-Plantagen unter anderem in Karstädt, Braunsdorf, Viesecke, Stahnsdorf und Velten aufgedeckt werden. Die Tatverdächtigen stammten laut Keck zumeist aus der Region Berlin-Brandenburg. Beispielsweise konnten Kriminalbeamte im Februar in Perleberg (Kreis Prignitz) und dem angrenzenden Mecklenburg-Vorpommern drei professionelle Plantagen aufspüren und 4.800 Marihuanapflanzen, 100.000 Euro Bargeld, Fahrzeuge und 23 teure Markenuhren beschlagnahmen. Fünf Tatverdächtige kamen in Untersuchungshaft.
Erst im Oktober glückte der Polizei ein beachtlicher Schlag gegen die Drogenszene. Im Landkreis Potsdam-Mittelmark wurde ein 34 Jahre alter Dealer mit Stoff im Wert von 250.000 Euro gefasst. Im März wurden bei einem Großeinsatz in der Region Lauchhammer 1,3 Kilogramm der gefährlichen Droge Crystal Meth sichergestellt – die bislang größte Einzelmenge. Bereits im Januar hatte eine Razzia brandenburgischer Ermittler in Cottbus und Dresden zur Sicherstellung von 0,8 Kilogramm Chrystal Meth geführt. Im Vergleich dazu konnten im gesamten Jahr 2013 in Brandenburg lediglich 0,3 Kilogramm der vornehmlich in Tschechien produzierten Droge beschlagnahmt werden.
In Brandenburg waren 2013 nach Angaben des Gesundheitsministeriums fünf Menschen infolge ihres Drogenkonsums gestorben. Das waren drei mehr als 2012. Nach der Europäischen Schülerstudie ESPAD haben etwa 23 Prozent der Neunt- und Zehntklässler im Land schon einmal Haschisch probiert.
dpa/pol




